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Der Ausbildertag als Startpunkt im Jahr

19.03.2020

Als sich am 26.02. bereits zum dritten Mal rund 80 Ausbilderinnen und Ausbilder aus ganz Österreich zum Ausbildertag von „die Weiterbilder“ trafen, wusste noch niemand, dass dies eines der letzten persönlichen Treffen für längere Zeit gewesen sein könnte. Finden Sie hier die Nachlese und eine wichtige Ankündigung für die Zeit nach Corona im Westen Österreichs.

Diesmal traf sich die Ausbilderszene im zentral gelegenen Arcotel Kaiserwasser in Wien. Wie schon beim Start im Vorjahr waren viele Teilnehmer froh über den Zeitpunkt der Tagung, der kompakte Information zum Start eines Kalenderjahres ermöglicht. Verbunden mit dem Austausch untereinander und dem wieder abwechslungsreichen Programm rund um den Schwerpunkt Lehrlingsrecruiting war das Ufer der Alten Donau ein guter Platz, um gemeinsam Bestätigung zu bekommen und Anregungen mitzunehmen.

Den Beginn machte der fachliche Leiter und Herausgeber des Handbuchs „Lehrlingsausbildung in der Praxis“, Robert Frasch, selbst. In seinem Vortrag „Lehrstellenmarketing 4.0“ beleuchtete er nicht nur, wie wir die Generation neck down erreichen können. Denn mindestens genauso wichtig ist ihm, auf die Eltern nicht zu vergessen. Wie für einen Autoverkäufer ist es enorm wichtig, die wahren Kaufentscheider im Blick zu haben – bei Lehrstellen sind das die Eltern. Deshalb brauchen wir auch für diese passende Botschaften, die sich meist nicht mit jenen für die Jugendlichen decken. Der Gründer von lehrlingspower.at gab den Zuhörern anhand konkreter Fallbeispiele Anregungen für eine sinnvolle Kombination von on- und offline Inhalten und die Nutzung von schon vorhandenen Möglichkeiten.

Danach gab Martina Schlatzer von Raiffeisen Ware Austria einen äußerst informativen Einblick in die Recruitingwelt der Raiffeisen Lagerhäuser. Die grüne Kraft am Land braucht viele Facharbeiter in den unterschiedlichsten Bereichen. Dabei hat man mit der Schwierigkeit zu kämpfen, dass viele Berufe gar nicht mit den Lagerhäusern in Verbindung gebracht werden. In den letzten Jahren hat RWA vor allem im Onlinebereich viele Impulse gesetzt, um Jugendliche zu erreichen und das Image der Lagerhäuser zu modernisieren. Die größte Herausforderung in so einer großen und dezentralen Organisation liegt dabei darin, alle auf eine gemeinsame Linie zu bringen.

Rechtliche Fragen und Kommunikation

Wie schon bei den beiden Ausbildertagen im Vorjahr brachte danach die Beleuchtung von Rechtsfragen, dieses Jahr durch Geraldine E. Langer, große Aufmerksamkeit bei den Zuhörern. Geht es doch bei trockenen juristischen Themen immer darum, dass man anhand konkreter Beispiele die reale Bedeutung von Gesetzen erkennen kann. Gefolgt wurde dieser juristische Block von aktivem Tun der Teilnehmer. Im Vortrag „Kommunikation Lehrling – Eltern – Berufsschule“ wurden die Zuhörer von Vittoria Bottaro aktiv eingebunden. Als wandelndes Best-Practice-Energiebündel erarbeitete die Vortragende mit den Teilnehmern konkrete Überlegungen, wie die Kommunikation mit den verschiedenen Zielgruppen besser gestaltet werden kann. Aktive Auseinandersetzung mit den Informationsbedürfnissen zu verschiedenen Zeitpunkten trägt grundsätzlich immer dazu bei, passendere Botschaften zu senden.  Wie schon Vera Birkenbihl formuliert hat: Die Verantwortung für das Gelingen von Kommunikation liegt immer beim Sender.

Nach der Mittagspause braucht man bei jeder Tagung jemanden, der Schwung in die Zuhörerschaft bringt. In ihrem Workshop „Berufspraktische Tage organisieren“ schloss Vittoria Bottaro an ihren Vortrag vom Vormittag an – und schaffte es wieder, trotz der großen Gesamtgruppe der Teilnehmer, diese aktiv einzubinden. Nach diesem Programmpunkt hatten viele Teilnehmer konkrete Ansätze für ihr Unternehmen notiert, um den so wichtigen direkten Kontakt mit Jugendlichen zu gestalten.

Was man mit all diesen grundsätzlichen Überlegungen praktisch anfangen kann, das erfuhren die Teilnehmer im Vortrag „Employer Branding für Lehrbetriebe“ von Ralf Tometschek. Der Gründer der Agentur identifire gab viele Impulse aus seinem reichen Erfahrungsschatz einer Vielzahl an Projekten. In Erinnerung geblieben ist vielen seine Grundsatzthese, dass wir das hochwertige Produkt Lehre viel zu „billig“ verkaufen. Denn eine Lehrlingsausbildung hat immerhin den Wert eines ziemlich luxuriösen Autos, aber ihre Darstellung passt überhaupt nicht zu diesem Wert. Auch innerhalb des Employer-Branding-Mix insgesamt passt die Wertigkeit nicht zu jener, die von allen nach außen immer betont wird: Maßnahmen für Uni-Absolventen und Führungskräfte sind meistens um ein Vielfaches attraktiver, als jene für die Gewinnung der Fachkräfte für die Zukunft.

Praxisblock Employer Branding

Dass es auch anders sein kann, bewies die letzte Vortragende. Isabella Seiser von den Querfeld Cafébetrieben berichtete über die gemeinsam mit identifire entwickelte Kampagne „Die erste Familie, die man sich aussuchen kann“. In den 10 Betrieben der Familie Querfeld in Wien, deren bekanntester wohl das Cafe Landtmann ist, arbeiten rund 350 Mitarbeiter. In einer herausfordernden Branche, die meist eher durch Klagen über fehlende Mitarbeiter wahrgenommen wird. Was an dieser Kampagne beeindruckt, ist nicht nur der Slogan an sich, der übrigens die Summe der Empfindungen aller Mitarbeiter ist. Sondern die Konsequenz, mit der dieser Slogan umgesetzt wird. So kann man sich auf der sehenswerten Karriereseite eine Bewerbungsmappe herunterladen. Aber nicht, um die darin enthaltenen Formulare auszufüllen. Darin bewirbt sich die Familie Querfeld bei den Jobinteressenten. Wertschätzung ist eben kein Slogan, sondern kann nur gelebt werden.

Insgesamt war der Ausbildertag wieder eine sehr gelungene und kompakte Mischung aus unterschiedlichen Themen. Die Zuhörer, allesamt Personalverantwortliche und Praktiker im Bereich der dualen Ausbildung, nutzten auch die Zeit zum Austausch untereinander und mit den Vortragenden sehr aktiv – und gaben den Veranstaltern als Anregung mit, doch auch einmal einen Ausbildertag im Westen von Österreich zu veranstalten. Was „die Weiterbilder“ inzwischen auch in die Tat umgesetzt haben: Am 8. Juli 2020 findet erstmals der Ausbildertag West in Salzburg statt. Save the date, denn es wird auch ein Leben nach Corona geben.

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