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Agile Coaches auswählen und ausbilden

17.12.2018

Welche Mitarbeiter sollen wir zu Agile Coaches ausbilden? Diesbezüglich sind Unternehmen oft unsicher. Denn Agile Coaches brauchen auch den passenden Mindset und eine agile Haltung, um die gewünschten Veränderungen zu bewirken.

Für die agile Transformation einer Organisation genügt es nicht, agile Methoden einzuführen und die Strukturen zu verändern. Vielmehr ist auch ein agiler Mindset nötig, damit die Kultur im Unternehmen in Bewegung kommt und sich die Strategie mit Leben füllt. Dieser Mindset lässt sich nicht per Dekret verordnen. Er entwickelt sich in einem Changeprozess, bei dem die Mitarbeiter und Führungskräfte meist eine aktive Unterstützung brauchen – zum Beispiel durch „Agile Coaches“ in der Organisation.

Darüber sind sich die Unternehmen inzwischen weitgehend einig. Klar ist ihnen meist auch, dass eine Leidenschaft fürs Thema allein nicht reicht, um die Rolle als Agile Coach adäquat wahrzunehmen. Deshalb senden immer mehr Unternehmen ihre angehenden Agile Coaches auf Fortbildungen, die ihnen das erforderliche Know-how und Können vermittelt sollen.

Agile Coaches brauchen einen agilen Mindset

Dabei erfolgt die Auswahl der Ausbildungsteilnehmer meist noch recht unsystematisch. Außerdem wird bei ihr nicht ausreichend berücksichtigt, dass ein Agile Coach auch einen agilen Mindset braucht. Denn dieser entscheidet darüber, ob die Methoden adäquat eingesetzt werden. Deshalb sollte eine Faustregel beim Konzipieren einer Agile-Coach-Ausbildung lauten: 20 Prozent Technik/Methodik und rund 80 Prozent Haltung. Denn Agile Coaches sind Multiplikatoren. Also lautet die zentrale Frage: Was multiplizieren sie? Nur Methoden-Know-how oder auch die für ein agiles Arbeiten nötige Einstellung und Haltung? Die Antwort hängt von der Auswahl der künftigen Coaches und vom Konzept ihrer Ausbildung ab.

Die Kandidaten gezielt auswählen

Zwei Beispiele: Angenommen Sie wählen als Verantwortlicher einen Mitarbeiter aus, der schon mit der Scrum-Methodik vertraut ist. Dann heißt dies nicht zwingend, dass er die Grundvoraussetzungen für einen Agile Coach erfüllt. Denn Scrum ist nur eine von vielen Methoden in der agilen Arbeitswelt und der Nutzen jeder Methode hängt auch davon ab, mit welchem Geist sie angewendet wird.

Angenommen Sie denken, ein bereits ausgebildeter Coach sei die richtige Wahl. Dann stellt sich die Frage: Steht seiner Entwicklung zum Agile Coach eventuell das Credo vieler Coaches im Weg, dass das Gegenüber die Lösung stets selbst finden muss? Die Praxis zeigt oft: Ja. Denn Agile Coaches müssen bei ihrer Arbeit eine große Rollenflexibilität zeigen. Mal müssen sie Mitarbeiter oder Kollegen coachen, mal beraten, mal Dinge mitgestalten. Zudem sind sie oft Sparringspartner für das Management, wenn es darum geht, wie die gewünschte Entwicklung voran geht. Deshalb brauchen sie neben „Macher-Qualitäten“, auch Rückgrat und ein gewisses Standing in der Organisation.

Vorab ein Anforderungsprofil definieren

Also sollten sich Unternehmen, bevor sie die Ausbildungsteilnehmer benennen, intensiv mit der Frage befassen, welche Kompetenzen und welchen Mindset ein Kandidat braucht, um künftig die Rolle als Agile Coach erfolgreich auszuüben.

Die Praxis zeigt, dass hierfür folgende Kompetenzen bzw. Fähigkeiten wichtig sind:

  • beziehungsgestaltende Kompetenzen (z.B. ausgeprägte kommunikative Fähigkeiten inkl. der Fähigkeit, Konflikte konstruktiv zu gestalten; Team- und Kooperationsfähigkeit, ein Agile Leadership-Verständnis)
  • kognitive und (selbst-)regulatorische Fähigkeiten (u.a. geistige Wendigkeit, Ambiguitäts- und Frustrationstoleranz)
  • Fähigkeit zur Selbststeuerung (z.B. das eigene Verhalten beobachten, bewerten und nachjustieren können).

Diese Fähigkeiten bzw. Kompetenzen erleichtern es, Mehrdeutigkeiten souverän zu begegnen, Veränderungen offen anzugehen und sich schnell in einen Rahmen einzufinden, der durch wechselnde Rollen statt starrer (hierarchischer) Strukturen geprägt ist.

Aufbruch zu einer mehrstufigen Reise

Grundsätzlich können sich alle Mitarbeiter auf die „Agile Reise“ begeben. Wichtig ist es jedoch, den Ausgangspunkt der potenziellen Teilnehmer zu kennen, um deren Entwicklung bedarfs- und zielorientiert fördern zu können.

Für die Auswahl der Reise-Teilnehmer empfiehlt sich ein „Agile Awareness Workshop“. Er dient dazu, ein Grundverständnis dafür zu schaffen, was agile Transformation bedeutet, welche Dimensionen dieser (Change-)Prozess berührt und was die Aufgaben und Rollen eines Agile Coaches sind. Dabei lautet das zentrale Ziel: Bei den potenziellen Ausbildungsteilnehmern soll ein klares Bild entstehen, ob sie sich überhaupt auf die Reise in die Welt der Agile Coaches begeben möchten. Gegen Workshop-Ende sollte jeder für sich entscheiden können:

  • „Ja, ich will ein Agile Coach werden“ oder
  • „Nein, ich kann in einer anderen Funktion mehr zum Steigern der Agilität unserer Organisation beitragen“.

Die Ausbildung zum Agile Coach selbst sollte modular aufgebaut sein und sich über einen längeren Zeitraum erstrecken – zum Beispiel sechs oder neun Monate. Zudem sollte in ihr neben der Methodenvermittlung das Thema Selbstreflexion und Reflexion der gemachten Erfahrungen eine wichtige Rolle spielen. Denn nur so entwickeln sich die Coaches weiter, und es entsteht allmählich die Haltung und Verhaltenssicherheit, die sie im Arbeitsalltag brauchen.

Zu den Autoren:

Katja von Bergen arbeitet als Managementberaterin für die international agierende Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner, Bruchsal (www.kraus-und-partner.de), die u.a. Agile Coaches ausbildet. Die Betriebswirtin ist auf die Themenfelder agile Transformation und Unternehmensentwicklung spezialisiert.

Lars-O. Böckmann studierte Betriebswirtschaftslehre sowie Arbeits- und Organisationspsychologie. Er arbeitet ebenfalls als Berater für Dr. Kraus & Partner. Der Fokus des HR-Experten mit langjähriger Führungserfahrung liegt im Bereich HR und HR-Development.

 

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