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Abgesichert investieren

11.10.2017

Die Europäische Kommission hat im Rahmen der „Investitionsoffensive für Europa“, die auch als „Juncker-Plan“ bekannt ist, den Europäischen Fonds für Strategische Investitionen geschaffen. Unternehmer können mit seiner Hilfe gewisse Finanzierungsvorhaben absichern. Wofür es Geld gibt und wie man rankommt? Sieben Fragen und Antworten.

Text: Stephan Strzyzowski

WARUM WURDE DIE OFFENSIVE GEGRÜNDET?
Die Finanzkrise hat zu einem einen Rückgang bei Investitionen geführt. Der Teufelskreis aus hohen Staatsschulden, geringer Wettbewerbsfähigkeit und Instabilität im Finanzsektor hat sich auch negativ auf das Investitionsverhalten ausgewirkt. Die Folge: Ein Rückgang im Wirtschaftswachstum und bei der Beschäftigung. Die 2015 gestartete Offensive der EU will durch zusätzliche Finanzierungen, technische Unterstützung und Strukturreformen dabei helfen, den daraus entstandenen Investitionsstau abzubauen.

WIE IST DIE OFFENSIVE STRUKTURIERT?
Sie beruht auf drei Säulen: erstens auf dem Europäischen Fonds für Strategische Investitionen (EFSI), zweitens auf der Europäischen Plattform für Investitionsberatung (EIAH) und dem Europäischen Investitionsvorhabenportal (EIPP) und drittens auf dem Bestreben, das Investitionsumfeld Europa selbst zu verbessern.

WIE PROFITIEREN UNTERNEHMEN VON DEM FONDS?
Die Mobilisierung von zusätzlichen Finanzierungen ermöglicht der EFSI neue Investitionen. Er ist eine Garantie- Fazilität der Europäischen Investitionsbank mit einem Volumen von 33,5 Mrd. Euro bis 2020. Dieses Volumen erlaubt es der Investitionsbank, um ca. 100 Milliarden mehr Kredite zu vergeben und ein höheres Risiko einzugehen. Die Voraussetzung: Es muss sich um Projekte handeln, die langfristiges Wachstum, Innovation und Beschäftigung fördern. Es handelt sich dabei nicht um eine Subvention: Lediglich ein Teil des potenziellen Ausfallsrisikos wird übernommen, allerdings müssen Kredite zurückbezahlt werden.

WIE FUNKTIONIERT DIE ABWICKLUNG?
Wenn es um große Infrastruktur-Projekte über 25 Millionen Euro geht, läuft die Betreuung und Abwicklung direkt über die Europäische Investitionsbank. Die kleineren Projekte von KMU und Mid-Cap-Unternehmen werden über Finanzintermediäre wie die Bank Austria und die AWS abgewickelt. Technische Unterstützung gibt es bei der Plattform für Investitionsberatung, die als zentrale Anlaufstelle eine breite Palette von Beratungsleistungen anbietet und den Investoren die Strukturierung von Projekten erleichtert. Darüber hinaus hilft das Investitionsvorhabenportal den in der EU ansässigen Projektträgern weltweit potenzielle Investoren zu erreichen.

WELCHE VORAUSSETZUNGEN MÜSSEN PROJEKTE MITBRINGEN?
Die Offensive finanziert höchstens 50 Prozent des Volumens. Die Beteiligung von privaten oder institutionellen Investoren ist also zwingend und auch das, worauf die Initiative abzielt. Darüber hinaus muss es sich um Projekte handeln, die technisch solide und ausgereift sind und auch eine Rendite erwirtschaften können. Finanziert werden darüber hinaus Projekte in folgenden Bereichen: Infrastruktur im breiten Sinne des Wortes, d. h. nicht nur im Verkehr oder Breitband, sondern auch soziale Infrastruktur wie Bildung, Schulen, Spitäler, dann Forschung & Entwicklung sowie Innovation, erneuerbare Energie und Ressourceneffizienz.

WAS TUT DIE EU, UM DAS INVESTITIONSUMFELD SELBST ZU VERBESSERN?
Im Rahmen der Investitionsoffensive sollen auch strukturelle Veränderungen auf nationaler Ebene ermöglicht werden. Konkret geht es um die Abschaffung bürokratischer und regulatorischer Hürden, die die Investitionstätigkeit erschweren. Dies betrifft in Österreich z. B. den Dienstleistungsbereich. Auf EU-Ebene soll der Binnenmarkt weiter vertieft werden, denn die bestehenden Fragmentierungen in den Kapital-, Energiemärkten und in der digitalen Branche machen es sehr kostspielig oder sogar unmöglich, erfolgreich Investitionen in Europa zu forcieren.

WAS HAT DIE INITIATIVE BISLANG ERREICHT?
Die Investitionsoffensive für Europa hat bis dato 236 Milliarden Euro zusätzlicher Investitionen angestoßen und damit rund 300.000 neue Jobs gefördert. Bis 2020 sollen es 700.000 werden. Das Gesamtfinanzierungsvolumen aus dem EFSI in Österreich beläuft sich auf 818 Millionen Euro und soll 2,6 Milliarden Euro an Folgeinvestitionen auslösen. Neben den größeren Projekten im Infrastruktur- und Innovationsbereich werden von dieser Summe voraussichtlich 971 KMU und Midcap-Unternehmen profitieren. Auf EU-Ebene wurde bislang 454.000 KMU der Zugang zu Finanzmitteln erleichtert. Bis 2020 wird die Investitionsoffensive eine halbe Billion an neuen Investitionen mobilisieren.

www.consilium.europa.eu/de/policies/investment-plan

Autor/in:
Mag. Stephan Strzyzowski
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