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Dual studieren - Lehrlingsausbildung "advanced"

09.07.2018

Im Zuge des Eucen Projekts ApprEnt ist Mittelstands-Botschafter Robert Frasch vom SENAT der Wirtschaft und der Donau-Universität Krems derzeit in einem Projekt beteiligt, mit dem Klein- und Mittelunternehmen Zugang zu Kooperationen mit Universitäten bekommen sollen. Dieses Projekt bringt in 9 europäischen Ländern die Erfahrungen von Hochschulen und Unternehmensverbänden zusammen und erarbeitet "train the trainer" Vorgaben für erfolgreiche Kooperationen. Nicht zuletzt, um so den Stellenwert der Lehre durch die Beteiligung von Universitäten zu stärken. Am 18.06. fand das erste Webinar mit konkreten Praxisbeispielen statt.

Dual Studieren in Europa

Im Zuge dieses Webinars stellten Isabell Grundschober von der Donau-Universtität Krems und Robert Frasch vom SENAT der Wirtschaft die Grundlagen des Projekts vor. Das Projekt verfolgt im Wesentlichen 3 Ziele:

  1. Durch die Entwicklung von Strukturen zur Förderung von "higher level apprenticeships" soll eine moderen Berufsbildung gewährleistet werden. Um einerseits (Jugend)arbeitslosigkeit zu vermeiden und andererseits um einen Mangel an Facharbeitern zu verhindern.
  2. Das Projekt schafft einen gezielten Austausch europäischer Organisationen mit Fokus auf Berufsbildung und neuen Formen beruflicher Weiterbildung. Dabei verbindet es Forschung mit Unternehmenspraxis.
  3. Das Projekt zielt, ausgehend von der Analyse berufsspezifischer Ausbildungsangebote in Europa, auf die Anpassung und Weiterentwicklung berufsspezifischer Lernformate für KMUs ab.

Die Teilnehmer in diesem ersten Webinar, weitere Events werden folgen, erfuhren erste Praxiseindrücke von den bisherigen Projektmeetings mit den Universitäten Brest (FR) und Chester (GB), an denen Kombistudien mit Studium und praktischem Einsatz in Unternehmen bereits gelebte Praxis sind. Es geht dabei nicht um den in Österreich verbreiteten Ansatz von berufsbegleitendem Studieren, sondern um eine ähnliche Kombination wie in der Lehrlingsausbildung. Die Studenten verbringen während des gesamten Studiums kontinuierlich Zeit im Unternehmen und an der Universität. Vereinfacht könnte man sagen, die Universität ersetzt die Berufsschule. Während der gesamten Studienzeit sind die Absolventen beim Unternehmen angestellt und erhalten auch ein reguläres Entgelt.

Praxis bei A1 gemeinsam mit der FH Technikum Wien

A1 setzt  ein solches Modell seit 2017 erfolgreich um. Dabei hat man sich bewusst entschieden, dass man das reguläre Studienprogramm der FH nutzt. Die Inhalte werden also nicht maßgeschneidert, sondern sind die selben Inhalte, die jeder andere Student ebenfalls erlernt. Damit holt sich A1 das wichtige externe know how ins Unternehmen. Während der gesamten Studienzeit verbringen die Studenten immer jeweils 3 Monate im Unternehmen und 3 Monate an der Universität. Während der gesamten Zeit sind sie bei A1 mit einem 20 Stunden Vertrag angestellt und erhalten auch das entsprechende Entgelt. Am Ende schließen sie ihr Studium mit einem Bachelor ab und haben gleichzeitig 3 Jahre Berufserfahrung. Damit positioniert sich A1 vor allem als Arbeitgeber für Mitarbeiter im IT und ICTS Bereich. Diese für die Abwicklung von internen und externen Projekten enorm wichtigen Fachkräfte denken normalerweise nicht automatisch an A1 als Arbeitgeber. Hier stehen eher die "klassischen" IT Unternehmen wie Microsoft oder SAP im Fokus. Aktuell sind 12 Studenten im Programm, diesen Herbst folgen weitere 13. Die Rückmeldungen aller Beteiligten sind durchwegs positiv, auch wenn noch das eine oder andere verbessert werden kann. Welche Herausforderungen zu meistern waren und noch sind, können Sie in der Aufzeichnung des Webinars nachhören. Hier geht es direkt zur Aufzeichnung.

Praxisbeispiel FH Campus 02 Graz

Hier wird gerade ein Bachelor Programm in Business Software Development etabliert. Der Start des ersten Studienjahres wird im Oktober 2018 sein, deshalb gibt es noch keine Erfahrungen von bestehenden Studenten. Der Hauptgrund um dieses Programm zu initiieren ist die Erschließung neuer Zielgruppen. Das Programm ist für 18-20 jährige Studenten konzipiert und die Erfahrungen aus den Anmeldungen zeigen schon, das viele Interessenten ohne klassischen technischen Background angesprochen werden konnten. Im Verlauf des Studiums werden die Studenten dieses Programms während des dritten und sechsten Semesters jeweils 3 Tage in Unternehmen und 3 Tage an der Universität verbringen. Das matchmaking mit den Unternehmen erfolgt während des ersten Semesters.

Hauptpunkte aus der Webinar Diskussion

In der an die Präsentationen der Best Practices anschließenden Diskussion kristallisierten sich folgende Eckpunkte als Bedarf bei den Teilnehmern heraus, um duale Studienprogramme erfolgreich zu machen:

  • Es braucht Netzwerke als Unterstützung, vor allem für kleinere Unternehmen
  • Es wird wichtig sein, den Unterschied "duales Studium" und "berufsbegleitend" für die Kandidaten zu erklären
  • Es wird wichtig sein, die Vorteile einer Teilnahme für Unternehmen klar zu kommunizieren
  • Es braucht noch viel mehr Best Pracitces von erfolgreichen Umsetzungen
  • Es braucht noch Klärung, wo die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zur in Österreich bekannten Lehrlingsausbildung liegen

All diese Fragen werden gemeinsam mit den 9 europäischen Ländern in den nächsten Monaten geklärt und bei weiteren Events kommuniziert. Deshalb haben die österreichischen Projektleiter einige Möglichkeiten geschaffen, um über das Projekt zu berichten. Neben den Newsletters der Donau-Universtität Krems und des Netzwerks lehrlingspower.at sind das vor allem:

Aufzeichung Webinar

Padlet Dokumentation der Fragen (kann und soll gerne ergänzt werden)

Facebook Gruppe

Webseite des Projekts (englisch)

Autor/in:
Robert Frasch
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