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7 Gedanken für die Quarantäne

21.04.2020

Die Krise hält ein paar Lektionen für uns bereit. Zeit, darüber ­nachzudenken, haben wir jetzt genug.

1 Umarme Überraschungen.

Privat mögen wir es, überrascht zu werden. Davon lebte die gesamte Freizeitindustrie. In der Wirtschaft aber muss alles vorhersagbar, berechenbar, steuerbar sein. Vielleicht hat man ja Szenarienplanung betrieben: ein bestes Szenario, ein schlechtestes und ein wahrscheinlichstes. Was nützt das jetzt? Eine Pandemie sah niemand vorher. Diese Krise werden jene am besten überstehen, die mit Überraschungen gut zurechtkommen. Da helfen weder KI noch Datenmodelle: Jetzt geht es um Beweglichkeit und kreative Ideen.  

2 Alte Erfolge zählen nicht.

Corona steht für schockartige Veränderungen: Auftrittswahrscheinlichkeit minimal, Auswirkung maximal. Solche Schocks treffen große, erfolgsverwöhnte Unternehmen heftiger als mittlere und kleine. Als in den 1990ern Kodak-Manager auf das Disruptionspotenzial der Digitalfotografie angesprochen ­wurden, antworteten sie: „Kodak gibt es seit 150 Jahren, Kodak wird es in 150 Jahren noch geben.“ Ein böser Irrtum: Angesichts eines Gamechangers ist früherer Glanz hinderlich.  

3 Es wird nicht sein wie vorher.

Aufstehen, Krone richten, weitergehen, das wird es diesmal nicht spielen. Wir werden nicht dort weitermachen, wo wir aufgehört haben. Vieles wird es in der alten Form nicht mehr geben. Wenn wir das akzeptieren, können wir in der Zeit des Stillstands nachdenken, was wir gut können und was uns danach – wann immer das sein wird – beim Überleben hilft.  

4 Es hat sich ausgewachstumt.

Klimawandel, Gletscherschmelze, CO₂-Fußabdruck – alle wussten es, nur wenige taten etwas dagegen. Die Wirtschaft war wichtiger. Und stetes Wachstum. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet ein klitzekleiner Virus alles zum Erliegen bringt. Nie war die Luft über Wuhan sauberer als jetzt. Die Frage ist nun: Werden wir es danach besser machen? 

5 Jeder für sich oder alle gemeinsam.

Der Gedanke ist ein wenig romantisch, aber denken wir ihn durch. Im Moment haben alle Angst, Unternehmer, Führungskräfte, Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten. Jeder kann für sich kämpfen. Oder alle begreifen sich als soziales System, das sie selbst gestalten können. Nicht gegeneinander, sondern gemeinsam. Ja, das ist Charaktersache. Corona kann das Beste in uns zum Vorschein bringen – oder das Schlechteste. 

6 Ich leiste, also bin ich.

Echt? Unsere alte Welt war auf Leistung aufgebaut. Man nannte sich Leistungsträger, man perfektionierte, kon­trollierte, zertifizierte. Dahinter steht der tiefe Wunsch nach Sicherheit. Ich leiste, also bin ich wichtig, also bin ich sicher, auch in Zukunft. Das Hamsterrad drehte sich so schnell, dass wir nicht zum Nachdenken kamen, ob wir das überhaupt wollten. Jetzt können wir es. Wollen wir so leben?

7 Der Sinn meines Lebens.

Die Regierung stützt Wirtschaft und Betroffene mit derzeit 38 Milliarden Euro (Stand 1. April). Für viele kommt damit eine Art bedingungsloses Grundeinkommen über die Corona-Hintertür herein. Finanziell über die Runden zu kommen, ist ein Aspekt, eine Aufgabe zu haben, ein anderer. Die stiftet Identität, Verwirklichung, Sinn. Diesen Sinn seines Lebens muss jeder für sich finden. Zeit zum Nachdenken haben wir jetzt.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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