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Robert Frasch

Die Lehrstellenlücke ist geschlossen

04.06.2018

Erstmals seit 17 Jahren ist die sogenannte Lehrstellenlücke geschlossen. Die gute Konjunkturlage führt dazu, dass erstmals wieder mehr Lehrstellen im Angebot sind als es Lehrstellensuchende gibt. Auf 4575 beim AMS vorgemerkte Suchende kommen 4932 sofort verfügbare Lehrplätze. Im Herbst wird dieses Verhältnis auf 9.920 Suchende und 17.798 Angebote ansteigen. Ein Grund, näher hinzusehen was eigentlich hinter diesen Zahlen steckt.

Folgt man der Diskussion zum Thema Lehre dann hat man das Gefühl, dass hier zwei Interessensgruppen aufeinandertreffen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Obwohl doch unterm Strich beide das selbe im Sinn haben müssten, nämlich Arbeitsplätze für die Jugendlichen. Man sollte meinen das die Arbeiterkammer solche für ihr Klientel finden möchte, damit die Jugendlichen ins Erwerbsleben einsteigen können. Die Wirtschaftskammer wiederum sollte schon allein aufgrund des oftmals zitierten Fachkräftemangels Interesse daran haben, mehr Lehrstellen zu besetzen. Würden beide an einem Strang ziehen, dann wäre das wohl möglich wie beispielsweise Bundesländer wie Tirol und Vorarlberg zeigen. So nebenbei wäre dann das Image der Lehre automatisch besser, denn öffentlich ausgetragene Scharmützel dienen der Sache insgesamt keinesfalls.

Doch zurück zum Ausgangspunkt, warum schließt sich nun eine seit 17 Jahren bestehende Lücke? Einerseits schlicht deshalb, weil die Gesamtzahl der Jugendlichen demografiebedingt zurückgeht. Dazu kommt ein erhöhter Bedarf der Wirtschaft, einerseits durch die gute Konjunkturlage und andererseits durch zurückhaltende Stellenbesetzungen in den letzten Jahren. In Zeiten eines Auftragsbooms fehlen die Arbeitskräfte dann umso mehr. Dazu kommt, wie Alfred Freundlichen, Bildungsexperte der WKO im Interview in der "Presse"  konstatiert, dass die "Lehre am Ende der Nahrungskette steht. Die weiterführenden Schulen schöpfen sich viel Potenzial ab" sagt der Experte zur Situation.

Die Unternehmensvertreter insgesamt bringen einen Aspekt in die Diskussion ein, der zur Imageverbesserung beitragen soll. Nämlich indem man die Lehre lieber als Ausbildung verstanden wissen will denn als einen echten Arbeitsplatz. Damit die Mütter weniger Probleme damit hätten, ihre Kinder in eine Lehre zu entlassen weil der gesellschaftliche Trend dahin geht, dass man eher später zu arbeiten beginnt. Eine Schlußfolgerung der Wirtschaft, die mich dann doch etwas überrascht. Hätte ich doch die Lehre immer schon als Ausbildung verstanden, ob dieses Ansinnens der Wirtschaft bin ich mir aber nicht sicher, ob das bisher in den Betrieben auch so war. Vielleicht war ja doch etwas dran an der von der Arbeiterkammer oft thematisierten Frage, ob Lehrlinge nicht doch günstige Arbeitskräfte für Hilfstätigkeiten sind. Natürlich keinesfalls in allen Betrieben, aber wie eigentlich immer sieht die Öffentlichkeit eben eher die negativen Auswirkungen.

Ich würde mir wünschen, dass wir auch im Osten Österreichs und auf Bundesebene erkennen, dass Lehrlingsausbildung ein Einstieg in und eine Vorbereitung auf das Berufsleben ist. Und das wir, so wie im Westen schon lange praktiziert, alle gemeinsam daran arbeiten, dass wir diesen Einstieg ins Berufsleben für alle ermöglichen. Jedem auf jene Art, die seinen Stärken entspricht und mit jener Unterstützung, die er oder sie benötigen. Dann müssen wir keine Kampagnen erfinden und können die Zeit für Presseaussendungen, wer denn an was schuld wäre, für konstruktive Arbeit im Sinne unseres gemeinsam Zieles nutzen. Um im internationalen Wettbewerb mit unserer Qualität bei Ausbildung und Produkten zu bestehen und den Mittelstand als tragende Säule der (regionalen) Wirtschaft zu stärken.

Autor/in:
Robert Frasch
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