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Anlage mit Wohlfühlfaktor

28.11.2016

Mit der Geldanlage ordentliche Gewinne zu machen, ist richtig schwer geworden. Dafür lässt sich immer häufiger Gutes damit bewirken. Sogar ohne Einbußen.

Der Leitzins grundelt auf einem rekordverdächtig niedrigen Niveau herum. Mit großartigen Zuwächsen brauchen Sparer aktuell nicht rechnen. Ein guter Zeitpunkt, um zu hinterfragen, ob die Anlage nicht auf eine andere Art Sinn ergeben kann. Eine Antwort liefern sogenannte nachhaltige Anlageprodukte. „Bei ihnen werden ökologische, soziale und ethische Aspekte in die Anlageentscheidung miteinbezogen“, erklärt Reinhard Friesenbichler. Er unterstützt seine Kunden seit Jahren insbesondere durch die Konzeption von Investmentprodukten, Nachhaltigkeits-Research und die Integration von Nachhaltigkeit in Anlageprozesse. Das Feld ist bei der nachhaltigen Anlage aktuell sehr weit gesteckt. Das Engage­ment reicht vom Anwenden weniger Ausschlusskriterien bis hin zur intensiven Positivanalyse, wo aufgrund eines umfangreichen Ratings mit hunderten Kriterien ausgewählt wird. Das tun sich aber erst wenige Player an. Die große Mehrheit bilden heute noch die Ausschlussansätze. „Denn das geht leicht“, sagt Friesenbichler. So kann etwa einfach das Investment in kontroverse Waffen ausgeschlossen werden. Ein sehr weicher Ansatz, wie der Experte betont und zu bedenken gibt: Das Schlimmste auszuschließen, sei längst noch kein echtes nachhaltiges Investment.

Ethische Auswahlkriterien im Aufwind 

Fest steht für ihn aber, dass die Bedeutung von nachhaltigen Anlageformen noch kräftig wachsen wird. Und dafür gibt es diverse gute Gründe. Einer davon liegt in der Performance. So hat eine Metastudie 2015 belegt, dass nachhaltige Investments tendenziell eine leichte Outperfomance aufweisen. Eine weitere Erkenntnis der Untersuchung: Damit Performance besser wird, muss die Anlagestrategie umfassend nachhaltig aufgesetzt sein. Wer also denkt: Entweder ethisch oder rentabel, irrt. Ein weiterer Grund für den Aufstieg nachhaltiger Veranlagungen liegt bei den Konsumenten. Vor allem viele der privaten Anleger wünschen sich mittlerweile eine Geldanlage, die Sinn stiftet. Ein Ruf, der bei den institutionellen Anbietern für entsprechenden Widerhall sorgt. So können zum Beispiel Vorsorgekassen mit entsprechenden Produkten neuen Kunden zwar keine rasend attraktiven finanziellen Perspektiven mehr bieten, aber sie können ihnen versprechen, dass ihre Anlage eine soziale Rendite bringt. Und diese könnte man im Gegensatz zur Performance fix zusagen, meint Friesenbichler.
Im Bereich der Privatanleger liegt der Anteil an den nachhaltigen Assets in Österreich aktuell immerhin bei 15–20 %. Raum nach oben ist also vorhanden. Nicht zuletzt, weil sich die Investoren erst langsam sowohl ihrer Bedürfnisse als auch ihrer Macht bewusst werden. Denkt man etwa daran, wie Konsumentenwünsche den Lebensmittelhandel, aber auch die Textilbranche verändert haben, lässt sich erahnen, was der Finanzwirtschaft bevorsteht. Allerdings könnte das noch ein wenig dauern, meint Friesenbichler und wundert sich über die mangelnde financial literacy in Österreich. „Bei Lebensmitteln und Bekleidung, wo es um niedrige Beträge geht, achten die Menschen auf Nachhaltigkeit. Bei der Veranlagung der Lebensersparnisse dagegen vertraut man sich einfach einem Berater an, der bei der Tür reinschneit“, beobachtet Friesenbichler und urteilt: „Hier fehlt noch die Mündigkeit. Vielfach allerdings auch auf Seiten der Berater.“ 
So wenig auch viele Endkonsumenten mit der Finanzwelt am Hut haben, so bedeutend ist ihre Masse schon jetzt über das Vehikel der betrieblichen und privaten Altersvorsorge. Denn beide Anlageformen werden immer wichtiger. Und sie bilden den Großteil der Mittel in nachhaltigen Anlageformen. Die Forderung, dass Investoren aus Problembranchen aussteigen sollen, spiegelt sich auch dort wider.  
Ein kleines Pflänzchen, das ebenfalls langsam zu wachsen beginnt, sind klassische Sparprodukte, deren Einlagen nur in bestimme Kategorien investiert werden. Etwa in Pflegeheime, sozialen Wohnbau oder erneuerbare Energie. In dieselbe Kerbe schlagen auch zweckgewidmete Anleihen unter dem Titel „Greenbonds“ oder „Inpactbonds“.  

Ethisch ist sicher

Davon, dass die Anforderungen der CSR durchaus mit jener der Finanzbranche auf einen Nenner zu bringen sind, ist Friesenbichler überzeugt. „Wenn man den Werkzeugkoffer eines Nachhaltigkeitsanalysten mit dem eines Finanzanalysten vergleicht, werden 80 % der Kriterien sehr ähnlich sein. Sie heißen nur anders“, erklärt der Experte. Im besten Fall winken also gute Renditen und ein sozialer Mehrwert. Grund genug, um auch als Unternehmen einen kritischen Blick auf seine Anlageformen zu werfen. Denn auch, wenn vielleicht ein Großteil der Mittel des Betriebs auf Bankkonten liegt, können diese konventionell gestaltet oder ein Stück weit nachhaltig aufgesetzt sein. So können viele Banken etwa zweckgewidmete Bankkonten anbieten. Und wenn nicht, zahlt es sich aus, danach zu fragen oder allenfalls sogar das Institut zu wechseln, meint ­Friesenbichler. Denn damit erhöht man die Nachfrage und bringt den Stein ins Rollen. 

Autor/in:
Mag. Stephan Strzyzowski
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