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Für den Konsumenten und das Unternehmen

13.07.2015

Im Kern ist CSR bei Spar ein Zusammendenken von rationaler Ökonomie und ethischer Vernunft, so sieht es der Vorstandsvorsitzende Gerhard Drexel im Interview mit der handelszeitung.

Spar-Vorstandsvorsitzender Gerhard Drexel.

Handelszeitung: Wo ist die CSR-Abteilung im Unternehmen angesiedelt?
Gerhard Drexel:
Es gibt eine konzernale Stabsstelle für CSR, die von Mag. Carmen Wieser geleitet wird. Sie ist im Wesentlichen für die produktbezogenen Themen und die Kooperationen, wie zum Beispiel mit dem WWF, zuständig. Zusätzlich gibt es einen Zuständigen für Nachhaltigkeit, DI Franz Hölzl, der die technischen Themen abdeckt. Gemeinsam mit zwei Kollegen aus dem PR-Bereich, die sich um soziale Themen und das Sponsoring kümmern, bilden sie den CSR-Board. 
Dieser ist für die Themenfindung, die Kommunikation, die Überwachung der Umsetzung in den Abteilungen zuständig. Grundsätzlich ist bei uns aber jeder einzelne Mitarbeiter für die Umsetzung von CSR-Maßnahmen in seinem Bereich selbst zuständig.

Welche Bereiche umfasst CSR bei Spar Österreich schwerpunktmäßig?
Wir beschäftigen uns sinnvollerweise mit Themen, die nicht nur sehr nah am Kerngeschäft angesiedelt sind, sondern meist direkt das Kerngeschäft betreffen. Im Sortimentsbereich engagieren wir uns seit mehr als zehn Jahren für eine bessere und gesündere Ernährung der Österreicher. Wir arbeiten hier – und das ist europaweit einzigartig – mit einem wissenschaftlichen Ärztebeirat zusammen. Seither wurden mehrere neue Eigenmarken-Linien entwickelt: Spar Vital – unsere gesunde Eigenmarke, Spar free from – gluten- und/oder laktosefreie Produkte, Spar Veggie – unsere vegetarische Eigenmarke.
Auch die Sortenvielfalt ist in unserem Fokus. Einerseits haben wir hier massiv gegen eine drohende EU-Saatgutverordnung gekämpft – und auch gewonnen, der Entwurf der Verordnung wurde vom Europäischen Parlament abgewiesen! Andererseits arbeiten wir mit Bio-Landwirten und dem Verein Arche Noah zusammen, um alte, oft vergessene Sorten wieder in die Spar-Regale zu bringen. Durch die Nutzung dieser Sorten bleiben diese erhalten. Wir haben sogar eine eigene Eigenmarke dafür kreiert: „Spar wie früher“.

Welche sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Projekte im Haus? Einerseits für das Unternehmen selbst und anderseits für die Konsumenten?
Alle unsere Maßnahmen sind immer gleichzeitig sowohl für Konsumenten als auch für das Unternehmen gut. Das ist der Sinn einer guten, nachhaltigen Entwicklung. Ein Highlight ist sicher unser Engagement um nachhaltigen Fisch. Gemeinsam mit unserem Kooperationspartner WWF haben wir es geschafft, innerhalb von nur drei Jahren das gesamte Spar-Sortiment auf 100% Fisch aus nachhaltigen Quellen umzustellen. 
Ganz aktuell ist unser Engagement für gesunde Böden. Gemeinsam mit den Kooperationspartnern aus der Landwirtschaft und dem WWF bringen wir Produkte, die auf gesunden Humus-Böden wachsen, auf den Markt. Etwas, was sich ganz direkt in niedrigeren Betriebskosten niederschlägt, ist, dass wir durch die vielen Energiesparmaßnahmen mittlerweile bei jedem neuen Standort 30 bis 50 % weniger Energie verbrauchen als noch bei älteren Standorten. CSR bei Spar hat in den letzten Jahren eine neue, weitere Dimension erreicht: Als verlängerter Arm und Sprachrohr der Konsumenten bringen wir uns auch verstärkt in politische Prozesse ein. 
Wir kämpfen beispielsweise seit mehr als einem Jahr massiv gegen TTIP, das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA. Wir wollen unsere Konsumenten, Landwirte und regionalen Erzeuger von Qualitätslebensmitteln vor diesem unseligen Abkommen schützen, denn wir fürchten, dass Hormonfleisch, Gentech-Nahrung und Fleisch aus Intensiv-Antibiotika-Einsatz dann auf unsere Teller kommen. Hier geht es vor allem um eine Sensibilisierung der breiten Bevölkerung für die negativen und irreversiblen Auswirkungen eines solchen Abkommens.

Viele Unternehmen schreiben sich CSR auf die Fahnen und machen „Greenwashing“. Was kann man als international groß aufgestelltes Unternehmen tun, um diesen Nimbus zu vermeiden?
Es ernst meinen und konkrete Projekte vorweisen. Bei uns kann man sich auf der Homepage www.spar.at/nachhaltigkeit jederzeit über aktuelle Projekte informieren. Die Kunden sind mittlerweile sehr kritisch und fordern entsprechende Maßnahmen auch durchaus direkt ein. Ein so in der Öffentlichkeit stehendes Unternehmen wie ein Lebensmittelhändler kann sich Greenwashing gar nicht leisten, dazu steht es viel zu sehr unter Beobachtung der sogenannten Stakeholder. Im Kern ist CSR bei Spar ein Zusammendenken von rationaler Ökonomie und ethischer Vernunft. Wir lösen dabei die Dichotomie zwischen dem gesellschaftlichen und dem unternehmerischen Nutzen auf. Es geht um die gleichzeitige Wertschöpfung für das Unternehmen und die Gesellschaft. Diese doppelte Nutzenmaximierung ist nicht nur am effektivsten, sondern vor allem am glaubwürdigsten. Das zeigt auch, dass es sich nicht um Schwerpunkte, sondern um eine langfristige Ausrichtung handelt.

Muss man in CSR investieren? Monetär?
Ja, man benötigt vor allem exzellente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Schlüsselpositionen, die mit innovativen Ideen gesellschaftliche Entwicklungen, die in der Luft liegen, materialisieren und für die Kunden nutzbar machen können. Auch Kooperationspartner, mit denen wir gegenseitig noch besser unsere Ziele erreichen, gehören hier dazu.

Wie viele Mitarbeiter arbeiten bei Spar im CSR-Bereich?
Alle 73.000. Jeder Einzelne ist für die Umsetzung der Maßnahmen in seinem Wirkungsbereich verantwortlich und ist aufgefordert, Ideen einzubringen.

Ihre persönliche Meinung zu CSR und all dem, was damit verbunden ist.
Ein Unternehmen muss sich fragen, welche Aufgabe es in der Gesellschaft übernehmen möchte, welcher Unternehmenszweck zur Daseinsberechtigung führt. Genau bei diesen Aufgaben sollten auch CSR-Maßnahmen angesiedelt werden. Ich halte nur wenig von Nachhaltigkeitsinitiativen, die mit der eigentlichen unternehmerischen Aufgabe nichts zu tun haben. Diese Dinge erfüllen Hilfsorganisationen besser. Unsere Schwerpunkte konzentrieren sich deshalb schon seit den 70er-Jahren auf gesunde Ernährung und auf die Verbesserung der Produktqualitäten und der Energieeffizienz in der Logistik und im Ladenbau. CSR hat im letzten Jahrzehnt viel an Aufmerksamkeit gewonnen, weil man eben erkannt hat, dass diese Maßnahmen nicht nur kosten und wehtun, sondern auch langfristig was bringen. Für das Unternehmen und die Gesellschaft. Und das ist gut so.

Zur Person

Dr. Gerhard Drexel, Vorsitzender des Spar-Vorstandes, sieht in den CSR-Maßnahmen Projekte, die von allen Mitarbeitern im Konzern gleichermaßen umgesetzt werden. Die CSR-Stabsstelle ist beim Vorstand angesiedelt.

gabriele jiresch
g.jiresch@wirtschaftsverlag.at

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