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Dahinter steht immer ein Mensch

20.07.2018

Das Schöne an meinem Beruf? Interessante Menschen! Vielfalt ist ansteckend - so als Hinweis für die ewiggestrigen Angst-, Frust- und Haßhasen in unserer Gesellschaft (wobei ich ja beileibe nicht Hasen beleidigen möchte... arme Viecher). Wieder einmal ein Bewerbungsgespräch und damit eines meiner Sternstunderln. Wenn der Mensch hinter der Bewerbung zum Vorschein kommt.

Mir gegenüber sitzt ein junger Mann, der sich neben dem Studium eigentlich für einen handwerklichen Beruf interessiert. Ich wundere mich sehr, denn sein Lebenslauf zeigt eine ganz andere Richtung in Prozessmanagement und Innovationen. Meine Neugier ist mal wieder auf den Plan gerufen und meine innere Stimme raunt "du, ich glaub, der weiß gar nicht, was er da kann. Magst ihm nicht einen Hinweis geben?"  Wir reden über das Handwerkliche, was er kann, was ihm fehlt, was wir handwerklich suchen... und er kommt ganz betrübt drauf, dass er davon ganz weit entfernt ist. Fast rutscht er auf den Tiefpunkt. "Aber nein," meine ich, "das verstehen Sie falsch. Es geht nicht darum, was Ihnen fehlt. Es geht darum, dass ich das Gefühl habe, dass es für Sie eine viel optimalere Richtung gibt. Stichwort "Stärken & Talente leben" wär's halt." Und dann erzähle ich ihm, wie er auf mich wirkt, was ich in meinem Gegenüber sehe und dass ich mich wundere, dass er sich denn nicht dorthin orientieren will, wo sein Herzblut (Studium und überhaupt der ganze Mensch) ihn drängt. Die Augen werden größer, dann kommt ein ganz überraschtes "jössas, Sie haben mir seit einer Stunde wirklich zugehört?" Gefolgt von einem "ich habe mich schon gewundert, was Sie alles über mich mitschreiben und wie Sie mit mir reden. So interessiert hat sich noch nie ein Personalist für mich."

Dazu bin ich da

Dann legt er richtig los und ich sehe voller Freude: ha, meine Einschätzung war richtig! So wie ich seine Stärken eingeschätzt habe, legt er mir plötzlich eine Analyse unseres Unternehmens aus dem Stegreif auf den Tisch, dass es mir die Ohren anlegt. Wie er manches sieht, beurteilen würde, wo er glaubt, dass das Zusammenkommen unserer Firmen Reibung erzeugen könnte, wo Potentiale liegen könnten, wie er gewisse Dinge angehen würde....  Fast habe ich das Gefühl, der war bei unseren internen Meetings dabei. Mit einem Wort: genial! Er lebt genau das und völlig unbewußt für sich selbst, was sein Herzblut ist. Auftrag an mich: mach's ihm bewusst. Ergebnis: ein strahlendes Gesicht - und mein Angebot, seine Bewerbung doch in seine Herzblut-Richtung zu prüfen, denn zufällig gäb's da vielleicht eine Möglichkeit....

Das Eis ist gebrochen

Er spricht über persönliche Hintergründe und erzählt davon, dass ihm in seiner Arbeit gegenseitiger Respekt wichtig ist. Noch wundere ich mich darüber, weil das für mich sowas von selbstverständlich ist.
Langsam erzählt er dann auch von seinen Ursprüngen, die nicht nur auf dem Balkan verortet sind, sondern auch in seiner Zugehörigkeit zu den Roma. Meine Versuche, ihm zu sagen, dass mich das gar nix angeht, ich das nie auch nur fragen oder in Erwägung ziehen würde und dass für mich Mensch gleich Mensch ist, sind sinnlos. Denn ich erfahre, was ihm bei anderen Arbeitgebern widerfahren ist, als die von seiner Abstammung hörten. Abgesehen davon, dass unser Unternehmen offen und international ist, Vielfalt fördern will und die ganze Welt bei uns vereint, sitzt dem jungen Mann auch eine Personalistin gegenüber, die die Buntheit der Welt persönlich höchst spannend findet. Als ich ihm sage, dass der Balkan ohnehin mein zweites Wohnzimmereckerl ist und wir alle in irgendeiner Generation irgendwo auf der Welt unsere Wurzeln haben, wird das Strahlen noch größer.

Als er geht, ist das ein sehr herzlicher Abschied, fast wie unter Freunden. Im Hinausgehen meint er noch zu mir "bitte bewahren Sie sich Ihre Herzlichkeit und Ihr Lachen. So ein Gespräch hatte ich schon lange nicht mehr." Interessanterweise schon das zweite Mal in dieser Woche, dass ich soetwas höre.

Für alle Angst-, Schiß- und Frusthasen auf diesem Globus

Hätte der Schöpfer dieser Welt - nennt ihn wie Ihr wollt - einen gleichförmigen, standardisierten und codierten Erdenbewohner gewollt, dann wäre der Mensch auch so geschaffen: uniform, gleich. Wir hätten das gleiche Benehmen, das gleich Denken, das gleiche Wesen, das gleiche Aussehen, die gleiche Haut-, Augen- und Haarfarbe. Alles gleich. Doch offensichtlich war der "Mensch aus der Massenerzeugung" nicht gewollt. Irgendjemand - egal wer - wollte Vielfalt. Also ist es unsere Aufgabe, diese Vielfalt zu respektieren und willkommen zu heißen. Es ist der einzig richtige Umgang mit Vielfalt und unsere Pflicht.
Denn Vielfalt - quod erat demonstrandum - ist ein höheres Prinzip, eigentlich das höchste Prinzip.

Lerne und respektiere. Denn auch das gehört zum Menschsein.

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