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Mitten in der Stadt ein grüner Innenhof: das Boutiquehotel Stadthalle von Michaela Reitterer.

Was es bedeutet, als Hotel konsequent grün zu sein

04.05.2016

Grün Übernachten liegt im Trend, macht aber auch Arbeit – für das Hotel. Das Wiener Boutique-Hotel Stadthalle ist Pionier und Gründungsmitglied von „Sleep Green“. Eigentümerin Michaela Reitterer weiß, worum es geht.

 

Michaela Reitterer

Grünes Reisen liegt im Trend: 2014 gab bei Tripadvisor mehr als ein Viertel (27 %) der deutschsprachigen Reisenden an, umweltfreundlich zu reisen. Ende 2015 benennt fast jeder zweite deutschsprachige Reisende (46 %) grüne Aspekte als Einflussfaktoren bei einer Hotelbuchung. „Ob Bienen auf dem Hoteldach, die Photovoltaikanlage oder ein Frühstück aus regionalen Zutaten – der Blick in die Bewertungen der grünen Hotels zeigt, dass umweltfreundliche Maßnahmen in der Unterkunft von den Gästen wahrgenommen und geschätzt werden“, sagt Susanne Nguyen, Presseverantwortliche bei TripAdvisor. Durch das TripAdvisor-ÖkoSpitzenprogramm können Reisende nach ‚Öko-Hotels‘ filtern, über ‚Öko-Features‘ in den Reviews lesen und so eine grüne Unterkunft möglichst einfach auf unserer Webseite finden und buchen.“

Im jüngsten Ranking von TripAdvisor (April 2016) belegt das Boutiquehotel Stadthalle von ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer den Spitzenplatz in Österreich: Das Öko-Konzept des weltweit ersten energieneutralen Stadthotels kommt an: „Insgesamt ist das Öko-Konzept sehr durchdacht und wird an vielen Stellen bis ins Detail durchgezogen“, schreibt ein Gast auf TripAdvisor. Wenn man sich im Hotel umschaut, spielt das Thema wirklich überall eine Rolle. Grüne Punkte informieren den Gast über den geringen Stromverbrauch der LED-Lampen oder weisen im Bad darauf hin, dass hier 30 % Wasser beim Duschen gespart wird. 

„Diese Informationen geben wir, weil unsere Gäste danach fragen“, sagt Michaela Reitterer. Sie ist zu ihrem Öko-Konzept eher zufällig gekommen. 2001 mussten das Dach und die Klimaanlage neu gemacht werden. Beides getrennt oder eine kombinierte Lösung mit Photovoltaik und Regenwassernutzanlage? Sie entschied sich für die Kombilösung. Das führte zur Verleihung des Umweltzeichens. Dann erwarb Reitterer das Nebenhaus und hatte so die Gelegenheit, im erweiterten Innenhof einen grünen Garten anzulegen. Dann machte man 2007 aus dem Nebenhaus das erste energieneutrale Hotel der Welt. „Das erregte viel Aufmerksamkeit, super für unser Marketing“, erinnert sich Reitterer. 2010/11 gründete sie die Interessengemeinschaft „Sleep Green Hotels“ mit, um sich im wachsenden Markt der „grünen Hotels“ von den vielen „Green Washing“-Trittbettfahrern abzuheben. 

Kein Green Washing

„Wir sind echte grüne Hotels“, sagt sie, „wir setzen für unsere Gäste nachvollziehbar auf einen kleineren CO2-Fußabdruck. Jeder Mitgliedsbetrieb muss mindestens fünf Maßnahmen von zwanzig erfüllen.“ Dazu zählt eine Photovoltaikanlage, die Verwendung von Bio-Baumwolle oder ein Radverleih. Die Gruppe trifft sich regelmäßig. Auch übers Intranet läuft der Gedankenaustausch: „Wir müssen ja nicht bei jeder Maßnahme jeder für sich das Rad neu erfinden“, sagt Reitterer. Man hat sich einen Nichthotelier als Geschäftsführer und Spezialisten fürs Webmarketing ins Team geholt. Zur Gruppe gehören 15 Betriebe im deutschsprachigen Raum, darunter namhafte Häuser wie das avantgardistische Raphael Hotel Wälderhaus in Hamburg, das vigilius mountain Resort in Südtirol, das vielfach preisgekrönte Retter Seminar Hotel in Pöllauberg oder Rogner Bad Blumau. Der Mitgliedsbeitrag kostet 150 Euro im Monat. Eben hat man die Homepage www.sleepgreenhotels.com neu aufgesetzt.

Anstrengende Gäste

Statt Sterne gibt es grüne Kissen für gesammelte Ökologiepunkte. Aber: „Wir sind keine Zertifizierer, wir lassen uns von unseren Gästen zertifizieren“, sagt Reitterer. Das kann mitunter anstrengend wie motivierend sein. Wenn man das Thema „Grün“ besetzt hat, dann wollen die Gäste auch „Grün“ und fangen an, genau hinzusehen: „Was hat die Nutella auf Ihrem Frühstücksbüffet zu suchen? Kennen Sie nicht den Film ‚War of Chocolate‘?“ Nein, kannte man nicht. Sah man sich aber gemeinsam mit der Belegschaft an. Seitdem gibt es fair gehandelte Schokocreme am Buffet – vorher hatte man sich durch die gesamte Angebotspalette für faire und Bio-Schokocreme gekostet, blind. Jetzt fragen manche Gäste: „Warum haben Sie kein Nutella?“ Und man antwortet: „Kennen Sie den Film ‚War of Chocolate‘?“ 

„Wir führen viele Gespräche mit kritischen Gästen. Wir lernen ständig dazu. Unsere Gäste wollen Teil einer Community sein, wollen sich austauschen. Es kommen auch Leute mit Ideen zu uns, ob wir das nicht mal ausprobieren wollen. Wir sind bei vielen Details First User, Versuchskaninchen. Das kommunizieren wir auch, auch mit unseren Gästen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finden das gut, sie möchten gerne in einem innovativen Betrieb arbeiten. Die Hotellerie kann innovativ sein, und das sollte sie auch. Gerade der ökologisch bewusst lebende Gast möchte nicht im Urlaub oder auf Geschäftsreisen auf seine selbstgewählten Standards verzichten.“

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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