13.01.2005
Energieversorgung: Unter Strom
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Energie wird teurer, viel teurer. Rechtzeitig zum Start der Heizsaison. Es gibt aber noch ein paar Randthemen: Versorgungssicherheit, Ökosteuern, Leitungsmonopol, Gasverträge als Beispiele.
Von Heinrich Mathis Adressat
Fotos Christian Michel, Sophie Dvorak
Wenn der Preis für ein Fass Rohöl an die 50-Dollar-Marke klopft, dann freut das zuerst einmal den Autofahrer nicht wirklich. Diese Phase hat Österreich im Sommer vorerst hinter sich gebracht. Einige Zeit später melden sich dann die Stromversorger mit höheren Preisen. Gern gewählter Stichtag: 1. Oktober. Und Gas- und Fernwärme soll auch noch rechtzeitig vor der Heizperiode teurer werden. Schließlich hängt der Preis für Gas an jenem für Erdöl.
Die Gründe für den rasanten Anstieg der Ölpreise finden sich täglich in den Gazetten: Nahost, Terror, Jukos, China, Spekulation. Und der Dollar gewinnt gegenüber dem Euro auch wieder etwas an Boden. Das schlägt sich in der Rechnung nieder.
Opec und Rotterdamer Spotmarkt sind aber nur ein Teil der Wahrheit und ausreichend, wenn es um die höheren Preise an der Zapfsäule geht. In der Diskussion um den Preis des elektrischen Stroms steht eher die Kohle im Vordergrund, sagt Johann Mayer, Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der österreichischen E-Control, weil Kohle vor allem in Deutschland wichtigster Brennstoff in den kalorischen Kraftwerken ist. Gas spielt in Europa eine untergeordnete Rolle, und Atomstrom läuft ebenso mit wie die Wasserkraft, auch wenn der eine in Frankreich und die andere in Österreich besonders wichtig ist.
Nach der Jahrtausendwende kostete eine Tonne Steinkohle auf dem Weltmarkt rund 30 Dollar. Strom wurde auf dieser Preisbasis im Großhandel mit rund 20 Euro pro Megawattstunde berechnet. Mit den dramatischen Versorgungsengpässen in China kletterte der Kohlepreis auf bis zu 80 Dollar je Tonne im vergangenen Jahr. Derzeit hält der Preis bei 70 Dollar und ist in den Futures leicht rückläufig. Mit der Kohle ist der Strompreis gestiegen, auf über 30 Dollar für Bandstrom, auf 45 bis 50 Dollar für Spitzenstrom.
Mit dieser Entwicklung argumentieren die Versorger die derzeitige Preiswelle beim Strom und fügen hinzu, dass Strom eigentlich schon viel frührer teurer geworden sei, sich das wegen der sinkenden Netztarife aber nicht ausgewirkt habe. Tatsächlich ist Strom seit der Liberalisierung billiger geworden, deutlich für die Industrie, weniger stark für die Haushalte. Dass der Strompreis nicht noch stärker zurück gegangen ist, liegt beispielsweise an den höheren Steuern für die Förderung des Ökostroms und die Kraft-Wärme-Kupplung, Maßnahmen, die im Sinne der Umwelt durchaus vernünftig seien, spendet der Chef der Energieverwertungsagentur (EVA) Fritz Unterpertinger Lob.
Mit ihrer Argumentation von der Preisabhängigkeit sind die Versorger nicht ganz allein. Auch E-Control-Volkswirt Mayer sagt, dass Österreich im vernetzten Europa Preisnehmer sei, und sogar die Energieverwertungsagentur meint, dass es den österreichischen Markt nicht mehr gebe, sondern nur noch eine netzbedingte Zone Deutschland, Schweiz Österreich. In dieser konstatiert EVA-Experte Herbert Lechner einen Anstieg der Großhandelspreise um 25 Prozent innerhalb eines Jahres.
Kritiker werfen den Stromversorgern vor, den steigenden Weltmarktpreis nur als Vorwand zu benutzen, weil in Österreich Kohle und Öl als Primärenergieträger viel weniger Bedeutung habe. Immerhin werden 70 Prozent des Stroms aus Wasserkraft gewonnen, und in den meist weitgehend abgeschriebenen Anlagen rinnt mit dem Wasser durch die Turbine das Geld in die Bilanz. Das bestreiten die Versorger auch gar nicht, kontern aber mit dem Hinweis auf den notwendigen Ausbau des Kraftwerksparks und des Leitungsnetzes. Finde das nicht statt, sei die Sicherheit der Versorgung nicht gewährleistet.
In diesem Punkt ist sich die Stromwirtschaft der Unterstützung der Österreicher gewiss. Sicherheit, so hat das Marktforschungsinstitut Gallup im Sommer im Auftrag des Verbandes der Elektrizitätsunternehmen Österreichs erhoben, hat für die Österreicher absolute Priorität, noch vor einem möglichst niedrigen Strompreis.
Strombedarf steigt
Alle Prognosen gehen von einem weiteren Anstieg des Strombedarfs aus. Die Schätzungen liegen bei rund zwei Prozent pro Jahr. Dementsprechend will der Verbund seinen Kraftwerkspark ausbauen. Größtes Projekt ist das Kraftwerk Mellach II. Für diesen Standort bereitet der Verbund die Umweltverträglichkeitsprüfung vor. Die Einreichung könnte Ende 2004/Anfang 2005 erfolgen. Ein neues Gaskraftwerk rechne sich auf Vollkostenbasis bei einem Strompreis von rund 41 Euro je MWh auf Basis der derzeitigen Gaspreise, sagt Verbund-Chef Hans Haider. Rund 80 Prozent der Kosten eines neuen Gaskraftwerkes entfallen auf den Brennstoff Gas. Der Verbund rechnet damit, die Genehmigung für das Gaskraftwerk zu erhalten, offen sind die Auflagen. Nach wie vor aktuell ist ein eventueller Bau eines Kraftwerkes im benachbarten Ausland, etwa in Slowenien.
Beim Kraftwerk Gerlos II wird der Ausbau derzeit untersucht. Es werde zwar keine Kilowattstunde mehr erzeugt, allerdings könne man auf Grund erhöhter Leistung von einem Laufkraftwerk zu einem Spitzenkraftwerk kommen. Eine Entscheidung soll heuer im Herbst fallen. Der Verbund gehe davon aus, dass sich das Projekt wegen des großen Spreads bei den Preisen für Grundlast (base) und Spitzenlast (peak) rechnen werde, sagt Haider, der den Investitionsbedarf mit 70 bis 80 Millionen Euro beziffert. Weiters wird in Kaprun der Bau eines großen Pumpkraftwerkes (Limberg II) mit einer Leistung von 500 bis 600 MW untersucht. Aufgrund verbesserter Technologie kann das Kraftwerke im Berg gebaut werden, ohne Veränderungen in der Natur. Das Investitionsvolumen wird auf 320 bis 350 Millionen Euro geschätzt.
Sorgenkind Netzausbau
Mehr Sorgen als der Kraftwerkspark bereitet den Stromgesellschaften der Netzausbau, insbesondere die Lücke in der 380-KV-Leitung in die Steiermark. Sollte diese Verbindung nicht gebaut werden dürfen, könnte angesichts der großen Zuwachsraten in den nächsten Jahren durchaus das Licht ausgehen, warnt Haider, gestützt auf ein Gutachten des Energieexperten Günther Brauner von der TU Wien. Um eine Genehmigung für den Lückenschluss bemüht sich der Verbund bereits seit 20 Jahren.
Die Störanfälligkeit des Übertragungsnetzsystems wird in der nächsten Zeit extrem zunehmen, warnte Brauner. "Mit den Problemen im Übertragungsnetz mit teils sehr negativen Auswirkungen werden wir bis 2008/09 leben müssen", meinte Energie-Control-Geschäftsführer Walter Boltz.
Haider will "mit allen Mitteln verhindern, dass die Steiermark ein 'Black Forest Austria' wird, aber das wird vielleicht nicht möglich sein". Haider verlangt, dass der Verbund in Sachen Stromleitungen ebensolche "Zwangsrechte" gemäß Umweltrecht zugesprochen bekommt, wie sie auch die Bahn und die Asfinag haben, "denn sonst ist es mit der Umweltverträglichkeitsprüfung womöglich nicht aus".
Sollten sich Stromausfälle häufen, werde es zu Schadenersatzklagen kommen, befürchtet der Verbund-Chef. In dem Zusammenhang erinnert Haider an einen nur acht Minuten lang dauernden Stromausfall, der beim Papierhersteller Sappi in der Steiermark einen 12-stündigen Stillstand der Papiermaschinen nach sich zog. Die TU bezifferte die Kosten für eine Stunde Black-Out in Ostösterreich mit 40 Millionen Euro. Die USA hat der große Stromausfall im vergangenen Jahr fünf Milliarden Euro gekostet:
ÖSL oder nicht ÖSL
Weil die Sache bis hierher so einfach ist, sind die Versorger mit ihren Preisanhebungen jetzt auch wieder in Sachen Struktur unter Beschuss gekommen. Vor zwei Jahren hat die österreichische Politik die sogenannte ÖSL, die Österreichische Stromlösung, aus der Taufe gehoben. Diese läuft auf einen gemeinsamen Vertrieb der Großen in Ostösterreich hinaus, der dem ausländischen Wettbewerb das Engagement in Österreich vermiesen soll. Die EU hat dieser von Kritikern als neuerliches Kartell angesehenen Lösung zugestimmt, weil die Österreicher im europäischen Konzert auch zusammengeschlossen nur ein kleines Licht sind. Jetzt steht auf Initiative von Wirtschaftsminister Bartenstein der Vorwurf unerlaubter Preisabsprechen zur Prüfung durch die Wettbewerbsbehörde an. Dazu der Chef des Salzburger Landesversorgers, Arno Gasteiger: "Ich kann mich nur wundern. Es war doch allen Beteiligten von vorneherein klar, welche Konsequenzen die Österreichische Stromlösung haben wird".(10/04)
Die OMV AG hat in diesem bereich immer eine Vorreiterposition eingenommen. 1968 haben die Österreicher als erstes westliche Unternehmen einen langfristigen Vertrag für Gaslieferungen aus der damaligen UdSSR abgeschlossen. Erst vor wenigen Wochen unterzeichneten OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer und der Generaldirektor der russischen Gazexport, Alexander Medwedev die Ausweitung und Modernisierung dieser Verträge. Gazexport ist der größte Erdgasexporteur der Welt und Tochter der Gazprom.
Die neuen Verträge sehen eine schrittweise Ausweitung des Lieferumfanges von 5,5 auf 6,5 Milliarden Kubikmeter pro Jahr vor. Die Indexierung richtet sich künftig nach den Ölprodukten in Rotterdam. Gleichzeitig fällt die Destinationsklausel weg, so dass die OMV das Gas auch außerhalb Österreichs verwerten kann. Die Verträge laufen bis 2012 und sollen wir bisher sukzessive verlängert werden.
Der Erdgashandel der OMV ist seit Ende 2002 in die EconGas GmbH. Ausgelagert. Kerngeschäft der EconGas ist Erdgas-Direktvertrieb an Kunden mit einem Jahresverbrauch von mindestens 500.000 Kubikmeter in Österreich und in Europa. Die OMV ist ist mit 50 Prozent beteiligt. Die anderen Gesellschafter sind Begas, EVN, Linz AG, OÖ Ferngas und Wien Energie.
Die OMV verfügt zusammen mit ihrer Tochter OMV Gas über ein insgesamt 2000 Kilometer langes Erdgasnetz in Österreich. OMV Gas und EconGas verkaufen zusammen 8,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr.
E-Control
Energie Verwertungs Agentur
EVN
IHS
OECD
OMV
Neue Zürcher Zeitung
Internationale Energieagentur
Verbund
Vista Verde
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