24.10.2002
Wolford, Neckermann und die Zementindustrie
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Rechtzeitig auch in Bosnien zu sein, ist wie überall das Gebot der Stunde.
Als Bosniens Premier- und Außenminister Zlatko Lagumdzija zum Jahresende nach Wien kam, streute ihm der Handelsdelegierte in Sarajevo, Michael Scherz, Rosen. "Nach der Übernahme der Regierungsverantwortung durch Reform orientierte, nichtnationalistische Regierungen auf Gesamtstaatsebene gewinnen die Kräfte des Wechsels und der Reformen die Oberhand, der Reformprozess ist als unumkehrbar zu betrachten", so Scherz. 100 Millionen Euro waren bis dahin aus Österreich investiert worden, vor allem von den Banken, die versuchen, mit Leasinggeschäften zu verdienen.
Konvertibilna Marka ernst genommen
Die ziemlich unabhängige bosnische Zentralbank schafft eine maßvolle Inflation (1 Prozent) und damit eine stabile Landeswährung, die an den Euro, früher an die D-Mark 1:1 gebundene Konvertibilna Marka und damit "den fortgeschrittensten Finanzsektor in allen Nachfolgestaaten Ex-Jugoslawiens".
Österreichs produzierender Sektor investiert in die Säge- und Zementindustrie. Im vorigen Herbst nahm Neckermann BiH als Tochter der Neckermann Österreich AG ihre Tätigkeit im Versandhandel auf. Im Oktober eröffnete SCO Studen - einer der größten Exporteure von Zucker und Speiseöl nach Bosnien-Herzegowina - sein neues Geschäftszentrum in Gradacac im Kanton Tuzla. Palmers-Geschäfte gibt es in Sarajevo und Banja Luka, in der Fußgängerzone von Sarajevo eine elegante Wolford-Boutique. Rund 70 österreichische Unternehmen unterhalten Vertriebsniederlassungen. Das Interesse konzentriert sich auf die holzverarbeitende Industrie und die Sägewerke, die Bau- und Baustoffindustrie, Nahrungsmittel- und Getränkeerzeugung, biologische Landwirtschaft, Infrastruktur, Maschinen-, Metall- und Stahlbau, Versicherungen, Telekommunikation, Raffinerien. Behindert werden die Bemühungen durch für Transitionsländer
typische Probleme: Wenig Rechtssicherheit, viel Bürokratie und viel Korruption.
Bosnien-Herzegowina schloss schon länger ein Freihandelsabkommen mit Kroatien ab, ein ähnliches mit Slowenien trat am 1. Jänner 2002 in Kraft, Mitte 2002 kommt ein weiteres mit Serbien und Montenegro dazu. In allen Fällen ist die sofortige Zollfreiheit von Waren mit bosnisch-herzegowinischem Ursprung und ein stufenweiser Abbau über mehrere Jahre in der jeweils anderen Relation vorgesehen.
Die Außenhandelsstelle Sarajevo (sarajevo@wko.at) bietet ein Informations- und Leistungspaket zu den Themenkreisen Privatisierung und Direktinvestitionen an, veranstaltete im April eine Wirtschaftsmission nach Sarajevo, Vitez und Mostar, plant für Juni eine Gruppenausstellung bei der Bau- und Wiederaufbaumesse in Sarajevo und im Herbst eine Wirtschaftsmission nach Banja Luka und Bihac.
1 Million Euro zur Verfügung, mit der Verwaltung ist die Wirtschaftskammer beauftragt. Was mit dem Geld bisher geschah:
Energie
Rahmenverträge mit der jugoslawischen Dachgesellschaft für das Energiewesen, EPS, sehen die Lieferungen von Ersatzteilen für die
jugoslawische Energie-Infrastruktur vor. Die jugoslawischen Projekte und die österreichischen Angebote begutachtet die Wien-Strom.
Pharma
Abgeschlossen ist die Lieferung steriler Abfüllanlagen. Begutachter war die Zertifizierungs- und BegutachtungsgesmbH (ÖQS).
Ziel der Aktionsprogramme ist neben rascher und effizienter Soforthilfe eine "gewisse Türöffnerfunktion für österreichische Unternehmen".
Montenegro, Kosovo
Die Situation bleibt instabil. Für eine Zusammenarbeit wurden Bereiche ausgewählt, wo Österreich über besonders viel Know-how und Erfahrung verfügt: Umwelt mit dem Schwerpunkt Wasser/Abwasser, Höhere
Bildung, KMU-Förderung. Größtes Projekt ist die Fertigstellung des vor 20 Jahren begonnenen Abwassersystems in der Gemeinde Kotor.
Die Befreiung der Bucht von Abwässern kostet 12,8 Millionen Schilling. Im Kosovo konzentriert sich ein Wasser-/Abwasser- und Bildungsprogramm auf die Region Suva Reka bei Synergien mit den dort anwesenden österreichischen KFOR-Truppen.
Serbien
Geografisch konzentriert sich das Programm auf die Vojvodina
(multiethnische Region, Flüchtlingsproblematik, Grenze zu Kroatien). Dazu werden Projekte in Belgrad (Sitz der zentralen Institutionen)
und Südserbien/Presevo (politische Krisenregion) gefördert. In Belgrad wird ein Betreuungszentrum für Opfer von Menschenhandel finanziert. Serbische Beamte werden an der Diplomatischen Akademie in Wien ausgebildet.
Nach einer Umfrage über das Gehaltsniveau bei ausländischen
Firmen in Serbien liegen die monatlichen Nettogehälter für
Geschäftsführer zwischen 1750 und 3060 Euro.
Weitere Benefits sind meistens ein Dienstauto auch zur privaten
Nutzung, eine private Lebens- und Krankenversicherung sowie
ein 13. Gehalt.
Sales Manager kriegen zwischen 560 und 1530 Euro.
Für die anderen Angestellten werden zwölfmal im Jahr zwischen
205 und 360 Euro bezahlt.
Die Kündigungsfristen bei ausländischen Firmen in Serbien liegen
zwischen fünf und 45 Tagen.
Länderreferent Konstantin Bekos
T 501 05 - 4326
Handelsdelegierte:
Laibach: Georg Krauchenberg
T (003 86) 142 522 54
Zagreb: Peter Hasslacher
T (003 81) 113 015 850
(zuständig auch für Mazedonien)
Sarajevo: Michael Scherz
T (003 87) 332 678 40

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