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Am Catwalk

22.07.2019

Der Verhaltensbiologe im Unternehmen beobachtet, misst und analysiert gerne in Konferenzräumen und Chefetagen. Dort findet er reichlich Material für seine Analysen. Wer aber meint, dass er sich im Stiegenhaus oder am Gang im „Leo“ befindet, irrt gewaltig, wie Gregor Fauma als Vertreter dieser Zunft beweist. Wer warum rennt und wer es langsam angehen lassen kann.  

Das Stiegenhaus ist der Catwalk des Unternehmens. Hier präsentiert man sich, geht auf einander zu, an einander vorbei, grüßt oder auch nicht und sieht einander eventuell hinterher. Genug Substrat für den Verhaltensbiologen im Unternehmen! Da wäre einmal die Etagenhöhe: Natürlich spielt es eine Rolle, ob man im 2. oder im 17. Stock aus dem Lift steigt. Die Etagenhöhe ist ein Statussymbol. Entsprechend sind Etagen unterschiedlich eingerichtet. Meist steigt die atmosphärische Qualität mit der Höhe des Stockwerks. Mehr Licht, mehr Raum, gemütlichere Sitzecken, großzügigere Küchen, schicke Bilder, dicke Teppiche am Boden (manchmal auch den Wänden), schicke Beleuchtungskörper.

Take it slow

Gut beobachtbar ist auf den Gängen auch die Gehgeschwindigkeit. Denn die ist nicht immer gleich bei uns Menschen. Evolutionsbiologisch betrachtet und in Zeitspannen von Millionen Jahren denkend, sind Frauen der limitierende Faktor bei der Fortpflanzung. Ohne Frauen geht da nichts. In Folge treten die Männer um diesen limitierenden Faktor Frau gegeneinander an. Die Frauen hingegen sind jene, die dann eine Auswahl treffen. Rund um ihre fruchtbaren Tage sind Frauen sogar besonders kritisch und haben dazu ein erhöhtes Ekelempfinden entwickelt. Für Frauen ist, evolutionär betrachtet, der sozio-ökonomische Status der Männer ein wichtiges Wahlkriterium. Daher ist es für Männer auch wichtig, im Kampf um diesen Status zu bestehen und diesen Status auch zu zeigen. Kann die Gehgeschwindigkeit nun ein Anzeiger für hohen Status sein? Genau das ist der Fall! In den Gesellschaften der Savanne gab es bereits eine Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen. Die Frauen sammelten, die Männer gingen auf die Jagd. Der Zugang zu hochwertiger Nahrung war und ist ein ganz wesentliches Kriterium erfolgreicher Fortpflanzung. Schwangere Frauen brauchen hochwertige Nahrung für mindestens zwei Lebewesen. Männer, die signalisieren, dass sie zur Versorgung gut fähig sind, hatten demnach einen reproduktiven Vorteil. Und tatsächlich, sie zeigen dieses Verhalten vor Frauen, um diese zu beeindrucken. Sie stehen aufrechter, zeigen mehr Körperspannung und gehen vor allem zügiger! Gehgeschwindigkeit wurde so zum Anzeiger von Status und steht damit für ein deutliches „Schau wie gut ich beieinander bin - nimm mich!“. Das in modernen Umgebungen zu testen, war dann keine Kunst mehr, das Ergebnis war absehbar: Höherrangige Männer gehen de facto schneller als niederrangige. Und genau das lässt sich in Stiegenhäusern und Gängen von Unternehmen ganz wunderbar beobachten. Während der Portier und die Reinigungskräfte durch das Haus schlendern, beschleunigen Teamleiter schon ein wenig, werden von Abteilungsleitern überholt, die jedoch gegenüber den Bereichsleitern das Nachsehen haben. Der Leiter der Rechtsabteilung sprintet dann schon durch das Haus. Nur der Vorstand hat dieses Spiel des Statussignalisierens nicht mehr notwendig: Der kann es sich schon wieder leisten, so langsam wie die Reinigungskräfte zu bummeln, er braucht seinen Status nicht mehr laut rauszuschreien. Wir sehen, alleine die Art und Weise wie wir gehen, ist ein Erbe der Lebensbedingungen unserer Vorfahren und der sexuellen Selektion. Und gerade innerhalb eines Unternehmens, wo Hierarchie und Status großgeschrieben werden, sind diese Effekt heute immer noch wunderbar beobachtbar. Wir Affen!

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