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Erfolge fördern Breite

17.08.2016

Im Sport gibt es ein Grundprinzip: Nicht nur die Leistung der Athleten zählt, ­sondern auch die Vermarktung. Was Ausbildungsbetriebe von Sportverbänden lernen können, warum die Erfolge bei Berufsbewerben wichtig sind und wie man sie vermarktet.

Am 18. August wurden im VIP Bereich des Flughafens Wien die erfolgreichen Teilnehmer der World Skills begrüßt. Diesmal von einer inzwischen doch bemerkenswerten Anzahl an Medienvertretern wie Ö3, dem ORF oder auch Servus TV. 35 Lehrlinge und Schüler von berufsbildenden Schulen, begleitet von 32 Experten, haben unser Land bei den Berufs-Weltmeisterschaften in Sao Paulo, Brasilien vor unfassbaren 200.000 Zusehern an 4 Wettbewerbstagen vertreten. Und unter den rund 1.200 Teilnehmern aus 59 Ländern einmal mehr einen tollen Leistungsbeweis erbracht, was Österreichs Jugendliche in Sachen Fachkompetenz zu bieten haben. 5x Gold, 2x Silber, 1x Bronze und 15 Medaillons of Excellence bedeuten, dass Österreich die beste europäische Nation bei diesen Weltmeisterschaften war. Noch vor der Schweiz und Deutschland.

Die Leistung unserer Teilnehmer und ihrer Ausbilder würde sich eine noch wesentlich größere allgemeine Präsenz verdienen. Weil das allgemein dem Image der Lehre gut tun würde. Wer kann sich vorstellen, dass der ÖSV sein Skiteam verabschiedet und nur in Fachzeitschriften oder in Kurzmeldungen wird darüber berichtet? Für die Breitenwirkung ist es enorm wichtig, dass Marcel Hirscher, Anna Fenninger & Co entsprechend promotet werden. Weil sie als Vorbilder viele Touristen zum Skifahren animieren. Und weil sie Vorbilder für die Nachwuchsläufer sind, die auch so gut wie ihre Idole werden möchten.
Dieser Mechanismus ist ja nur allzu verständlich, warum wird er in der Berufsausbildung so sträflich vernachlässigt? Hier bleiben die Ausbildungsunternehmen noch eher „unter sich“ und vergeben schon allein dadurch viele Chancen. Vor allem vom ÖSV, aber auch von anderen Sportverbänden, könnte man sich hier schon einiges abschauen. Selbst über das Ergebnis jedes, bei aller gebotenen Wertschätzung für die Akteure, Unterligaspiels im Fußball oder die 5. Leistungsklasse im Tennis wird zumindest in lokalen Medien oft recht ausführlich berichtet. Und wann haben Sie in Ihrer Lokalzeitung etwas über den besten Lehrling im Bezirk gelesen? Oder gar in einem überregionalen Publikumsmedium? Oder wissen Sie, wer der beste Lehrbetrieb Ihrer Region ist?

Aufmerksamkeit schaffen

In regelmäßigen Abständen richtet Österreich Ski Weltmeisterschaften aus. Und die Weltcuprennen sind jedes Jahr essentieller Bestandteil des Ski-Marketings. Von der Einkleidung der Athleten über die Verabschiedung bis hin zum Empfang bei deren Heimkehr wird über jedes Detail breit berichtet. Dazu braucht es neben den Leistungen selbst vor allem gute Beziehungen zu Medien, professionelle Arbeit über regionale Grenzen hinweg und kontinuierlichen Aufbau des Themas. Beim Beispiel ÖSV wird das alles seit Jahrzehnten professionell erledigt. Hier vermarktet nicht jeder Skiclub seine eigenen Athleten, sondern ein nationaler Verband platziert die Thematik so, dass wir alle überzeugt sind es wäre der wichtigste Sport überhaupt. Tatsächlich ist Skifahren aber aus Sicht der weltweiten Verbreitung eine Randsportart.

In der Lehrlingsausbildung schaffen wir so etwas noch nicht. Österreichs Politiker betonen zwar immer, wie wichtig es ist das Image der Lehre zu korrigieren. Facharbeiter als Basis unseres wirtschaftlichen Erfolges sind unbestritten und gleichzeitig im Schwinden begriffen. Aber bisher hat Österreich noch nicht einmal die Euro Skills nach Österreich geholt. Diese international beachteten Berufs-Europameisterschaften würden aber unter Garantie enormes mediales Echo auslösen. Und der Welt - vor allem aber den Österreichern selbst – zeigen, was unsere Lehrlinge und die Ausbildungsbetriebe leisten. Damit würden sicher viele Unternehmen Ausbildung in einem neuen Licht sehen. Und die Öffentlichkeit einen Einblick in die aktuelle Lehrlingsausbildung erhalten. ein solcher »Leit-Event« wäre ein wichtiges Signal, um das Image der Lehre ins richtige Licht zu rücken. Und so dafür zu sorgen, dass Jugendliche sich für diesen Ausbildungsweg interessieren. Nicht zuletzt wäre starke mediale Präsenz für Unternehmen ein wichtiges Argument, auch weiterhin auszubilden.

Euro Skills 2020 nach Graz

Um Interesse zu wecken braucht es Helden. Und Österreich hat viele Berufshelden. Es braucht jetzt jemand, der die Einzelleistungen von Verbänden und Unternehmen zu einem großen Ganzen zusammenführt. Das können unabhängige Institutionen wie das Netzwerk lehrlingspower.at sein oder das IBW. Politische Unabhängigkeit und überregionale Orientierung müssen die Leitlinien einer solchen Organisation sein. Deren Aufgabe es wäre, die tollen Leistungen in der Lehrlingsausbildung ins richtige mediale Licht zu rücken.
Die steigende Präsenz der World Skills in Österreichs Medien zeigt, dass die kontinuierliche Arbeit der WKO und aller an den Austro Skills Beteiligten beginnt, Früchte zu tragen. Die WKO Steiermark wird sich mit der Messehalle Graz erstmals als Austragungsort für die Durchführung der Euro Skills 2020 bewerben. Unterstützen wir alle gemeinsam diese Bewerbung, damit unsere Berufshelden auch im Inland eine passende Bühne bekommen.

Die Medaillengewinner:

Gold holten Philipp Seiberl (Schwerfahrzeugtechniker/NÖ), ­Michael Haydn und Alexander Hiesberger (Betonbauer/W), ­Manfred Zink (Möbeltischler/ST), Franziska Ehgartner (Restaurant Service/K) und Marius Joseph Golser (Steinmetz/OÖ). Mit der höchsten Punkteanzahl aller österreichischen Teilnehmer konnte Philipp Seiberl im Beruf Schwerfahrzeugtechnik den Titel „Best of Nation“ erringen.

Silber geht an Marie Theres Mayerhofer (Malerin/ST) sowie ­Martin Entholzer (Maurer/OÖ). Bronze gewann Martin Schwaiger (Metallbauer/ST)

Außerdem wurde das Team Austria mit 15 »Medallion for ­Excellence« ausgezeichnet:
Manuel Peheim (Anlagenelektriker/OÖ), Valentina ­Schachinger (Bäckerin/OÖ), Michael Prader (Bautischler/ST), Alexander ­Wagner (CNC-Dreher/S), Niklas Rusch (Drucktechniker/V), ­Matthias Moser (Elektrotechniker/T), Stefan Fuchs (Fliesenleger/ST), Angelika Grossegger (Floristin/ST), Jacqueline Tanzer (Grafik Designer/T), Thomas Penz (Koch/T), Christoph Auer und ­Markus Egger (Landschaftsgärtner/T), Michael Furtlehner und Lukas Mayr (Mechatroniker/OÖ), Anton Zarl (Sanitär- und Heizungstechniker/NÖ), Thomas Käferböck (Schweißer/OÖ) und Erich Niederl (Stuckateur und Trockenbauer/ST)

Kontakt:
Wirtschaftskammer Österreich
Abteilung für Bildungspolitik
Johannes Fraiss
T: 05 90 900 4070
skillsaustria@wko.at

Text: Robert Frasch

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