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Eva Eidinger-Simacek (CSR-Beauftragte, Lidl Österreich), Julia Haslinger (Programmleitung Nachhaltige Ernährung, WWF Austria), Wolfgang Leger-Hillebrand (Branchenmanagement Lebensmittelsicherheit, Quality Austria)

10. qualityaustria Lebensmittelforum

21.09.2018

Strategien gegen Lebensmittelverschwendung standen am 19. September beim 10. qualityaustria Lebensmittelforum im Arcotel Nike in Linz im Mittelpunkt.

Weltweit landet ein Drittel der Nahrungsmittel im Müll. Das sind 1,3 Milliarden Tonnen pro Jahr. Die Daten über die Vergeudung verblüfften die rund 90 Teilnehmer ebenso, wie die bereits umgesetzten Maßnahmen im Bereich des Qualitätsmanagements. Die meiste Verschwendung passiert allerdings weder in den Produktionsstätten noch entlang der Lieferketten, sondern in den privaten Haushalten. Das Anschluss-Event „qualityaustria Lebensmittel.Recht.Up2Date“ am 20. September stand ganz im Zeichen des Lebensmittelrechts.

Den ökologischen Fußabdruck der Lebensmittelbranche beleuchtete Axel Dick (Business Development Umwelt und Energie, CSR, Quality Austria) in seiner Begrüßungsrede beim 10. qualityaustria Lebensmittelforum am 19. September im Arcotel Nike Linz. Wolfgang Leger-Hillebrand (Branchenmanagement Lebensmittelsicherheit, Quality Austria) berichtete über die Geschäftsentwicklung von Produkten im Bereich Lebensmittelsicherheit. Große Themen waren die Revisionen der relevanten Normen und Standards (ISO 22000, IFS 6.1, FSSC Version 4.1) sowie Berichte über die ersten Erfahrungen mit unangekündigten Audits. Danach schilderte der Experte die Beweggründe für die diesjährige Themenwahl: „Das Thema Lebensmittelverschwendung beschäftigt uns als Quality Austria, weil es eine multidisziplinäre Herausforderung im Zusammenhang mit Integrierten Managementsystemen ist. Es geht nicht nur um Umwelt-, Energie- und Nachhaltigkeitsaspekte, sondern auch um Qualität und Rechtssicherheit.“ qualityaustria Geschäftsführer Konrad Scheiber versprach: „Quality Austria wird die Weiterentwicklung der Normen in Zukunft weiter aktiv mitgestalten.“

Jeder EU-Bürger wirft pro Jahr 179 kg Lebensmittel weg

In seiner Überleitung zum Thema Lebensmittelverschwendung ließ Leger-Hillebrand mit beeindruckenden Zahlen aufhorchen: „Allein in der Europäischen Union landen pro Jahr 89 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll, was pro Kopf einer Menge von 179 kg entspricht. Zugleich gibt es aber 42 Millionen Menschen in der EU, die sich nur jeden zweiten Tag eine qualitativ hochwertige Nahrung leisten können.“ In diesem Zusammenhang wies Leger-Hillebrand auch auf die positive Rolle von EU-Leitlinien hin, die die nationalen Behörden und Lebensmittelunternehmen bei der Anwendung der einschlägigen EU-Rechtsvorschriften unterstützen sollen. Dies würde ebenfalls der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken.

Meiste Verschwendung in den privaten Haushalten

„Vom Feld bis zum Teller geht global gesehen ein Drittel der produzierten Lebensmittel entlang der gesamten Wertschöpfungskette verloren“, betonte Julia Haslinger, Programmleitung Nachhaltige Ernährung bei WWF Austria. Diese Verschwendung von Ressourcen hätte auch gravierende Auswirkungen auf die Umwelt. Die Studie des WWF „Frisch verfault: Lebensmittelverschwendung in Österreich“ zeichne ein klares Bild der aktuellen Situation und liefere neue Daten und Fakten. „Österreich wirft jährlich so viel an genießbaren Lebensmitteln weg, wie die gesamte Kärntner Bevölkerung isst“, wie die Expertin anschaulich schilderte. Die meisten noch genießbaren Lebensmittel landen mit 206.000 Tonnen im Haushaltsmüll. Aufgrund falscher Lagerung und Fehlinterpretation des Mindesthaltbarkeitsdatums komme es hier zu einer enormen Verschwendung. Von der
Bundesregierung fordert der WWF einen konkreten österreichweiten Aktionsplan, damit die vermeidbaren Lebensmittelabfälle bis 2030 um die Hälfte reduziert werden. Es brauche klare Strategien, verbindliche Maßnahmenpakete und Reduktionsziele für alle Akteure der Wertschöpfungskette sowie klare Zuständigkeiten anstatt einer Zersplitterung auf mehrere Ministerien. „Essen darf nicht für den Mist sein. Das ist eine skandalöse Verschwendung von Ressourcen“, erklärte Haslinger.

Vorbildwirkung der Supermarktkette Lidl

In ein ähnliches Horn stieß der Discounter Lidl. „Der größere Anteil an Lebensmittelabfällen entsteht direkt in den Haushalten. Jene Abfälle, die in den Supermärkten entstehen, sind im Vergleich dazu relativ gering und machen einen kleinen Teil der gesamten Lebensmittelabfälle aus“, wie Eva Eidinger-Simacek, CSR-Beauftragte bei Lidl Österreich, ausführte. Lidl achte nicht nur in seinen Filialen und in den eigenen Prozessen darauf, Lebensmittelabfälle zu vermeiden, sondern unterstütze seine Kunden auch aktiv dabei, einen sorgsamen Umgang mit Lebensmitteln zu pflegen. „Wir wollen, dass die Lebensmittel, die bei uns gekauft werden, auch wirklich auf den Tellern unserer Kunden landen“, so die Expertin und nannte dazu konkrete Beispiele für Maßnahmen. Produkte, die kurz vor Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen, würden um 25 Prozent günstiger angeboten. Bei dieser Win-win-Situation hätten die Kunden noch genug Zeit, um die Produkte zu konsumieren. „Wir haben auch klare Vorgaben zur Vermeidung von Restbeständen. Kurz vor Ladenschluss reduzieren wir deshalb bewusst das Angebot an frisch gebackenem Brot und Gebäck. Zudem haben 97 Prozent unserer Filialen eine Kooperation mit sozialen Einrichtungen, die regelmäßig Lebensmittel abholen“, erzählte Eidinger-Simacek.

Sinkende Kosten und weniger Reklamationen durch Lieferanten-Management

Über die praktische Umsetzung eines erfolgreichen Lieferanten-Managements berichtete Norbert Kolb, Qualitätsmanager bei der Worlée NaturProdukte GmbH. Das Unternehmen importiert und verarbeitet getrocknete pflanzliche Rohstoffe, wie zum Beispiel Gemüse, Früchte, Kräuter, Saaten, Gewürze, Phytopharmaka und teeähnliche Erzeugnisse. „Die Sicherstellung der Rohstoff- und Produktqualität entlang der Lieferkette ist ein wesentlicher Bestandteil unseres zertifizierten Qualitätsmanagementsystems, wobei unsere Lieferanten und die Erzeuger als Partner eingebunden sind“, betonte Kolb. Dadurch könnten alte und neue Anforderungen umgesetzt, überwacht und nachweislich sichergestellt werden. Zur Festlegung der Ziele dienen Qualitätsmanagementstandards wie etwa IFS, BRC, FSSC 22000 und ISO 22000. Die Überwachung der Vereinbarung erfolgt bei Worlée in der Regel durch Wareneingangskontrollen, Lieferantenaudits und Reklamationsauswertungen. „Der messbare Erfolg eines Lieferanten-Managements spiegelt sich in weiterer Folge in den Geschäftszahlen wieder und es gibt weniger Reklamationen“, so die Conclusio von Kolb.

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