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Kann sich eine Steuerbefreiung für die ersten 500.000 Euro Gewinn vorstellen: Barbara Havel, Vorsitzende der Jungen Wirtschaft Wien.

216 Tage Arbeit für den Staat

08.08.2019

Der alljährliche Tax Freedom Day führt uns wieder einmal deutlich vor Augen, wie hoch die Steuerlast in Österreich nach wie vor ist: Insgesamt 216 Tage arbeiten Österreichs Steuerzahler ausschließlich für den Staat. Erst ab diesem Tag hat der durchschnittliche Steuerzahler genug verdient, um alle Abgaben und Steuern zu begleichen, die das Jahr über anfallen.Wie man Unternehmen entlasten könnte, erklärt Barbara Havel, Vorsitzende der Jungen Wirtschaft Wien in einem Gastkommentar. 

Dass der Tax Freedom Day 2019 erneut in die zweite Jahreshälfte fällt, ist für Österreich ein Armutszeugnis, gerade im internationalen Vergleich: In Großbritannien fiel der Tag auf den 30. Mai und im Nachbarland Deutschland auf den 15. Juli. Und das, obwohl Deutschland innerhalb der OECD-Staaten mit 49,5 Prozent eine höhere steuerliche Belastungsquote aufweist als Österreich mit derzeit 47,6 Prozent. Ziel sollte es sein, den Tax Freedom Day in Österreich wieder in der ersten Jahreshälfte zu verankern. Das wird aber nicht ohne steuerliche Entlastungen auch für Unternehmer gehen. Gerade in der Gründungsphase sind die finanziellen Belastungen enorm. Dass es viele Unternehmer trotzdem schaffen und einen stabilen, florierenden Betrieb aufbauen, spricht für ihr Durchhaltevermögen. Das sollte honoriert und gefördert werden. Die Junge Wirtschaft Wien hat Vorschläge erarbeitet, um Jungunternehmerinnen und –unternehmer in der Anfangsphase zu entlasten. Wir können uns etwa eine Steuerbefreiung für die ersten 500.000 Euro Gewinn vorstellen, berechnet auf den Lebenszyklus. Neugründungen werden so unterstützt, können sich entfalten und eine stabile Unternehmensinfrastruktur aufbauen. Unterm Strich zahlt ein gesundes Unternehmen langfristig mehr Steuern als eines, das bereits im ersten Jahr nach der Gründung die Pforten schließen muss. Und natürlich werden Arbeitsplätze gesichert.

Als Unternehmerinnen und Unternehmer müssen wir auch die Gesundheit unserer Mitarbeiter im Auge behalten, denn gesunde Mitarbeiter sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Für kleinere Unternehmen ist es aber nicht immer einfach, interne Maßnahmen zur Gesundheitsförderung anzubieten, und externe Angebote sind meist kostspielig. Auch dazu haben wir uns etwas überlegt: Pro Jahr und Mitarbeiter sollten 500 Euro steuerlich als Betriebsausgabe absetzbar sein. Derzeit werden nur Leistungen der Krankenversicherungen als Maßnahmen zur Gesundheitsförderung anerkannt und steuerlich begünstigt. Es gibt keinen vernünftigen Grund, das nicht zu ändern. Schließlich hat jeder etwas davon, wenn alle gesund bleiben. Auch das Gesundheitssystem profitiert.

Beide Maßnahmen sind Mittel, um die Steuerlast zu senken. Sicher – der Staat fällt zunächst um Steuern um. Auf längere Sicht kann der vorübergehende Ausfall aber kompensiert werden. Denn wer Betriebe fördert, sorgt dafür, dass diese langfristig Jobs sichern, was wiederum mehr Steuern generiert. Und das kommt letzten Endes dem Wirtschaftsstandort Österreich zugute. Dann können wir, last but not least, auch den Tax Freedom Day um ein paar Wochen früher feiern.

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