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(v.l.n.r): Erich Mayer (FMVÖ-Präsident), Peter Eitzenberger (VBV-Vorsorgekasse AG), Andrea Stürmer (Zürich Versicherungs-AG), Lisa Simon (WWF), Fritz Fessler (Genossenschaft für Gemeinwohl), Monika Bäumel (Volksbank Wien AG), Laurenz Faber (Fridays for Future) und Werner Schediwy (FMVÖ-Vorstand)

Finanzbranche: Die großen Nachhaltigkeits-Strategien fehlen noch

27.02.2020

Retailbanken und Versicherungen haben einen großen Einfluss auf die Verwendung von Geld und somit auf die Nachhaltigkeit. Durch ihre Veranlagungskriterien und Kreditbedingungen kann die Entwicklung und Nachhaltigkeitswirkung unterschiedlicher Branchen massiv beeinflusst werden. Die großen Strategien dafür sind bis dato jedoch noch Mangelware.

Beim Financial Forum des Finanz-Marketing Verband Österreich (FMVÖ) am 24. Februar 2020 gingen Vertreter von NGOs und Finanzunternehmen der Frage nach, ob Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung in der Finanzbranche ein echtes Differenzierungsmerkmal oder nur einen grünen Anstrich darstellen. Keynote-Speaker Lisa Simon vom WWF (Teamleitung Klimaschutz und Finanzmarkt) legte gleich beim Grundsatzvortrag den Finger auf die Wunde. „Es sind nicht nur kleine Stellschrauben an denen die Institute drehen müssen, es geht vielmehr um große Strategien, die umgesetzt werden müssen. Ökologische und soziale Standards müssten im Kerngeschäft integriert werden“, so ihr Fazit einer Bewertung der zehn umsatzstärksten heimischen Banken.

Große Marktmacht besser nutzen

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion unterstrich sie ihre Position noch einmal: Trotz einzelner positiver Initiativen bei den meisten Finanzunternehmen gäbe es noch immer viel zu wenig Bewusstsein für ihre Verantwortung im Kampf gegen die Klimakrise. „Die Finanzindustrie nützt ihre große Marktmacht immer noch viel zu wenig für klima- und umweltfreundliche Investitionen. Geld treibt die Klimakrise an - oder eben den Klimaschutz. Daher müssen "grüne" Finanzprodukte von der Nische ins Kerngeschäft, um einen wirksamen Beitrag zum Pariser Klimaschutzabkommen und zum Schutz der Biodiversität zu leisten“.

Imagekampagne, oder doch mehr?

Da und dort gibt es Initiativen, wie bei der Volksbank Wien, wie Monika Bäumel (Kommunikationsleiterin Volksbank Wien) betont. So ist die Volksbank Wien letztes Jahr dem UN Global Compact beigetreten und hat dann erstmals den wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen Sustainable Development Goals (SDGs) zugeordnet. So wie Friday for Future-Komiteemitglied Laurenz Faber sehen viele Konsumenten Initiativen wie diese aber mehr als Imagekampagne. „Mir ist schon aufgefallen, dass sich im Finanzsektor immer mehr Unternehmen Nachhaltigkeit auf die Fahnen schreiben. Die größten Kapitalverwalter der Welt schlagen aber immer noch Profit aus fossilen Energieträgern, ohne die katastrophalen Auswirkungen der fortschreitenden Klimakrise zu berücksichtigen“. Umso wichtiger sei es seiner Meinung nach, dass mutige Banken und Versicherungen voranschreiten und ihren Konkurrenten zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg und moralisches Rückgrat nicht unvereinbar seien.

Mit Veranlagung Statements setzen

Nachhaltigkeit und soziales Engagement sind im Versicherungsbereich aber keine Nischenthemen mehr. So ist beispielsweise die Zurich Gruppe seit 2014 weltweit CO2-neutral und beziet hier in Österreich den Strom zu 100% aus erneuerbarer Energie, wie Andrea Stürmer, Zürich Versicherungs-AG CEO, erläutert. Wie Peter Eitzenberger von der VBV-Vorsorgekasse erläutert, ist der Kernpunkt der Klimaerwärmung der exorbitante CO2-Ausstoß. Wenn es gelingt, diesen als Messgröße in der Veranlagung zu verankern, kann man daraus ableiten, ob das eigene Investment schädlich für den Klimawandel ist oder gegengesteuert. Die VBV erziele hier laufend Erfolge. „Man kann mit der Veranlagung ein Statement setzen. Die Zeit, in der Unternehmen nur Shareholder-Wünsche erfüllt haben, ist angesichts der aktuellen Lage des Planeten definitiv vorbei“, so Eitzenberger. Die VBV habe es als eine im Jahr 2002 gegründete Vorsorgekasse allerdings etwas leichter gehabt als Traditionsunternehmen. Man sei mit der Philosophie gestartet, nachhaltig zu investieren und habe in der Veranlagung Faktoren wie beispielsweise Atomenergie, Staaten mit Todesstrafe, Spekulationen mit Lebensmitteln und ebenso Investment in Kohle ausgeschlossen. „Umweltmanagement und Klimaneutralität im Büro sind zwar ein erster Schritt, der Lackmusstest ist aber das Kerngeschäft!“, betonte Eitzenberger.

Nachhaltigkeit kein Geschäftsmodell

Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass Nachhaltigkeit kein Geschäftsmodell ist, sondern dass sie aus Verantwortung betrieben werden muss. Der Finanzmarkt verfügt dabei über einen besonderen Hebel, da darüber ein Großteil der weltweiten Geldflüsse bewegt wird. Allerdings müsse sich viel mehr bewegen, damit die Ziele erreicht werden können. Es braucht ein mutiges Voranschreiten als Zeichen für die Politik und Wahlmöglichkeit für den Kunden. (ar)

 

 

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