Direkt zum Inhalt

»Arbeit 21«: Herausforderungen für UnternehmerInnen, ArbeitnehmerInnen und Gesellschaft

26.11.2014

Rund 150 BesucherInnen nahmen an einer spannend-unterhaltsamen Tagung der Grünen Wirtschaft im Palais Eschenbach teil

Was ist »gute« bzw. für ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen zufriedenstellende Arbeit? Wie nachhaltig kann Wirtschaft(en) sein? Wie wäre ein (bedingungsloses) Grundeinkommen finanzierbar, und würde es den Menschen Entscheidungsfreiheit bringen oder sie zum Nichtstun verführen? – Diese und viele weitere Fragen waren Thema der Tagung »Arbeit21: Es gibt noch viel zu tun. Wandel der Arbeitswelt im 21. Jahrhundert«, zu der die Grüne Wirtschaft am vergangenen Freitag, 21.11.2014, geladen hat. Knapp 150 Interessierte folgten der Einladung, lauschten spannenden Vorträgen, Präsentationen und Diskussionen und brachten sich in mehreren Publikumsrunden auch selbst ein.
Den Auftakt machte die deutsche Ökonomin und Philosophin Christine Ax. Sie spannte den Bogen von den negativen Begleiterscheinungen des modernen Arbeitslebens wie Burnout und Boreout über den klassischen Zugang Hannah Arendts (»Vita activa«) bis hin zu aktuellen Studien, wonach unser mitteleuropäischer Wohlstand in den nächsten Jahrzehnten auch trotz eines deutlichen Abbaus von Arbeitskräften gehalten werden könnte. Einerseits brachte sie damit eine bereits laufende Entwicklung zur Diskussion – immer mehr Menschen finden gar keinen (sicheren bzw. den Lebensunterhalt sichernden) Arbeitsplatz mehr –, zum anderen stellte sie vehement das Dogma vom andauernden und absolut notwendigen Wirtschaftswachstum in Frage.


Dem hielt Franz Schellhorn, Gründer und Leiter des Think-tanks »Agenda Austria«, entgegen, dass in unserer Gesellschaft längst nicht alle Menschen vom vorherrschenden Wohlstand profitierten. Ein Verzicht auf Wachstum wäre aus deren Sicht zynisch, ganz zu schweigen von der Bevölkerung der Schwellenländer bzw. in den so genannten Dritte-Welt-Ländern. 

Als mögliche Lösung dafür brachte Margit Appel von der Katholischen Sozialakademie das Konzept des Grundeinkommens ins Spiel und gab erste Einblicke in eine neue Studie. Dafür wurden speziell UnternehmerInnen aus dem Umfeld der Grünen Wirtschaft befragt, die ein Grundeinkommen tendenziell als Entlastung sehen – und als Entbindung von der oft zwingenden Notwendigkeit, jeden Auftrag annehmen zu müssen.

 

Boni für grüne Mobilität auf dem Arbeitsweg


In der zweiten Halbzeit der Tagung wurde in zwei unterhaltsamen Bühnen-Performances dargestellt, wie nachhaltiges und im weitesten Sinne grünes Wirtschaften in der Praxis aussehen kann. Sonja Hiebler vom Grazer Hochtechnologie-Unternehmen Anton Paar GmbH erzählte etwa, dass ihre MitarbeiterInnen finanziell vergütete Bonuspunkte dafür erhalten, wenn sie in Fahrgemeinschaften, mit öffentlichen Mitteln oder – im lohnendsten Fall – mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen.
Sina Trinkwalder, Gründerin des Social-Business-Textilunternehmens Manomama in Augsburg, gibt Menschen eine Chance, die aus dem klassischen Arbeitsmarkt gekippt sind. Dem gesellschaftlichen Makel einer »Behinderung« setzt sie das Motto entgegen: »Das ist kein Bug, das ist ein Feature«, und streicht ihr absolutes Vertrauen in die besonderen Fähigkeiten jedes Menschen glaubhaft hervor.


Abschließend diskutierten Barbara Haas, Sozioökonomin der WU Wien, Marcel Fink vom Institut für Staatswissenschaft der Uni Wien, und Wolfgang Kuttner, Uni-Kliniken Kopenhagen, mit dem Wiener Soziologen Jörg Flecker über dessen davor gehaltenen Vortrag zur »Erwerbsarbeit im Umbruch«. Zentrales Thema war eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung, mit der zwei wesentliche Probleme gelöst würden: Einerseits könnte die in einer Gesellschaft vorhandene Arbeit fairer auf mehr Menschen verteilt werden. Gleichzeitig würde das die Volksgesundheit steigern. Denn, so führte Flecker aus, wir haben momentan die Situation, dass eine große Gruppe von Menschen durch Arbeitslosigkeit und eine noch größere Gruppe durch Arbeitsüberlastung (chronisch) krank wird.

Für die Grüne Wirtschaft, die geladenen ExpertInnen und die BesucherInnen fand damit um 18.00 Uhr eine erfolgreiche, lehrreiche und auch unterhaltsame Tagung ihr Ende. 

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
Werbung

Weiterführende Themen

Marketing & Unternehmen
13.01.2015

Zukunftsinstitut präsentiert die wichtigsten Tourismustrends auf 120 Seiten.

Zukunftsforscher Erik Händeler … sieht Zusammenarbeit ... als Garant für künftigen Wohlstand
Interview
21.05.2013

Wege aus der KriseNicht die Gier der Banker, sondern zu wenig Innovation sei verantwortlich für die Krise, sagt Zukunftsforscher und  Kondratiefftheoretiker Erik Händeler. Und wie bringen wir ...

 Bei der Recherche war uns Theresia Vogel,  Geschäftsführerin des Klima- und  Energiefonds behilflich.
Wirtschaftsgeschichte
15.06.2012

Um den künftigen wirtschaftlichen sowie ökologischen Herausforderungen zu entsprechen, müssen Städte zu „Smart Cities“ werden. Die WIRTSCHAFT hat Trends und Geschäftschancen zusammengefasst. ...

Meldungen
02.04.2012

SchumBeta ist die Mehrblick-Konferenzserie, die sich mit den brennendsten Themen der Wirtschaft befasst. Den Startschuss macht die Konferenz zum Thema „Medien - zurück in die Zukunft" am 3. Mai ...

Interview
14.09.2011

Heute steckt die Elektromobilität noch in den Kinderschuhen. Doch in 40 Jahren wird sie ein selbstverständlicher Teil des Alltags geworden sein. Wir haben eine Zeitreise gewagt und Guillaume de ...

Werbung