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Gut informiert ins neue Ausbildungsjahr

19.03.2019

Die Frage, warum alle Personaltagungen immer im Herbst stattfinden, habe ich schon oft gestellt. Vor allem für Ausbilder ist es schwierig, sich neben dem Einarbeiten der neuen Lehrlinge und der Vielzahl an Karrieremessen Zeit für Austausch und Wissenserwerb zu nehmen. Daher war es kaum überraschend, dass der Ausbildertag von dieWeiterbilder am 27. Februar in Wien mit über 90 Teilnehmern ausverkauft war. Die gute Nachricht: Wiederholungstermin am 13.06.! Am besten gleich anmelden.

Moderiert wurde der Ausbildertag von Robert Frasch, dem Herausgeber von „Lehrlingsausbildung in der Praxis“. Der auch gleich den ersten Vortrag übernahm und seine persönlichen Einblicke in die Generation Z gab. Die Generation „Prinz und Prinzessin“, wie er Jugendliche von heute durchaus liebevoll nennt, arbeitet nicht mehr aus rein monetären Motiven. Vor allem die gut qualifizierten Bewerber, die wir alle gerne hätten, leben meist in einem familiären Umfeld, in dem ihre persönlichen Bedürfnisse weitgehend erfüllt sind. Gleichzeitig erfahren diese Jugendlichen, dass Eltern kaum Zeit für sie und sich selbst haben. So ist es kaum verwunderlich, dass diese Generationen neue Lebensmodelle entwickeln, in denen das Privatleben den gleichen Stellenwert wie das Arbeitsleben hat. Wodurch laut Robert Frasch ein Missverständnis bei Erwachsenen besteht, die junge Menschen als faul und unwillig wahrnehmen. Doch Jugendliche sind durchaus bereit, Leistung zu erbringen. Nur eben nicht mehr auf Kosten ihres Privatlebens und nur dann, wenn sie einen Sinn in der Tätigkeit erkennen.

Social Media Expertin Claudia Lorber gab danach einen fachlich fundierten Einblick in Strategien, wie man die „Generation neck down“ ansprechen kann. Die wichtigste Voraussetzung ist, sich bewusst zu sein, auf welchem Gerät Botschaften von Jugendlichen wahrgenommen werden. Diese Zielgruppe hat ihren Computer jederzeit bei sich, denn das Smartphone ersetzt inzwischen nahezu zu hundert Prozent Tablet, PC & Co. Wenn Inhalte nicht mobiloptimiert werden, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass sie bei Jugendlichen überhaupt ankommen. Natürlich ist es dann auch noch wichtig, der alten Weisheit vom Angler und den Fischen zu folgen. Denn auch unsere Recruitingköder müssen den „Fischen“, also unserer Wunschzielgruppe, schmecken und weniger uns selbst. Wie zum Beispiel die Recruitingkampagne von Edeka mit YouTube-Stars, die wohl so manche Erwachsene ratlos macht. Die Erfolge in der Zielgruppe, nämlich hohe Klickraten und Verbreitung, geben den Machern der Kampagne jedoch recht. Wobei Claudia Lorber richtiger Weise darauf verweist, dass eine Kampagne immer auch zur eigenen Identität passen muss. Es hat wenig Sinn, wenn ein sehr traditioneller Betrieb eine Kampagne im Jugendbereich macht, die „cool und fetzig“ ist. Die Erwartungshaltung, die damit geweckt wird, könnte man niemals halten.

Im Anschluss gab Alexandra Pattermann von T-Mobile Einblick in den spielerischen Recruitingansatz und die Lehrlingsausbildung des Mobilfunkanbieters. Eine klare Aufgabendefinition für die magentafarbene Lehrlingsausbildung insgesamt in Kombination mit jugendgerechter Ansprache haben dazu geführt, dass die Zahl der Lehrlinge und Bewerber kontinuierlich gesteigert wurde. Herzstück im Recruiting ist dabei das online verfügbare Recruiting-Game von T-Mobile. Dabei werden online, natürlich auch auf dem Mobiltelefon voll nutzbar, die für T-Mobile wesentlichen 5 Kernkompetenzen spielerisch vermittelt. Die Interaktionen der Teilnehmer ergeben eine gute erste Ausgangsbasis, wie gut man zueinander passen würde. Als Benefit erhalten die Teilnehmer ihr persönliches Kompetenzprofil im Vergleich zu allen anderen Teilnehmern. Jene, die eine bestimmte Mindestanforderung erfüllen, erhalten gleich am Ende des Spieles die Aufforderung zur Bewerbung. Die Nutzerzahlen zeigen, quantitativ und qualitativ, dass dieses Angebot gut angenommen wird.

Nach der Mittagspause, die von den vielen anwesenden Ausbildern zum regen Austausch genutzt wurde, widerlegte Peter Wiltsche von il Aus- und Weiterbildung die These des „Suppenkomas“. Sein interaktiver Workshop-Vortrag führte in die Praxis des digitalen Lernens. Hier nahmen die Teilnehmer nicht nur konkrete Anregungen mit, welche Werkzeuge teilweise sogar kostenlos verfügbar sind, sondern konnten viele dieser Werkzeuge auch gleich „live“ erleben. In seinem Vortrag hatte Peter Wiltsche viele interaktive Elemente, bei denen das Publikum mittendrin statt nur dabei war. Allein aus diesem Vortrag hätte man wahrscheinlich einen ganzen Tag gestalten können, viele Teilnehmer waren in ihren Rückmeldungen von der Fachkompetenz und direkten Anwendbarkeit begeistert.

Begeisterung ist auch die perfekte Überleitung zum Vortrag von Doris Rannegger, REWE Group. Die Ausbildungsverantwortliche des größten Handelskonzerns Österreichs gab Einblick in die interaktive Lern-APP, die bei REWE über alle in Österreich vertretenen Marken hinweg im Einsatz ist. Zielsetzung der APP war dabei, den Lehrlingen ein Werkzeug an die Hand zu geben, mit dem sie sich besser auf die Lehrabschlussprüfung vorbereiten können. In Form von Quizz-Duellen können die Lehrlinge hier gegeneinander, aber auch gegen Kollegen, Vorgesetzte und sogar Berufsschullehrer, antreten und so ihr Wissen spielerisch erweitern. Inzwischen sind beinahe 5.000 Fragen verfügbar und pro Tag werden im Schnitt 500 „Duelle“ gespielt. Auch für die Akzeptanz einer solchen APP war die Vermarktung entscheidend. Die beiden Social Media Influencer, die man bei REWE dafür engagiert hat, sind Erwachsenen so gut wie unbekannt. Bei Jugendlichen allerdings lösen sie Begeisterung aus und motivieren so zusätzlich, das eigene Wissen zu erweitern. Natürlich erfordert eine APP in der Größenordnung eines Konzerns wie REWE eine beträchtliche Investition. Auf dem Markt gibt es aber auch Standardlösungen, die mit geringem Aufwand und Kosten gute Möglichkeiten bieten, Jugendliche zum Lernen zu motivieren. Wichtig ist die Einbindung von Werkzeugen und Methoden, die der Lebensrealität der Zielgruppe entsprechen, allemal.

Zum Abschluss des Ausbildertages gab die auf Arbeitsrecht spezialisierte Rechtsanwältin Dr. Natalie Hahn praktische Einblicke in ihre Expertise. Auch in „Lehrlingsausbildung in der Praxis“, dem fundierten Nachschlagewerk des FORUM Verlages, gibt es viel Fachwissen von ihr rund um die praktische Rechtsprechung im arbeitsrechtlichen Kontext. In ihrem Vortrag am Ausbildertag gab es sehr viele Grundlagen zu den Do‘s and Don‘ts in Social Media & Co. Vor allem aber viele Praxisbeispiele, was rund um die Veröffentlichung von Fotos, das Kommentieren von Beiträgen oder die Nutzung von Onlineforen generell passieren kann. Dabei standen nicht Gesetzesparagrafen im Mittelpunkt des Vortrages, sondern die sich daraus ergebenden Rechtsprechungen von Gerichten in Beispielfällen. Die vielen interessierten Fragen aus dem Publikum zeigten das Interesse an dieser Thematik.

Das Fazit und die Rückmeldung vieler Teilnehmer: Es war ein sehr gelungener Tag, um viel praktisch anwendbaren Input mitzunehmen und sich mit vielen Ausbildern auszutauschen. Teilnehmer aus nahezu allen Bundesländern, selbst aus Tirol und Vorarlberg waren Ausbilder angereist, zeigen, dass eine kompakte Tagung zum richtigen Zeitpunkt für viele Ausbilder interessant ist. Umso erfreulicher, dass dieWeiterbilder am 13.06. einen Wiederholungstermin des Ausbildertages anbieten, noch sind Plätze frei.

Autor/in:
Robert Frasch
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