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Preise machen gute Arbeit sichtbar

15.10.2018

Die 2018 von einer Fachjury ausgezeichneten Preisträger der amaZone nahmen sich am Abend des 11. Oktober im Rahmen der amaZone Gala die Zeit, um im Bildungszentrum der Arbeiterkammer Wien mit Robert Frasch über die Bedeutung und Wichtigkeit von Mädchen und Frauen in technischen Berufen zu diskutieren. In der Runde durften wir begrüßen: Hannes Findeis, Seniorchef von Platten- und Fliesenverlegung Findeis, Boris Bogensberger, Eigentümer von Bogensberger Vermessung, Jan-Erik Beerstecher, Personalchef von MAN Truck & Bus sowie Günter Hell, Bereichsleiter Lehrlingswesen & Technische Erwachsenenbildung bei den ÖBB.

Robert Frasch, ausbilden: Einen solchen Preis zu erhalten, ist eine tolle Sache. Was aber macht man jetzt mit diesem Preis?

Boris Bogensberger, Bogensberger Vermessung: wir werden den Preis auf unseren Social-Media-Kanälen nutzen um zu zeigen, dass wir ein innovativer Ausbildungsbetrieb sind, der auch weiblichen Bewerbern Chancen eröffnet. Vermessungstechniker ist schon an sich nicht unbedingt jener Beruf, der Jugendlichen als erster in den Sinn kommt. Und weibliche Bewerber melden sich schon gar nicht von sich aus bei uns, obwohl wir das sehr begrüßen würden.

Jan-Erik Beerstecher, MAN Truck & Bus: ein solcher Preis zeigt auch nach außen, dass MAN jungen Mädchen Chancen eröffnet. Das ist bei uns fast noch wichtiger, ist doch schon der KFZ-Techniker an sich in der Wahrnehmung sehr „männlich“ und der LKW Bereich noch mehr.

Günter Hell, ÖBB: wir haben schon vor vielen Jahren damit begonnen, Mädchen in technischen Berufen auszubilden, daher läuft das in unserem Alltag ganz automatisch. Den Preis werden wir gut sichtbar einsetzen, zum Beispiel in unserer neuen Lehrwerkstätte, als zusätzliches Argument für vielen Schülerinnen die bei uns zu Besuch sind. Ein solcher Preis ist ja auch die Bestätigung für die gute Arbeit unserer Ausbilder und Ausbilderinnen. Von denen wir auch schon einige haben, genauso wie Teamleiterinnen. Das sind ganz wichtige Kommunikatorinnen und Vorbilder nach außen. Darum nehmen wir sie auch immer zu unseren Schulbesuchen und Messeauftritten mit und in Zukunft haben wir auch den amaZone Award dabei.

Hannes Findeis, Fliesenleger Findeis: das wir unsere Bewerberin bekommen haben, war für uns eigentlich Zufall. Sie ist im Rahmen des FIT Programmes zu uns gekommen und wir haben ihr gezeigt und gesagt, dass unser Beruf nicht immer einfach ist. Nachdem sie überzeugt war, dass sie das machen will haben wir sie aufgenommen und es auch nicht bereut. Mir persönlich ist es vollkommen egal, ob wir Bewerbungen von Mädchen, Ausländern oder sonst jemand bekommen. Wenn beide Seiten der Meinung sind, dass es passt dann gibt es im Betrieb auch keine unlösbaren Themen.

Daniela Mahel, sprungbrett: die Teilnahme am amaZone Award an sich zeigt ja schon, dass Unternehmen frauenfreundliche Ausbildung tatsächlich leben. Es gibt noch immer zu wenig Erfahrung in den Betrieben, was damit verbunden ist aber das wird von Jahr zu Jahr besser.

Frasch: was verändert sich im Unternehmen, wenn man junge Frauen in der Ausbildung hat?

Bogensberger: mir ist wichtig, dass wir Diversität wirklich leben, dafür ist das natürlich ein wichtiges Signal. Die Vorbilder von großen Unternehmen sind da durchaus wichtig, auch wenn die Dimensionen ganz andere sind. Aber Bewerberinnen sehen dann, dass auch die Ausbildung in technischen Berufen eine Option ist.

Beerstecher: durch junge Frauen in der Ausbildung verändert sich die Kommunikation insgesamt. Die männlichen Lehrlinge entdecken sozusagen den Gentleman in sich selbst und wollen natürlich auch mit der Leistung nicht hinter den Mädchen zurückstehen. Mir persönlich ist dabei noch ein anderer Aspekt sehr wichtig: eine junge Frau, die eine Ausbildung in einem technischen Beruf beginnt, hat sicher davor schon viele Wiederstände von Eltern, Lehrern und Freunden überwinden müssen. Was kann uns besseres passieren als eine Mitarbeiterin, die so sehr bei uns arbeiten will das sie das alles in Kauf nimmt? Mich wundert es nicht, dass die weiblichen Lehrlinge meist vorausgehen und die Burschen oft mitreißen.

Hell: es liegt immer am Engagement der einzelnen, das gilt aber bei Burschen genauso. Wenn sich jemand in seiner Ausbildung engagiert, dann wird er oder sie erfolgreich sein. Wir haben inzwischen schon Teamleiterinnen und Ausbilderinnen in vielen technischen Bereichen, daher ist die Integration im Alltag kein Thema mehr. Ihre Leistung muss auch eine Frau natürlich immer bringen, aber das klappt auch bei Arbeiten auf der Strecke sehr gut.

Frasch: wenn uns eine Zauberfee besuchen würde und wir hätten jeder einen Wunsch für die Ausbildung frei, welcher wäre das?

Mahel: dass sie das Bewusstsein bei allen Stakeholdern positiv beeinflusst, wie wertvoll die Beschäftigung von Mädchen ist. Und den Austausch untereinander damit mehr Betriebe wissen, wie unkompliziert das im Alltag abläuft.

Beerstecher: ich wünsche mir, dass unsere jungen Frauen den Weg bis zum Meister weitergehen. Noch mehr aber, dass ich eines Tages die erste weibliche Betriebsleiterin begrüßen darf.

Findeis: dass uns unsere Frau Gorecka im Betrieb erhalten bleibt.

Bogensberger: dass wir alle gemeinsam nicht zu hohe Erwartungen wecken und das wir auch bei den Mädchen nicht zu viel Konkurrenz um Bewerberinnen von großen Unternehmen bekommen.

Hell: das die Meinung der Eltern über Berufe für Mädchen dahingehend verändert, dass technische Berufe für Frauen nichts besonders sondern normaler Alltag sind.

Die Preisträger und die Jurybegründungen:

Gewinner in der Kategorie Kleinstunternehmen:
Platten- und Fliesenverlegung Gerhard Findeis
Brückengasse 8/7, 1060 Wien

Weibliche Lehrlinge, die eine Ausbildung zur Platten- und Fliesenlegerin machen, sind rar. Laut Statistik wurde 2017 in Wien keine einzige Frau in diesem Berufsbild ausgebildet, Österreich-weit machten Frauen im Vorjahr bloß 3,4% aller Fliesenlegerlehrlinge aus. Umso bemerkenswerter, dass es ein Unternehmen, das erstmalig bei der amaZone teilnimmt und eine junge Frau ausbildet, es gleich unter die Gewinner geschafft hat - und besonders bemerkenswert auch die junge Frau, die sich so geschickt und voller Energie im Unternehmen einbringt! Der Familienbetrieb überzeugte die Jury durch seine Vorreiterrolle innerhalb der Branche, die Förderung individueller Stärken und Übertragung von Verantwortung an die beiden Lehrlinge, die selbstverständlich gelebte Diversität und das damit einhergehende hohe soziale Bewusstsein. Innerhalb des insgesamt sehr wertschätzenden Betriebsklimas wird Ausbildung als Chance verstanden. Wir gratulieren Platten- und Fliesenverlegung Gerhard Findeis zum Gewinn des amaZone-Awards 2018 und wünschen dem weiblichen Lehrling Fr. Gorecka eine weiterhin so erfolgreiche Karriere als eine der wenigen Platten- und Fliesenlegerinnen Österreichs! 

Gewinner in der Kategorie Kleinunternehmen:
BOGENSBERGER Vermessung
Hahngasse 18/4-5, 1090 Wien

"Der Maßstab heißt Zukunft," lautet einer der Leitsprüche auf der Website des Unternehmens, das sich im Bereich der Ingenieursvermessung für große Baufirmen spezialisiert hat, aber auch Architektur-, Luftbild-, Deformations- und Anlagenvermessung sowie Geo-Monitoring anbietet. Auch in der Lehrlingsausbildung agiert Bogensberger seit jeher zukunftsorientiert und innovativ. Das Unternehmen bildet aktuell 3 VermessungstechnikerInnen aus, davon einen weiblichen Lehrling. Künftig soll auch die Ausbildung zur/m Bautechnische/n ZeichnerIn im Unternehmen implementiert werden. Für die Jury waren das konsequente Streben nach Erhöhung des Frauenanteils in der technischen Lehrausbildung, die kontinuierliche Weiterentwicklung der qualitätsvollen Lehrausbildung, geschlechtersensible Öffentlichkeitsarbeit und ein attraktives & transparentes Prämiensystem neben den ausgezeichneten Karrierechancen im Unternehmen ausschlaggebend dafür, Bogensberger Vermessung mit dem amaZone-Award 2018 auszuzeichnen. Wir gratulieren herzlich und wünschen Bogensberger Vermessung, dass sie auch weiterhin von ihrem Ansatz, individuelle Stärken zu fördern und den Lehrlingen Verantwortung zu übertragen, profitieren.

Gewinner in der Kategorie Mittel-und Großunternehmen:
MAN Truck & Bus Vertrieb Österreich GesmbH
MAN-Straße 1, 2333 Leopoldsdorf

Das Unternehmen, das vorwiegend im Handel von Neu- und Gebrauchtfahrzeugen, Ersatzteilen und Zubehör tätig ist und auch entsprechende Dienstleistungen (Wartung, etc.) anbietet, setzt sich seit einigen Jahren intensiv für die Integration weiblicher Lehrlinge ins technische Berufsfeld ein. Dies geschieht u.a. durch die Teilnahme am Girls' Day, durch die Sichtbarmachung von Frauen in technischen Berufen in der Öffentlichkeitsarbeit und eine sehr kooperative Zusammenarbeit mit sprungbrett, etwa durch das Ermöglichen von Schnupperpraktika und Exkursionen. Ausgebildet werden am Standort Wien KFZ TechnikerInnen – Nutzfahrzeugtechnik, KarosseriebautechnikerInnen und BetriebslogistikerInnen. Die amaZone-Jury zeigte sich durch die ausgezeichnete Qualität der Lehrausbildung, das oben genannte proaktives Ansprechen von Mädchen und Frauen für technische Berufe, ein attraktives Prämiensystem, sehr gute Übernahmechancen nach Lehrabschluss und umfassende Weiterbildungsmöglichkeiten beeindruckt.

Gewinner in der Kategorie Öffentliche und öffentlichkeitsnahe Unternehmen:
ÖBB Infrastruktur AG
Praterstern 3, 1020 Wien

Die ÖBB bildet im technischen Bereich MitarbeiterInnen aus, die Schienenfahrzeuge und Maschinen auf Bahnhöfen selbst warten und reparieren. Das Repertoire an Lehrberufen ist umfassend: von MetalltechnikerInnen - Maschinenbau über ElektrotechnikerInnen - Anlagen- & Betriebstechnik hin zu MechatronikerInnen. Insgesamt wird Österreich-weit eine Ausbildung in 15 Lehrberufen im technischen Bereich angeboten. Das Unternehmen rekrutiert aktiv weibliche Lehrling für die betriebsinterne Ausbildung. Hierbei setzt die ÖBB unter anderem auf weibliche Role-Models und eine gute Kooperation mit sprungbrett. Die Resultate sind bemerkenswert: An die 100 Lehrmädchen machen aktuell ihre Ausbildung in der ÖBB Lehrwerkstätte in Wien, die Karrierechancen im Unternehmen sind ausgezeichnet! Für die Jury waren das langjährige, vorbildliche Engagement in der Frauenförderung, das aktives Bestreben, Gleichstellung auf allen Ebenen zu verwirklichen, die hervorragende Qualität in der Lehrausbildung und ein vorbildliches Feedbacksystem weitere Punkte, die zur Wahl der ÖBB Infrastruktur AG als amaZone-Gewinnerin 2018 führten.

Autor/in:
Robert Frasch
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