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Starthilfe für mehrEffizienz

03.06.2015

Sehr oft können Betriebe ihre Energiekosten mit einfachen Schritten massiv nach unten drücken. Einige konkrete Unternehmensbeispiele zeigen, wie es geht. 

Im Brauhaus Girrer wird nicht mehr mit Öl, sondern abwechselnd mit lokaler Biomassefernwärme und der eigenen Kesselanlage geheizt.

Text: Peter Herbst

Im schönen Wallfahrtsort Mariazell steht das Brauhaus von Johannes Girrer. Die kleine Brauerei ist gleichzeitig ein Wirtshaus mit 62 Sitzplätzen und ein Minihotel mit zwei Gästezimmern – der kleinste Vier-Sterne-Betrieb Österreichs. Die jahrhundertealten Gewölbe laden zum Verweilen ein. Bei regionalen Spezialitäten können Gäste durch ein Gärkellerfenster dem Bier direkt beim Gären zuschauen. 
Vor einiger Zeit ließ Johannes Girrer prüfen, ob es nicht Alternativen für die teure Ölheizung im Keller gibt und wie es eigentlich um die anderen Energiesysteme des ehrwürdigen Hauses bestellt ist. Im darauffolgenden Jahr stellte das Brauhaus so einiges um. Heute wird nicht mit Öl, sondern abwechselnd mit lokaler Biomassefernwärme und der eigenen Kesselanlage geheizt. Die Druckluftleitungen wurden angepasst, die Beleuchtung ebenfalls. Die Kosten für die Umstellung beziffert das Unternehmen mit 3.900 Euro. Dafür verbraucht das Brauhaus Mariazell heute 11.000 kWh pro Jahr weniger als früher. Und die jährlichen Energiekosten sind um 800 Euro gesunken. 

Investitionen amortisieren sich

Um einiges größer war die jüngste Umstellung beim Wiener Familienunternehmen Faustenhammer. Der Betrieb mit 27 Mitarbeitern produziert Federn und Drahtbiegeteile für die Autoindustrie, für Elektrogeräte und den Sportbereich. Die Stärke der Firma liegt in ihrer Flexibilität: Dank modernster Produktionsmaschinen sind sowohl Großserien als auch Sonderanfertigungen bis hin zum Einzelstück möglich. Genau hier sah Faustenhammer Optimierungsbedarf. 
Weil in der Produktion teilweise nur einzelne Maschinen eingesetzt werden, schwankt auch der Verbrauch stark. Doch früher kam die Druckluft von einem älteren Kompressor mit starrer Regelung und einer zeitgesteuerten Kondensatableitung. Der Leerlauf war hoch. Daraufhin rüstete Faustenhammer auf einen neuen, drehzahlgeregelten Kompressor um. Damit ging das Druckniveau im Netz runter, es gab weniger Verluste und Lecka­gen. Vor allem kann der neue Kompressor auch im geringen Teillastbereich betrieben werden, und das Druckniveau ist jetzt individuell auf die verschiedenen Prozesse einstellbar. Diesen Schritt plus weitere Maßnahmen bei Maschinen und Beleuchtung ließ sich der Familienbetrieb 57.000 Euro kosten. Auf der anderen Seite steht seither eine Einsparung von 85.600 kWh oder umgerechnet 10.400 Euro pro Jahr. 
Das sind nur zwei von sehr vielen Beispielen dafür, wie Kleinbetriebe und Mittelständler mit relativ einfachen Schritten deutlich energieeffizienter werden – und sich ihre Ausgaben innerhalb weniger Jahre amortisieren lassen. „Das lohnt sich eigentlich immer. In jedem Betrieb ist der Verbrauch optimierbar“, sagt Petra Lackner, Leiterin des Zentrums für Gewerbe und Industrie bei der Österreichischen Energieagentur und Projektleiterin von „klimaaktiv energieeffiziente Betriebe“.

Fundgrube für Erfolgsbeispiele

Die Klimaschutzinitiative klimaaktiv des Umweltministeriums hat zum Ziel, die Energieeffizienz in heimischen Betrieben deutlich zu steigern. Dafür veröffentlicht die Initiative regelmäßig Leitfäden und dokumentiert umfassend Beispiele von Firmen, die bereits erfolgreich Effizienzmaßnahmen umgesetzt haben. Die Homepage von klimaaktiv ist daher eine wahre „Fundgrube“ für ganz konkrete Fallbeispiele aus fast jeder Branche inklusive genauer Zahlen über Kosten und Einsparungen – mehr als 200 Beispiele finden sich dort bereits. Über dieses Programm wurde unter dem Strich der Verbrauch in Österreichs Unternehmen um insgesamt 243.000 Tonnen CO2 gesenkt.
Als ersten Schritt empfiehlt Lackner, sich an einen zertifizierten Berater zu wenden. Bei KMU dauert eine solche Beratung üblicherweise einen bis drei Tage, die Kosten liegen bei ungefähr 800 Euro pro Tag. Dazu gibt es in jedem Bundesland eine Reihe von Beratern, die mit klimaaktiv kooperieren. Anschließend managt die Kommunalkredit Public Consulting im Auftrag des Umweltministeriums die Förderung der Maßnahmen. Hier lohnt sich für Firmen ebenfalls eine genaue Prüfung – denn die Förderung beträgt bis zu 30 Prozent der förderungsfähigen Ausgaben. Dabei geht es grundsätzlich immer um eine bessere Nutzung der Energie in der Produktion, im Betrieb von Gebäuden, bei der Heizung und Wärmerückgewinnung und Beleuchtung. Besonders bei Prozesswärme und elektrischen Motorsystemen sind nach bisherigen Erfahrungen oft Einsparungen von einem Drittel des Verbrauchs möglich. Alle Betriebe können ihre Maßnahmen einreichen. 

Bei Logistik sparen

Und manchmal lassen sich mit einem Schritt zu mehr Effizienz nicht nur Kosten sparen, sondern Projekte umsetzen, auf die eine ganze Branche schaut. Ein Beispiel dafür ist die oberösterreichische Firma Schachinger. Der Logistikparkbetreiber bemüht sich mit Spritspartrainings, der Nutzung von Biodiesel und zahlreichen weiteren Maßnahmen massiv um mehr Effizienz in diesem branchentypisch sehr CO2-intensiven Betrieb. Doch Firmenchef Max Schachinger reicht das nicht. Als am Firmensitz in Hörsching der Bau einer neuen Logistikhalle anstand, hat er sich einfach geweigert, das zu tun, was üblich wäre – eine überdimensionale Schuhschachtel zu bauen. Stattdessen errichtete die Firma die größte Lagerhalle Mitteleuropas in Holzbauweise. Verbaut wurden nahezu ausschließlich Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen. Das Gebäude wird über Grundwasserwärmepumpen sowohl geheizt als auch gekühlt, pro Jahr kommen etwa 207.000 kWh Strom von der hauseigenen Fotovoltaikanlage – das Hochregallager sei praktisch energieautark, heißt es bei Schachinger. 
Nach mehreren Auszeichnungen und Preisen folgte heuer schließlich im Rahmen von klimaaktiv der Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit. Heute kommen Studenten und Mitbewerber, um den Bau zu sehen. Das ist es, was auch die höchste Förderung nicht bewirken kann: Der Werbeeffekt bei einem gelungenen Leuchtturmprojekt ist gratis. 

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