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Die Stahlschmelze ist einer der energieintensivsten Prozesse in der produzierenden Industrie.

Energieeffiziente Wärmetechnik als Zukunftsmarkt

13.05.2015

Für viele industrielle Produktions- und Verarbeitungsprozesse ist Wärme nötig. Dementsprechend vielfältig ist das Angebot an Öfen und Anlagen. 

Die Wärmeprozesstechnik ist sehr komplex. Im Zusammenhang mit Metallen wird sie benötigt für Prozesse wie Schmelzen, Gießen, Sintern, Warmwalzen, Strangpressen, Schmieden sowie für die Wärmebehandlung (WBH). Darunter versteht man Prozesse wie Erwärmen, Warmhalten und Abkühlen von metallischen Erzeugnissen im festen Zustand, um in ihnen bestimmte physikalische Eigenschaften zu erzeugen. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Wärmeprozesstechnik auch mit Themen wie Energie- und Ressourceneffizienz, Umweltschutz, Prozesssicherheit und Arbeitsschutz viel zu tun hat.

Energie- und Rohstoffeffizienz

Wegen der Vielfalt an thermischen Prozessen und Systemen, ist es schwierig, die weitere Marktentwicklung zahlenmäßig abschätzen zu wollen. Generell gilt aber, dass die Forderung nach einem wirtschaftlich sinnvollen Umgang mit Energie und anderen Ressourcen in den letzten Jahren immer mehr in den Vordergrund getreten und Energie ein immer stärker beachteter Kostenfaktor in Unternehmen geworden ist. Der Branchenkenner Janusz Kowalewski wies im August 2014 im Netzwerk LinkedIn darauf hin, dass 17 Prozent der in den USA industriell verbrauchten Energie auf Wärmebehandlungsmaßnahmen entfallen, die wiederum bis zu 15 Prozent der Herstellungskosten eines Produkts ausmachen können (Kowalewski: Overview of the Global Heat Treatment Industry). Nach Erkenntnissen des Branchen-Dachverbandes CECOF (The European Committee of Industrial Furnace and Heating Equipment Associations), der sich für die Interessen europäischer Hersteller von Industrieöfen und Wärmebehandlungsanlagen-Anlagen stark macht, sind bis zu 20 Prozent der in der industriellen Fertigung genutzten Maschinen und Prozesse mehr als zehn Jahre alt und verbrauchen mehr Energie als nötig. Es liegt nahe, Maßnahmen zu entwickeln, um den Energieverbrauch dieser Einrichtungen und somit Kosten zu reduzieren.

Modernisierung, Flexibilität, Kundenservice

Durch das Angebot, bestehende Anlagen aufzurüsten, entstehen sogar neue Märkte, wie Andreas Seitzer, Vorsitzender des deutschen Fachverbandes Thermoprozesstechnik im VDMA, im Jänner 2015 in einem Interview sagte. In China sind demnach Modernisierungen sowie Umbaumaßnahmen bestehender Altanlagen sehr gefragt. Aber die Hersteller von Anlagen zur Wärmeprozesstechnik begnügen sich nicht mit Modernisierungsmaßnahmen. Auf dem Gebiet der Neuentwicklungen wurden beispielsweise auch bei der Regelungstechnik große Fortschritte erzielt, so dass sich bei modernen induktiv beheizten Anlagen im Vergleich zu denen der Vorgängergenerationen Einsparpotenziale von bis zu 30 Prozent ergeben. Auch Öfen und Anlagen, die Betreibern mehr Flexibilität geben, sind gefragt. Ein weiteres interessantes Gebiet sind Kombinationslösungen, die auch als Hybridtechnologie bezeichnet werden und durch die Verknüpfung unterschiedlicher Arten von Wärmeerzeugung gekennzeichnet sind. Ein Beispiel sind gasbefeuerte Anlagen mit Induktionsheizung: Die Induktionsheizung ermöglicht eine schnelle Vorheizung, die Gasbefeuerung eine Vergleichmäßigung der Temperatur in dem Ofen. Auch die umgekehrte Vorgehensweise kann sinnvoll sein: erst eine kräftige Erwärmung mit einem Gas- oder Ölofen und dann gewissermaßen die Feineinstellung mit Hilfe einer Induktionsheizung.

Abwärmenutzung

Ein hohes Potenzial für die Effizienzsteigerung bietet schließlich auch noch die Nutzung der Abwärme, die bei Produktionsprozessen entsteht. Aus einem kürzlich in der Wochenzeitung „VDI nachrichten“ erschienen Bericht geht hervor, dass mehr als ein Drittel der in Industrieunternehmen in Deutschland eingesetzten Energie als ungenutzte Abwärme verloren geht. Die Hersteller von Anlagen zur Wärmeprozesstechnik können daher damit rechnen, dass ihre Produkte und Dienstleistungen weiterhin gefragt sind, zumal, wie Seitzer erwartet, der Bedarf an Produkten, die über eine „Thermoprozess-Route“ hergestellt werden müssen, mit dem Wachstum der Menschheit steigen werde.

 

Eigene Fachmesse

Betriebe, die thermische Prozesse durchführen, müssen auf Energie- und Rohstoffeffizienz achten. Moderne Wärmebehandlungsanlagen spielen dabei eine wichtige Rolle. Darüber und über die zukunftsweisenden Entwicklungen informiert u.a. die internationale Fachmesse Thermoprocess, die heuer vom 16. – 20. Juni 2015 in Düsseldorf stattfindet.

www.thermprocess.de

Autor/in:
Redaktion Metall
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