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Teil 1: Wie ich auf den Geschmack kam

03.10.2014

Ist Corporate Social Responsibility (CSR) nur etwas für die großen Player? Keineswegs, meint die CSR-Beauftragte Alexandra Adler, und erzählt am eigenen Beispiel, dass gelebte Nachhaltigkeit auch im Kleinbetrieb sinnstiftend ist und - im Idealfall - zum Kerngeschäft werden kann.

In einem früheren Leben, da war ich Kleinunternehmerin. Jahrelang. Gastronomie, ein mittelgroßes Lokal. 6 bis 7 MitarbeiterInnen, italienische Küche, ein Klassiker.

Rund um das Jahr 1989, erzählte mir ein Freund, ganz begeistert von den Ideen Rudolf Steiners, vom Demeter-Markenzeichen, von biologischem bzw. biodynamischem Landbau, vom ungleich besseren Geschmack von „Demeter“-Gemüse und von den unnatürlichen Anbaumethoden holländischer Paradeiser. Ich kostete also das erste Bio-Gemüse meines Lebens. Wäre ich nicht sowieso schon überzeugt gewesen, dass es ökologisch wichtig ist, auf biologische Lebensmittel zu setzen, hätte ich es spätestens des Geschmacks wegen getan – immerhin war mir Qualität wichtig. Als nächstes war der Thunfisch dran – er wurde aus der Speisekarte verbannt, und das trotz großer Nachfrage nach Pizza al Tonno und Vitello Tonnato! Ein Hinweis auf Artenschutz in der Karte, und – siehe da – es war überhaupt kein Problem für unsere Gäste.

Ein gutes Jahrzehnt später betrieb ich ein veganes, bio-zertifiziertes Lokal, das Ökostrom bezog, Essen zum Mitnehmen in Glasbehältern ausgab und Tetrapacks sammelte. Ich machte mir Gedanken über die Einbindung von MitarbeiterInnen in die Unternehmensgestaltung (und deren Grenzen), den Abbau von Hierarchie, auch in einem Kleinstunternehmen – weil mir meine Rolle als „Chefin“ zunehmend Unbehagen bereitete.

Mittlerweile habe ich den Beruf als Gastronomin an den Nagel gehängt und widme mich professionell der Nachhaltigkeit oder Corporate Social Responsibility (CSR). Mit der Überzeugung, dass die Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Umwelt – und das ist nicht nur ökologisch, sondern auch gesellschaftlich gemeint – nicht nur den Konzernen und Aktiengesellschaften zugeschrieben werden sollte.

Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung wahrzunehmen, auch als kleines Unternehmen, ist nicht nur möglich, sondern bringt neben den bekannten Vorteilen wie Risikominimierung und Reputation auch der Unternehmerin, dem Unternehmer, persönliche Befriedigung und Sinnstiftung – oder wollen wir das nur unseren MitarbeiterInnen überlassen?


Über die Autorin:

Alexandra Adler ist Geschäftsführerin von WEITSICHT – büro für zukunftsfähige wirtschaft und CSR-Beraterin des Österreichischen Wirtschaftsverlages/Medizin Medien Austria

a.adler@weitsicht.solutions

Autor/in:
Alexandra Adler
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