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Günter Hirschbeck, Managing Director Dachser European Logistics

Wer bewegt die Welt?

17.01.2020

Kaum mehr vorstellbar wäre eine Welt  ohne  hocheffiziente Logistik. Der Endverbraucher ist ebenso wie nahezu jedes Unternehmen auf sie angewiesen. Schließlich möchte jeder, dass die richtige Ware, zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort ist. Doch gilt der einstige „Traumberuf Trucker“ – mit dem Ruf nach Mobilität, grenzenloser Freiheit und seiner Authentizität -  für die heutige Zeit noch?

In einem aktuellen Bericht warnt die Internationale Straßen-Union (IRU) vor einem akuten Fahrermangel in ganz Europa. Ein Fünftel der Fahrerstellen sind demnach bereits jetzt nicht besetzt und ab 2025 gehen zudem die „Babyboomer“ in Pension. Digitalisierung, Automatisierung, künstliche Intelligenz, das sind nur einige Stichwörter, die derzeit in aller Munde sind und auch vor der Logistik nicht Halt machen. Wer aber das autonome Fahren als zeitnahe Realität postuliert, der hat keine Vorstellung, wie anspruchsvoll und vielseitig heute der Beruf des LKW-Fahrers ist und wie komplex Logistiksysteme sind. Denn das Fahren macht nur einen Teil der Arbeit aus. Teilautomatisierte Systeme können auf den Straßen helfen, Stress und Unfälle zu vermeiden. Da sollten wir sie einsetzen. Aber Lkw-Fahrer wird es immer geben, künftig sogar mehr als heute. Derzeit zeigt sich jedoch ein ganz anderes Bild: Aktuell gibt es in Wien nur drei Fahrschulen, welche gemeinsam einen LKW zur Führerscheinausbildung nutzen. Es ist zwingend notwendig, das Berufsbild eines „LKW-Fahrers“ aufzuwerten und zu fördern. Zumal „Herrn und Frau Österreich“ überhaupt nicht bewusst ist, wie sehr sie auf diese Berufsgruppe angewiesen sind. Oder „laufen“ die Lebensmittel künftig in den Supermarkt?

Berufskraftfahrer selber ausbilden

Deshalb startete Dachser in Österreich zu Beginn des Ausbildungsjahres 2018 mit der Lehrausbildung zum Berufskraftfahrer und setzte damit ein starkes Zeichen gegen den Fahrermangel. Wir leisten mit dieser Initiative unseren Beitrag zur Aufwertung des Fahrerberufs. In den beiden ersten Ausbildungsjahren nahmen 23 Jugendliche ihre Ausbildung zum Berufskraftfahrer, im klassischen oder zweiten Bildungsweg, auf. Zum Vergleich: 2017 saßen, über alle Branchen hinweg, in ganz Österreich nur drei Lehrlinge in der ersten Berufsschulklasse .

Das Ausbildungskonzept wurde von der Dachser Service und Ausbildungs GmbH in Deutschland konzipiert und in den letzten Jahren bereits erfolgreich umgesetzt. Es basiert auf drei wesentlichen Stufen: einer qualitativen Ausbildung im Verbund mit den selbstständigen Transportunternehmern, die für Dachser im Einsatz sind und renommierten Werkstätten. Einer  Professionalisierungsphase, in der die Nachwuchsfahrer Erfahrungen bei den Transportunternehmern sammeln, und zusätzlich der Unterstützung auf dem Weg in die Selbstständigkeit, für geeignete Kandidaten.

Die eigene Zukunft sichern

Mit dieser für uns neuen Ausbildung setzen wir unseren Fokus ganz auf die Gewinnung und Qualifizierung von Fahrern. Wir stellen qualitativ hohe Maßstäbe an die dreijährige Berufsausbildung der Lehrlinge. Dafür haben wir die Inhalte nicht neu erfunden, wir haben sie nur durchleuchtet, strukturiert und an die Bedürfnisse der Lehrlinge in Österreich angepasst. Abgerundet findet die Ausbildung nicht nur am und im LKW, sondern auch in allen anderen relevanten Bereichen wie Büro, Lager, Werkstatt und beim Kunden statt. Wir verstehen unsere Fahrer als wichtige Marken- und Qualitätsbotschafter.

Darüber hinaus bieten wir lehrausbildungsübergreifend zahlreiche Zusatzmaßnahmen und Ausbildungen, wie z.B. die Lehrlingkennenlerntage „Dachser Days“, Persönlichkeitsbildung und internen Unterricht an. Unsere ausgebildeten Tutoren begleiten und unterstützen die Jugendlichen während ihrer gesamten Lehrzeit und stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Da frühere Ausbilder für Führer- oder Staplerscheine, wie bspw. das Bundesheer, nicht mehr ausbilden, übernehmen wir selbstverständlich im Rahmen der Ausbildung alle Kosten für die Führerscheine B, C ,CE, C95, dem Staplerschein und Gefahrgut.

Gegenwärtig sind österreichweit noch rund 400 Fahrer für DACHSER für die sog. „letzten Meile“ unterwegs.  Tendenz sinkend. Potentialträger sind auch lernwillige Neuzugänge aus Flüchtlingsländern. Es geht immer um das Miteinander. Keiner kann allein und ohne Respekt gegenüber den Kollegen Erfolg haben. Gerade Flüchtlinge bringen diesen unternehmerischen Spirit mit, ohne den sie die Fluchtreisen gar nicht hätten überstehen können. Schließlich investieren wir so auf diesem Weg in die künftige DACHSER-Generation und damit in Zukunft der Logistik.

Der Autor, Günter Hirschbeck, ist Managing Director, Dachser Austria European Logistics

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Zur Person: ANJA RENGER, Ausbildungsleiterin bei Dachser Austria Mail: anja.renger@dachser.com
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