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Arbeitsräume

05.06.2019

Die Digitalisierung hat große Veränderungen gebracht, doch bei der Gestaltung unserer Arbeitsräume und -abläufe spiegeln sie sich noch sehr selten. Eine vergebene Chance, meint der Office-Experte Andreas Gnesda. Wie das Büro zur Pilgerstätte der Firmenkultur wird und warum Unternehmen ehrlicher mit sich sein sollten.

Office-Experte Andreas Gnesda

INTERVIEW STEPHAN STRZYZOWSKI

Wie die Digitalisierung unsere Arbeitsweise ändert: Aufgrund der Digitalisierung können wir unabhängig von Zeit und Ort arbeiten. Mit dieser Möglichkeit umzugehen, müssen wir aber erst lernen. Vor dieser Entwicklung war alles Freizeit, was nicht Arbeitszeit war. Heute ist alles Arbeitszeit geworden, was nicht Freizeit ist. Auszeiten muss man planen und bewusst freihalten. Für viele Menschen stellt sich also die Frage: Wann schauen wir nicht aufs Handy? Das kann enormen Druck aufbauen. Dabei sollten wir eigentlich Herr der Mittel sein, die wir verwenden.

Warum Führungskräfte umdenken müssen: Wir haben in den letzten 200 Jahren den Faktor Zeit als Maßstab für Arbeit verwendet. Jetzt kommen wir in die Lage, wo das Ergebnis entscheidend ist. Früher musste man Anwesenheit kontrollieren, heute, ob die Ergebnisse geliefert worden sind. Dafür müssen Manager viel stärker monitoren, begleiten und fördern. Das ist eine Herausforderung, an der viele scheitern. Umso öfter zeigt sich heute auch, dass Menschen nicht Unternehmen verlassen, sondern Führungskräfte.

Warum Mitarbeiter überhaupt noch immer ins Büro gehen sollten: Das Office ist ein Ort geworden, wo Unternehmen Community schaffen können. Das ist so wichtig, weil immer mehr Menschen etwas tun wollen, worin sie einen Sinn erkennen können. Das Büro wird in diesem Zusammenhang zum Identifikationstempel der gebauten Kultur. Kultur ist, wer wir sind, wie wir etwas tun. Es muss zur Pilgerstätte werden, wo man hingeht und Kultur einatmet und sich auflädt, wo viel persönlicher Austausch stattfindet.

Warum ein gutes Büro keine gute Kultur ersetzt: Es kommt oft vor, dass sich Unternehmer über ein neues Büro auch eine neue Kultur verpassen wollen. Das funktioniert aber nicht. Sie muss schon vorher da sein. Häufig scheitert es allerdings auch an den Kosten oder einer gewissen Scheinheiligkeit. Sie zeigt sich besonders gerne bei Open-Space- Projekten. Offene Räume liegen aktuell im Trend, auch wenn diese Lösung oft schlecht für den Prozess und die Aufgabe ist. Wenn die Chefs Argumente finden, warum sie doch eigene Zimmer brauchen, hängt sich der Sinn völlig auf. 94 % der guten Ideen entstehen nicht in der Arbeit, sondern außerhalb. Dass Arbeitsplätze offenbar Innovationsverhinderer sind, wundert beim Blick in viele Büros kein bisschen.

Worauf Unternehmen achten sollten: Beim Orakel in Delphi steht: „Erkenne dich selbst“. Unternehmen müssen wirklich in sich reinsehen und sich mit dem, was sie dann erblicken, beschäftigen. Wie stiften sie Sinn? Welche Werte vertreten sie? Was sind ihre Visionen? Und leben auch alle danach? Erst danach kann Arbeitsraum zum Ausdruck von Unternehmensgeist und -kultur werden. Abgesehen davon muss er natürlich auch immer ein Abbild der Prozesse sein. Das ist ganz wichtig, wird aber oft vernachlässigt.

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