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Moderatorin Doris Vettermann (Kronen-Zeitung) sprach mit Hans-Werner Frömmel (Bundesinnung Bau), Wilhelm Reismann (TU Wien) und Josef Muchitsch (GBH) über die Chancen und Risiken der Digitalisierung.

Die Zukunft des Baugewerbes

17.01.2018

Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter sind sich der Herausforderungen von Automatisierung und Digitalisierung bewusst und plädieren im Sinne der Beschäftigungspolitik dafür, Chancen zu nutzen und Risiken zu minimieren.

Unter dem Titel „Digitalisierung und Automatisierung: Jobkiller oder Jobmotor?“ lud die Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) am 16. Jänner 2018 zum Neujahrsempfang. Neben Gastgeber Josef Muchitsch, Bundesvorsitzender der GBH, diskutierten Hans-Werner Frömmel, Bundesinnungsmeister Bau, und Wilhelm Reismann, Experte für Projektmanagement und Controlling für Bau- und Infrastrukturprojekte an der TU Wien sowie und Partner der IC Consulenten Ziviltechniker GmbH, die Frage mit Moderatorin Doris Vettermann (Kronen-Zeitung).

Die Gewerkschaft zeigt dabei einen eher klassischen Zugang: Wenn über Digitalisierung und Automatisierung gesprochen wird, gehe es zwangsläufig darum, ob der technologische Fortschritt neue Arbeitsplätze und Berufsrollen schafft – oder ob nur der Mensch in klassischen Berufen von Maschinen und Softwares verdrängt werden. Als Beispiel dienten Roboter, die auf der Baustelle Ziegel versetzen. Wie können also neue Arbeitsplätze entstehen, wenn Maschinen die Menschen in Fabriken ersetzen? Wo liegen die Vorteile einer solchen Entwicklung aus Sicht der Beschäftigten?

Digitalisierung als Chance

„Wir können und dürfen uns der Digitalisierung nicht verschließen“, zeigte sich Muchitsch vor den gut 120 Gästen überzeugt. Allein schon, weil ein höherer Automatisierungsgrad bei sinkender Mitarbeiterzahl dennoch eine gleichbleibende oder gar steigende Produktion bedeutet, sei die Dienstgeberseite daran interessiert. Aber auch den Arbeitnehmern gereiche sie zum Vorteil, wenn man im größeren Zusammenhang denke. Etwa hinsichtlich der Arbeitszeiterfassung und -kontrolle, die durch neue, digitalisierte Aufzeichnungswerkzeuge für Transparenz und Fairness gesorgt werden könnte. Über all dem stehe die Verantwortung der Entwickler, der Wirtschaftstreibenden und der Arbeitnehmervertreter, auch in Zukunft für eine gerechte Verteilung von Arbeit und gegen steigende Arbeitslosenraten zu kämpfen. „Mit der elektronischen Erfassung aller Arbeitszeiten, mit Zeitkonten für die Jahresbeschäftigung und mit einer Bau-Card, die Transparenz und ein Ende der ‚Zettelwirtschaft‘ am Bau bringt, kann uns das in unserer bewährten Bau-Sozialpartnerschaft gelingen.“

Lebenslanges Lernen

Demgegenüber zeigte sich Innungsmeister Frömmel offen. Zwar habe eine Studie an der TU Wien ergeben, dass gut 59 Prozent der Tätigkeiten im Baugewerbe in naher Zukunft digitalisiert werden könnten; allerdings führe das nicht zwingend dazu, dass jegliche menschliche Arbeitsleistung obsolet würde, nein: „Stattdessen werden Ressourcen frei, um andere Tätigkeiten zu erledigen“, ist Frömmel sicher. Er stehe der Digitalisierung grundsätzlich positiv gegenüber, nach dem Motto: „Chancen nutzen, Risiken minimieren.“ Fak sei jedenfalls, „dass beim Automatisierungsrisiko die Qualifikation eine große Rolle spielt: So liegt die Automatisierungswahrscheinlichkeit bei Ingenieuren bei 35 Prozent, im Vergleich dazu bei Hilfsarbeitern im Baugewerbe bei 66 Prozent. Deswegen betone ich immer wieder die Bedeutung von Ausbildung, Weiterbildung und lebenslangem Lernen.“

Reisman zog in der Diskussion gedankliche Parallelen zur ersten Industriellen Revolution und bekräftigte, dass es bei der laufenden Entwicklung wesentlich darauf ankomme, die Chancen der Digitalisierung optimal zu nutzen. Es gehe um Qualität und Qualifikation, um beste Aus- und Weiterbildung sowie Kreativität als wichtiges und durch Maschinenarbeit nicht ersetzbares Gut.

Autor/in:
Bernhard Madlener
Original erschienen am 17.01.2018: Bauzeitung.
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