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Ein Plan-A für Fachkräfte

04.09.2017

In Wahlkampfzeiten ist es leichter, Politiker zu treffen und Aussagen über deren zukünfitge Pläne zu erhalten. Auch wenn nicht alles umgesetzt wird, ist das doch ein Hinweis für die geplante Richtung. Deshal werfen wir einen interessierten Blick in den Plan-A von Christian Kern und haben bei einer Diskussionsrunde der BVZ in Eisenstadt direkt beim Bundeskanzler nachgefragt.

Der Fachkräftemangel und dessen Auswirkungen für Österreichs Wirtschaft sind offenbar von der Zukunftsprognose zur realen Aufgabe geworden. Noch vor 3 Jahren war bei der Vorbereitung auf eine Podiumsdiskussion mit den Jugendvertretern der Parteien noch in kaum einem Parteiprogramm viel über Lehrlinge und duale Berufsausbildung zu finden. Die Zeiten haben sich geändert, wie in vielen Publikumsmedien - bis hin zu Ö3 - zu bemerken ist. Auch im rund 200 Seiten starken Manifest „Plan-A“ von Bundeskanzler Kern hat das Thema seinen Platz gefunden. Immerhin 6 Seiten unter dem Titel „Der Lehre alle Ehre“ skizzieren die Zukunftspläne des Kanzlers und seiner Partei für die Berufsausbildung. In der BVZ Redaktion in Eisenstadt betonte Kern auch, wie wichtig die duale Berufsausbildung für Österreichs Jugendliche ist. „Ausbildung schützt immer noch am besten vor Arbeitslosigkeit und gut ausgebildete Facharbeiter sind Österreichs  Vorteil im internationalen Wettbewerb“ so die Meinung des Bundeskanzlers. Dazu wird es auch notwendig sein, Menschen mit Migrationshintergrund unser System der dualen Ausbildung zu erklären. „Jemand aus Syrien oder Afghanistan weiß nicht, warum es besser ist zunächst weniger zu verdienen aber dafür eine Ausbildung zu machen. Um nachher bessere Chancen zu haben. Das müssen wir den Menschen erklären“ fordert der Bundeskanzler in dieser Diskussionsrunde.

Angesprochen auf die Verteilung von öffentlichen Mitteln mit Bezug auf die Berufsausbildung, derzeit werden über 600 Mio EUR in AMS Maßnahmen für Jugendliche aber nur rund 170 Mio EUR in die Förderung von Lehrbetriebe investiert, attestiert Christian Kern „das wird man sich sicher noch genauer ansehen müssen.“ Konkrete Vorschläge von lehrlingspower.at an den Bundeskanzler für Verbesserungen waren: die gezielte Förderung von Betrieben, die nachweislich zusätzliche Lehrplätze schaffen, in Verbindung mit einer Qualitätsprüfung. Dazu könnten Mittel aus den AMS Aufwänden umgelegt werden um nicht weiterhin Ausbildungen zu finanzieren die erst nicht jene Qualifikationen bringen, die in den Unternehmen benötigt wird. Als großen Wurf könnte man über ein Modell wie im Fußball nachdenken. Wer Lehrlinge ausbildet erhält innerhalb einer Frist nach der Lehrabschlussprüfung eine Ausbildungprämie, wenn der Lehrling zu einem Unternehmen wechselt, das nicht ausbildet. So würde man Unternehmen motivieren, zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen, die über diese Prämien finanziert werden. Gleichzeitig würde man verhindern, dass Unternehmen aus rein kaufmännischen Überlegungen nicht selbst ausbilden, sondern gut ausgebildete Fachkräfte abwerben. Ein Vorschlag, den Bundeskanzler Kern für überlegeneswert befand. „Nach der Wahl wird man auch über solche Beiträge reden müssen“ gibt sich der Bundeskanzler gesprächsbereit. Eine Aussage an die wir ihn erinnern werden sofern der nächste Bundeskanzler dieser Republik wieder Christian Kern heißen sollte.

Wenn Christian Kern nach der Wahl Bundeskanzler bleibt, dann enthält der schon angesprochene Plan-A einige interessante Ansätze für die Aufwertung der dualen Berufsausbildung. Neben der Qualitätssicherung in der Ausbildung geht es dabei auch um zeitgemässe Entlohnung, Zugang zu höherer Bildung und Reduzierung von Lehrberufen, um wieder eine besser Orientierung zu ermöglichen. Mitglieder im Netzwerk lehrlingspower.at und der Mittelstands-Allianz des SENAT der Wirtschaft lesen die Details dazu im WIKI für Ausbilder. Und werden bei der Gestaltung von Vorgaben für die Politik, egal welche Konstellation im nächsten Nationalrat sein wird, aktiv eingebunden. Österreichs Politik hat die Zukunft der dualen Ausbildung als Thema entdeckt nutzen wir diesen Umstand und machen wir auch bei den Parteien Lust auf Ausbildung!

Weitere Infos:

Lehre im Plan-A: WIKI Für Ausbilder

Der Plan-A zum Download

Autor/in:
Robert Frasch
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