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Digitale Werkzeugkiste

12.08.2015

Arbeitszeitbetrug kostet den Unternehmer jährlich 4.000 Euro pro Mitarbeiter. In unserer neuen Kolumne erörtert Unternehmensberater DI Thomas Bogensperger, wie Sie mit neuester Informationstechnologie Zeit, Nerven und vor allem Geld sparen.

DI Thomas Bogensperger ist Unternehmensberater und seit vielen Jahren auch in der Dachbranche tätig.

Zehn Minuten später auf der Baustelle, zu dritt die Jause kaufen fahren, und am Abend eine Viertelstunde früher wegfahren, weil es sich eh nicht mehr auszahlt, etwas Neues anzufangen: Das sind allzu übliche Verhaltensmuster. Deshalb werden diese auch nicht als Arbeitszeitbetrug angesehen, sondern sind häufig gelebte Praxis.
Dass tatsächlich ein Großteil der Unternehmen im Baunebengewerbe mit dem Thema konfrontiert ist, hat die Fachhochschule Campus02 in einer umfangreichen Studie festgestellt. Das Erschreckende daran ist die Tatsache, dass 70 Prozent der Unternehmer davon betroffen sind – und zwei von drei Unternehmern nichts dagegen tun, weil man ja nicht auf jeder Baustelle immer persönlich anwesend sein kann. Dabei ist es mit neuester Technologie sehr einfach, dem Phänomen Arbeitszeitbetrug entgegenzutreten.

Die Ursache. Unternehmer werden für Leistung bezahlt, Mitarbeiter für die Zeit, die sie auf den Stundenzettel schreiben. Das ist ein klassischer Zielkonflikt. Hinzu kommt, dass Mitarbeiter (und teilweise Unternehmer) dieses Verhalten nicht als Betrug sehen, sondern es „ganz normal“ ist.

Die Kosten. Das kostet das Unternehmen pro Mitarbeiter und Jahr 4.000 Euro. Dabei ist die Selbsteinschätzung der Unternehmen aber viel zu optimistisch. Die Praxis zeigt, dass der Wert bei 30 Minuten pro Tag und Mitarbeiter liegt. Bedenken Sie: Wenn Ihnen jemand 4.000 Euro jährlich aus der Tasche zieht, würde man in jeder anderen Konstellation alle möglichen Schritte gesetzt, um das zu unterbinden.

Die Lösung. Es ist möglich, diesen Zielkonflikt zu lösen. Mit neuester Informationstechnologie sehr einfach und praktisch ohne Zusatzaufwand.

Folgende Ansätze bewähren sich in der Praxis:
• Prämiensysteme und Leistungslöhne (sicher die gerechteste und nachhaltigste Methode, damit Unternehmen und Mitarbeiter dasselbe Ziel verfolgen),
• Ortungstechnolgien (sehr einfach implementierbar und läuft ohne Zutun des Mitarbeiters),
• Kontinuierliche Verbesserungsprozesse (KVP).

Mission Impossible. Es ist natürlich so, dass man nicht auf jeder Baustelle gleichzeitig sein kann, das ist unmöglich. Da gibt es aber mit mobilen Lösungen ganz elegante Wege, um diese unmögliche Aufgabe zu lösen. Es gibt inzwischen Zeiterfassung mit Mobilgeräten, die dann mit einer Ortung kombiniert ist. Es gibt Module für das Kfz, und man kann und darf das Bewegungsmuster der betrieblich genutzten Fahrzeuge sehen. Und es gibt die eleganteste aller Lösungen, nämlich das Schließen des Zielkonflikts durch Prämien für die Mitarbeiter. Auch das ist mit intelligenter IT kein Mehraufwand, sondern auf Knopfdruck möglich.

Akzeptanz der Mitarbeiter. Natürlich haben Mitarbeiter keine Freude, wenn sie die volle bezahlte Arbeitszeit anwesend sein müssen. Aber das gilt nur für jene Mitarbeiter, die sehr kreativ beim Schreiben der Stundenzettel sind. Loyale Mitarbeiter begrüßen Gerechtigkeit und erwarten das sogar von den Führungskräften.

Return on Investment. Die Kosten für IT-Lösungen sind wesentlich niedriger als die Kosten des Arbeitszeitbetrugs. Tatsächlich liegen diese Kosten im Promillebereich der Personalkosten. Somit ergibt sich hier ein ROI der deutlich über 10 liegt. Das heißt, für jeden Euro, den Sie einsetzen, bekommen Sie mehr als zehn Euro an Arbeitsleistung von Ihren Mitarbeitern.
Sie können sich die Zusammenfassung der bocons­Studie der FH Campus02 zum Thema Arbeitszeitbetrug hier herunterladen: www.bocons.net.

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