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Das CRH-Zementwerk Rohoznik in der Slowakei ist ein absoluter Vorreiter im Bereich Ressourcenschonung bei der Zement­herstellung.

Von Natur aus nachhaltig

06.06.2017

Langfristige Ressourcenplanung, CO2-Reduktion, intelligente Abfallwirtschaft und Energieeinsparung: Nachhaltigkeit ist auch bei Beton- und Zementherstellern in aller Munde.

Auch das mehrfach ausgezeichnete Naturschutzgesamtkonzept von Wopfinger-Transportbeton in Untersiebenbrunn überzeugt.

Produktion, Transport oder Produkt: Der gesamte Lebenszyklus will auch oder gerade in der Beton- und Zementherstellung besonders bedacht werden. Angefangen von innovativer Wiederaufbereitung über die Nutzung von Abfallprodukten in Werk und Produkt bis hin zu modernen Projekten in Sachen Management und Organisation: Transparenz ist in Sachen Nachhaltigkeit das Gebot der Stunde. Dabei hat der Baustoff Beton von Natur aus einen enormen Vorteil: „Nachhaltigkeit haben unsere Mitgliedsbetriebe praktisch in ihren Genen – Beton besteht aus natürlichen Materialien und ist damit an sich schon nachhaltig“, so Gernot Brandweiner, Geschäftsführer des Verbands Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke (VÖB), im Gespräch mit der Bauzeitung. Weil Betonfertigteile in derjenigen Region hergestellt werden, wo sie zum Einsatz kommen, entfallen lange Transportwege, was wiederum die Emissionen senkt. „Viele unserer Mitglieder haben zudem spezielle Initiativen zur Optimierung ihres ökologischen Fußabdrucks gesetzt – dazu gehört es beispielsweise, die Dachflächen von Werkshallen zu nutzen, um dort Fotovoltaik­anlagen zu installieren und so den im Werk benötigten Strom autark und umweltfreundlich zu erzeugen.“

Aus Alt mach Neu

Recycling wird ebenfalls großgeschrieben: Restbetone aus der Produktion werden heutzutage oft noch im Werk wiederverarbeitet, der verwendete Baustahl selbst ist meist ein Recyclingprodukt. Nachhaltigkeit betrifft aber natürlich nicht nur die Produktion, den Transport und das Produkt selbst, sondern muss immer ganzheitlich gesehen werden. Dabei gilt es, den gesamten Lebenszyklus sowie den sozialen Nutzen des Bauwerks zu betrachten und in Generationen zu denken: „Wenn ein Gebäude nicht nach 30 bis 40 Jahren wieder abgerissen wird, sondern mehr als 100 Jahre steht, ist bei gleichem Herstellungsaufwand die Umweltbilanz dreimal so gut“, so Brandweiner weiter. Denn die Umweltfreundlichkeit von Beton, verbunden mit Vorteilen wie Energiespeicherfähigkeit und somit niedrigeren Emissionen und Kosten bei Kühlen und Heizen, macht diesen Werkstoff gerade in Hinblick auf den Trend zum Green Building immer wichtiger. „Wir arbeiten derzeit an einem umfassenden Recyclingkonzept, aber auch an neuen Betonmischungen, durch die das Treibhaus­potenzial und der Primärenergiebedarf weiter verringert werden und der langfristige Nutzen weiter verbessert wird. Zusätzlich haben wir eine Umweltdeklaration für Beton entwickelt, der in den vorgefertigten Bauteilen unserer Mitgliedsbetriebe zum Einsatz kommt.“

Naturschutz-Gesamtkonzept

Unter dem Aspekt der nachhaltigen Produktion hat sich auch der Wopfinger-Transportbeton-Betriebsstandort Untersiebenbrunn in den vergangenen 15 Jahren intensiv weiterentwickelt. Um die Eingriffe in Natur und Umwelt darzustellen und die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten, wurde ein Naturschutz-Gesamtkonzept entwickelt. Dieses optimiert die vorgesehenen Maßnahmen für den Natur- und Artenschutz dahingehend, dass nicht erst nach Abbauende, sondern sofort wirksame Maßnahmen realisiert werden. „Erklärtes Ziel ist die Auswirkungen eines Betriebsstandortes auf die Natur und Umwelt so stark zu reduzieren, dass es sogar zu einer Verbesserung der bestehenden Gesamtsituation kommt“, so Franz Denk, techn. GF Wopfinger Transportbeton. Da vom Land Niederösterreich für den Bereich Untersiebenbrunn zwei Vogelarten im Europaschutzgebiet Sandboden-Praterterrasse als Schutzgut ausgewiesen sind, wird neben dem Triel auch der Brachpieper geschützt. Zusätzlich zur Schaffung von „trielfreundlichen Flächen“ soll auch ein Renaturierungskonzept für die beiden Nassbaggerungsflächen – als zukünftige Landschaftsteiche – erarbeitet werden. Das national und international mehrfach ausgezeichnete Projekt ergänzt die zahlreichen Initiativen von ­Wopfinger Transportbeton. Das Unternehmen arbeitet stetig am Abbau der Auswirkungen beim Kiesabbau und hat neben innovativen Maßnahmen im Bereich der Produktion mit dem Einsatz von Baurestmassen im Produkt Ökobeton einen wesentlichen Schritt in Richtung Schonung der Primärressourcen gesetzt.

Betonaufbereitung

Schon seit den 1980er-Jahren ist Nachhaltigkeit für Mapei Teil der gelebten Firmenphilosophie – so werden gut 70 Prozent des F&E-Budgets in die Entwicklung nachhaltiger Produkte investiert. Jährlich werden circa 50 Millionen Kubikmeter Beton weltweit auf der Baustelle nicht verwendet und zur Produktionsstätte zurückgesandt. Davon können circa zehn Prozent nicht mehr aufbereitet werden, wodurch große Belastungen für jeden Betrieb mit Auswirkungen auf die Umwelt, die Kosten und die Verwaltung entstehen. Mapei hat sich hierbei etwas ganz Besonderes überlegt: Re-Con Zero löst diese Probleme, indem der Restbeton in einen körnigen Stoff umgewandelt wird und so als Gesteinskörnung für Beton wiederverwertet werden kann. Damit entsteht kein Abfall, und durch die direkte Beimischung von Re-Con Zero im Fahrmischer werden Kosten für zusätzliche Anlagen für die Aufbereitung vermieden. Das zweikomponentige, pulverförmige Produkt wertet Restbeton auf und mindert so die Belastungen für Umwelt. „Wir haben nicht nur eine Verantwortung gegenüber den Kunden, sondern auch gegenüber der Umwelt. Dessen sind wir uns voll und ganz bewusst und setzen somit auf die Forschung und Entwicklung nachhaltiger Produkte“, so Mapei-GF Andreas Wolf über die Arbeit in den hauseigenen Laboratorien.

Starke Ziele

Ein Programm, das nicht nur die Produktion, sondern die gesamte Wertschöpfungskette berücksichtigt, ist die Initative „2030-Plan“ von Lafarge Holcim – deren Ziel sich auch die Tochtergesellschaft Lafarge Zementwerke GmbH in Österreich verschrieben hat. Bis 2030 sollen so beispielsweise die spezifischen CO2-Emissionen pro Tonne Zementprodukt im Konzern gegenüber 1990 um 40 Prozent, der Frischwasserverbrauch in der Zementproduktion um 30 Prozent gesenkt werden. Nachhaltigkeit beginnt dabei natürlich schon bei der Zementproduktion. Innerhalb des Konzerns ist die österreichische Niederlassung dabei ein Vorreiter beim Einsatz alternativer Brennstoffe und Rohstoffe. Beispielsweise wird im Zementwerk Retznei vom Tochterunternehmen Recycling Center Retznei Abbruchmaterial wie Ziegelsplitt oder Beton bezogen – Material, das somit wieder in den Produktionskreislauf eingebracht werden kann und auch die regionale Kreislaufwirtschaft unterstützt. Durch die Abfallmanagementmarke Geocycle wird zudem die Nutzung alternativer Brennstoffe verstärkt, indem für die hohen Ansprüche der Zementproduktion speziell aufbereitete Abfälle als Wärmeträger für die Klinkeröfen verwendet werden. Mit dieser Lösung können CO2-Emissionen und Energiekosten gesenkt werden – gleichzeitig bietet sich dadurch eine nachhaltige Lösung für Abfälle, die sonst auf umweltschädlichen Mülldeponien entsorgt werden würden.

Innovative Technik

Auch Investitionen in sämtlichen Anlagen wie z. B. der im Zementwerk Mannersdorf im Wert von mehr als elf Millionen Euro errichtete Kalzinator, die neue Vorbrennkammer, tragen dazu bei, den zugeführten Brennwert restlos zu nützen. „Wir wissen, dass Gebäude für rund 20 Prozent der vom Menschen verursachten Treibhausgase verantwortlich sind. Daher entwickeln wir nachhaltige Produkte für intelligente Gebäude“, so Antoine Duclaux, CEO Lafarge Central Europe East. Der mineralische und auf Zementbasis hergestellte Dämmstoff Airium ist mineralisch, brandbeständig, energieeffizient und kann entsprechend der Recyclingbaustoffverordnung wieder ganz einfach zu Beton recycelt werden. „Zudem haben wir in Österreich gemeinsam mit Kunden die Informationsplattform 100% Haus initiiert, womit wir das Wissen über die Vorteile mineralischer Bau- und Dämmstoffe sowie Beton als Energiespeicher für nutzerfreundliches Wohnen einfach zugänglich machen wollen. Zusätzlich kann der Baustoff Beton ganz einfach wieder zu Beton verarbeitet werden. Alle Elemente entlang der Wertschöpfungskette aneinandergereiht, tragen zu einer Senkung der CO2-Emissionen bei. Dies ist unser Beitrag für nachhaltiges Bauen.“

Hocheffizient

Auch das CRH-Zementwerk Rohoznik, Slowakei, ist einer der absoluten Vorreiter im Bereich Ressourcenschonung bei der Zement­herstellung. Mit einer Substitutionsrate von circa 80 Prozent ist das Unternehmen im Europavergleich Vorreiter im Einsatz von Ersatzbrennstoffen. Dazu tragen gleich mehrere Initiativen bei: Durch einen sehr schlauen Chlor-Bypass, den sogenannten Redu Dust, kann Chlor ausgewaschen und Salz produziert werden, das wiederum im Straßenverkehr eingesetzt werden kann. Darüber hinaus wird durch den Einsatz von Ersatzbrennstoff 0,5 Tonnen Steinkohle als Rohstoff eingespart. Das gelingt etwa auch durch die Zusammenarbeit mit Ecorec, seit 2015 Mitglied der CRH-Gruppe, deren wichtigste Aktivitäten die Behandlung von Abfällen und die ökologische Weiterverarbeitung in alternative Brennstoffe für die Zementindustrie sind. Ecorec ist dabei auch Vorreiter in Sachen Qualitätskontrolle, denn Müll ist nicht gleich Müll: Sämtliche österreichischen Standards nach Abfallverbrennungsverordnung werden eingehalten und in regelmäßig überprüft. Nur Abfälle, die den heimischen Limits an Schwermetallgrenzwerten entsprechen, dürfen verbraucht werden. „Durch die vergleichsweise sehr hohen Primärbrennstoffkosten hat der Einsatz an Ersatzbrenn- und Rohstoffen in der Zementindustrie schon heute einen sehr hohen Stellenwert eingenommen“, erläutert Stefan Achleitner, GF der Ecorec Österreich GmbH. „Mit einer Substitutionsrate von rund 80 Prozent ist das Zementwerk der CRH in Rohoznik damit Spitzenreiter innerhalb der CRH-Gruppe in Europa. Letztes Jahr belieferten die Ecorec-Gesellschaften die Zementwerke der CRH Slovensko mit über 250.000 Tonnen Ersatzbrennstoffen. 2015 wurden erstmals negative Brennstoffkosten erzielt. Dieses Ergebnis konnte 2016 wiederholt werden und wird klarerweise auch 2017 angestrebt.“

Keine Modeerscheinung

Auch für die VÖZ ist das Thema Nachhaltigkeit definitiv kein Schlagwort. „Wir dokumentieren bereits seit 2004 in unserem regelmäßig erscheinenden Nachhaltigkeitsbericht die Leistungen und Fortschritte der Branche“, erläutert Sebastian Spaun, GF des VÖZ. „Ich kann mit einigem Stolz sagen, dass die heimische Zement­erzeugung gemäß der jüngsten Auswertung des World Business Council for Sustainable Development die Weltrangliste der CO2-armen Zementherstellung anführt.“ Selbiges gilt laut Spaun auch für den Ersatz fossiler Brennstoffe (aktuell 78 Prozent) in den Hochtemperaturprozessen. Aber Klimaschutz und Ressourcenschonung hören nicht bei der Herstellung auf: „Wir treiben auch das Thema der Zwischenspeicherung von schwankenden erneuerbaren Energieformen wie Wind und Sonne in den Beton­strukturen von Gebäuden konsequent voran. Das Ziel: Gebäude kosteneffizient mit 100 Prozent erneuerbarer Energie versorgen.“ 

Autor/in:
Christina Mothwurf
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