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Alles auf Schiene?

05.04.2021

Wie es um Österreichs Infrastruktur steht, analysiert jedes Jahr der Infrastrukturreport der Initiative Future Business Austria (FBA). Ein Überblick zu Baustellen und Perspektiven.

Wer mit offenen Augen unterwegs ist, wird bemerken, dass trotz Corona keineswegs Stillstand herrscht. Im Gegenteil: Unzählige Baustellen zeugen davon, dass permanent an der heimischen Infrastruktur gearbeitet wird. Besonders gut sichtbar, wenn es um das Straßennetz, Stromleitungen oder um neue, von manchen heißersehnte Handymasten geht. Wie viel am Ende tatsächlich vorangeht und wie happy heimische Topmanager mit den Maßnahmen sind, erhebt Jahr für Jahr der Österreichische Infrastrukturreport. 2021 fällt das Fazit überraschend positiv aus: Die Zufriedenheit mit der österreichischen Infrastruktur während der bisherigen Corona- Krise ist unter den 240 befragten Managern hoch. Sehr hoch sogar. Für 87 Prozent hat sich die heimische Infrastruktur bewährt. Trotzdem besteht Handlungsbedarf: Den größten Verbesserungsbedarf sehen die Befragten im Bereich IT, gefolgt von Internet und Mobilfunknetz. Was nach Monaten im Homeoffice nur wenig überrascht. Doch kein Schatten ohne Licht: Im europäischen Vergleich punktet Österreich vor allem mit seiner Gesundheitsinfrastruktur, gefolgt von Straße und Energie. Mit Abstand folgen der Telekom-Bereich und der öffentliche Verkehr. Es gibt also durchaus noch Luft nach oben, wie ein genauerer Blick in die verschiedenen Segmente offenbart.

BRENNPUNKT: STRASSE

Die österreichische Straßeninfrastruktur befindet sich laut Analyse des Infrastrukturreports im Allgemeinen in einem vergleichsweise guten Ausbauzustand. Verwaltet wird das Straßennetz für die Republik Österreich von der Asfinag als hundertprozentige Tochter des Staates. Die Erhaltung und auch der weitere Ausbau des Straßennetzes sollten durch deren Einnahmen gedeckt sein. Kilometerabhängige Benutzungsentgelte könnten, laut den befragten Experten, eine Lösung für den zunehmenden Platzmangel im Straßennetz sein und würden eine langfristig bedeutende ressourcenschonende Wirkung entfalten. Ohne die Abgabenbelastung für PKW-Fahrer zu erhöhen, könnte via Telematik bzw. intelligente Verkehrssysteme (IVS) der Verkehr so gesteuert werden, dass die Straßenressourcen besser genützt werden. Positive Effekte wären mehr Effizienz und Kostensenkungen für die Verkehrsteilnehmer sowie geringere Umweltbelastungen.

BRENNPUNKT: SCHIENE

Das Schienenbenützungsentgelt, das insbesondere die ÖBB ihrer Bau- und Infrastrukturgesellschaft überweisen müssen, deckt allenfalls die laufenden Instandhaltungskosten des bestehenden Schienen- und Signalnetzes. Eine Finanzierung neuer Strecken sowie der teuren Tunnelbauten ist auf diese Weise laut dem Report nicht gegeben. Dabei hätten aber gerade Investitionen in die Bahninfrastruktur Kosteneinsparungen für die Wirtschaft durch schnelleren und besseren Transport von Gütern und Menschen zur Folge. Fest steht: Die Zukunft des Gütertransports auf der Schiene hängt weitgehend von den dafür notwendigen Investitionen in die Übergänge zwischen Straße und Schiene ab. Faire Kalkulationen zu den Transportkosten für Schiene und Straße wären eine wesentliche Voraussetzung für die notwendigen Investitionsentscheidungen. Die internationale Vernetzung des Infrastrukturbereichs Schiene ist vor allem Richtung Osten erfolgversprechend. Durch die Verlängerung des russischen Breitspureisenbahnnetzes Richtung Mitteleuropa eröffnen sich neue Impulse für den Standort Österreich und für die gesamte Region. Doch bleibt laut den Autoren des Reports abzuwarten, wie sich politische Maßnahmen zur Attraktivierung des Personenverkehrs auf der Schiene („1-2-3-Ticket“) auswirken werden und welche Konsequenzen die Covid-19-Krise für den öffentlichen Verkehr generell hat.

BRENNPUNKT: LUFTFAHRT

Der Verkehrsknotenpunkt Flughafen Wien ist auch in der Post-Corona-Phase insbesondere für die Ostregion Österreichs volkswirtschaftlich von Bedeutung. Die Expansion der österreichischen Wirtschaft nach Osteuropa wurde durch die dichten Flugverbindungen der Austrian Airlines in diesen Teil der Welt erheblich erleichtert. Bedroht wird die Hub-Funktion des Wiener Flughafens von den neuen Hubs am Golf und in Istanbul. Der Verlust von Transitpassagieren an andere zentrale Hubs wird laut Report dazu führen, dass die zahlreichen Flüge, die Wien mit Osteuropa verbinden, nicht mehr ausgelastet werden können. Die Bestandsgarantie der Lufthansa für die AUA und den Hub Wien ist standortpolitisch laut dem Report von großer Relevanz und verdient hinsichtlich der Umsetzung höchste wirtschaftspolitische Aufmerksamkeit. Entsprechend wichtig sei deshalb auch der Ausbau des Flughafens Wien und seiner dritten Piste. Nicht zu unterschätzen sei auch die Bedeutung der heimischen Regionalflughäfen. Dabei bedarf es beispielsweise einer Verbesserung der multimodalen Anbindungen, insbesondere in Bezug auf die hochrangigen Schienenverbindungen. Zu prüfen ist laut dem Report ferner, welche Auswirkungen steuerliche Belastungen, Umweltabgaben, Flugticketabgaben, Nachtflugverbote etc. auf die Wettbewerbsfähigkeit der Flugverkehrsbranche in Österreich und Europa haben.

BRENNPUNKT: INFORMATIONS- UND KOMMUNIKATIONSTECHNOLOGIEN

Die Covid-19-Krise hat zweifellos einen Turboeffekt auf die digitale Transformation. Die Verbreitung und die Anwendung von Breitbandtechnologien spielen mehr denn je eine Schlüsselrolle. Während die Versorgung in Ballungszentren inzwischen einigermaßen zufriedenstellt, ist laut dem Infrastrukturreport 2021 anderswo vielfach mangelnde Verfügbarkeit zu beklagen. Deswegen bleibt zu hoffen, dass die Schwerpunkte der Breitbandinvestitionen sich, wie geplant, stärker in den ländlichen Raum verlagern. So sollen die bereitgestellten finanziellen Mittel als Förderungen zur Versorgung ausgewählter Regionen Österreichs und insbesondere des ländlichen Raums mit ultraschnellem Internet verwendet werden. Eine entsprechende Infrastruktur würde einen wichtigen Beitrag leisten. Nur mit dieser sind die Voraussetzungen gegeben, um unter dem Stichwort „digitale Transformation“ eine Neuorganisation von Wertschöpfungsketten und neue Geschäftsmodelle zu ermöglichen, die konkrete Impulse für das nach der Krise dringend benötigte Wachstum liefern können. Deswegen empfehlen die Autoren dringend, die Bemühungen zum Ausbau der Breitbandinfrastruktur zu intensivieren und privatwirtschaftliche Investitionen durch entsprechende Anreizsysteme zu unterstützen.

Autor/in:
Mag. Stephan Strzyzowski
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