17.12.2002
Nur gefahren wird noch selbst
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Vor 5 Jahren gab es in Österreich vielleicht zwei Unternehmen, die Fuhrparkmanagement professionell anboten, heute teilen sich 13 spezialisierte Firmen den mittlerweile stark gewachsenen Kuchen. Für Klein- und Mittelbetriebe ab 5 Fahrzeugen heißt die Devise mehr denn je: Outsourcing.
Der Trend ist nicht neu, wird aber immer stärker. Der kostenintensive und oft mit überraschenden Problemen verbundene Fuhrpark lenkt KMU im Alltag über Gebühr von ihrem Kerngeschäft ab. Klein- und Mittelbetriebe trifft das oft härter als Großunternehmen und Multis, die eher noch personelle und automobile Kapazitäten in Reserve haben.
Für immer mehr Firmen lautet die Lösung also "Outsourcing", die Abgabe des Fuhrparkgeschäfts an ein professionelles Fuhrparkunternehmen. "Wir verzeichnen einen eindeutigen Tendenz zur Auslagerung," stellt Manfred Oschounig, Marketingleiter der BACA-Leasing fest. Als Profi habe man die entsprechenden Instrumente zur Hand um genaue Analysen fahren zu können und mittels maßgeschneiderter Module auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden eingehen zu können. An Paketen werden neben Gesamtlösungen die Übernahme von Finanzierung und Logistik, Abwicklung von Service und Reparatur, Schadensmanagement oder ein Versicherungsmodul angeboten, nennt Oschounig eine Reihe von Beispielen.
Klein- und Mittelbetriebe mit einem Fuhrpark von über 5 Autos - "darunter würde ich eher zu Leasinglösungen raten", so Oschounig - schätzen zudem das laufende Reporting, das eine permanente Kostenkontrolle im Monat ermöglicht. Der Kunde bekomme einmal im Monat eine Rechnung und wisse auf einen Blick, was ihn der Fuhrpark koste. Oschounig: "Diese Convenience schätzen die KMU, weil sie sich so auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können."
Andreas Krems von Leas Plan Österreich sieht in dieser Bequemlichkeit auch eine Gefahr: "Gerade KMU haben beim Outsourcing oft nur den Gedanken im Kopf, kurzfristig Kosten zu sparen. Sie bedenken nicht die langfristigen Qualitätsverbesserung und Effizienzsteigerung, für die man anfangs aber Zeit und Energie investieren muss."
Parallel zum Outsourcing-Trend aus bilanztechnischen Gründen beobachtet Krems auch eine gegensätzliche Tendenz, nämlich die zum "Insourcing". "Durch die mäßige konjunkturelle Lage werden bei vielen Firmen Kapazitäten frei. Die wenig ausgelasteten Angestellten sollen dann eben den Fuhrpark übernehmen." Für Krems im Sinn der Mitarbeiter zwar eine begrüßenswerte Lösung, langfristig aber wenig sinnvoll.
Anders als bei den KMU setzen die großen Unternehmen konsequent auf die Auslagerung des Fuhrparks. "Das beobachten wir auch in Österreich, wo es in dieser Hinsicht noch viel Aufholbedarf gegenüber vergleichbaren Ländern wie Belgien und den Niederlanden gibt", so Krems.
Im laufenden Jahr wird es mit dem Anschluss an die internationalen Benchmarks aber nicht klappen. "Wir rechnen mit einem gebremsten Fuhrparkgeschäft im laufenden Jahr", so Krems. Das liege einerseits an der wirtschaftlichen Situation, dem erwähnten Insourcing und der Zunahme der Konkurse. Andererseits wirke sich auch die unterschiedliche österreichische bzw. EU- Rechtsauslegung in Sachen Steuern negativ aufs Geschäft aus. Ein Faktor, der vor allem große Anbieter wie die Leas plan treffe (Laut Krems halten Leas Plan und Porsche Bank gemeinsam 70% des Marktes, der Rest verteilt sich auf die anderen 11-13 Anbieter) "Wir haben dadurch heuer unseren größten Kunden verloren", bedauert Krems. Irgendwann werde es wohl zu einer Harmonisierung komme, das werde aber dauern.
Eine Mittlerfunktion zwischen Fuhrparkmanagment-Unternehmen und Firmen will die best4fleet Fleetconsulting GmbH übernehmen. "Wir beraten Firmen nicht nur, indem wir die Angebote verständlich und miteinander vergleichbar aufbereiten", erklärt Henning Heise, Fuhrparkberater und Geschäftsführender Gesellschafter von best4fleet. "Mit unserem neuen Dienstleistungsprodukt "fleetcare" unterstützen wir den Kunden auch bei der operativen Abwicklung der Fuhrparkangelegenheiten." Die Schwierigkeit für viele Firmen sei, bei dem vielfältigen Angebot und oft gleichen Produktnamen Inhalte und Preise herauszufiltern.
Auch aus Sicht der Fuhrparkmanager macht diese Funktion Sinn. "Die schätzen es, wenn sie auf Seiten der Firmen einen kompetenten Ansprechpartner haben", meint Heise. Beide Seiten profitieren von einer höheren Effizienz.
Von seinen Erfahrungen her, schätzt Heise die Kostenersparnis bei einem professionellen Fuhrparkmanagement zwischen 10 und 30% ein. Ein Potential, das von vielen österreichischen KMU noch nicht genützt werde. Denn von den mehr als 350.000 für ein Fuhrparkmanagement in Frage kommenden Fahrzeugen in Österreich werden nur 30-40.000 professionell verwaltet.
Seit Ende 2001 ist die BCA Autoauktionen in Österreich vertreten. BCA ist ein Marktplatz für Autoauktionen für Gebrauchtwagen-Einkäufer und -Verkäufer. Der internationale Auto-Auktions-Riese hat mit seinem Markteintritt in Österreich Neuland betreten. Auch wenn die - allerdings sehr hoch gesteckten - Volumina heuer noch nicht erreicht werden, dürfte sich das Konzept durchsetzen. BCA-Geschäftsführer Markus Auferbauer: "Wir haben pro Auktion rund 120 Händler und werden in diesem Jahr an die 3000 Fahrzeuge versteigern." Kaufen können nur Händler, verkaufen können alle - Betreiber von Flotten, Mietwagenunternehmen oder Fuhrparks gelten als Zielgruppe. "Die Firmen sollen sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, nicht um den Verkauf des Fuhrparks kümmern müssen", sagt Auferbauer, "bei uns spart der Fuhrparkbetreiber Aufwand und Arbeit." Und er kann auch mehr verdienen: An die 20 Prozent mehr seien laut Auferbauer bei der Versteigerung zu erzielen als bei der herkömmlichen Rückgabe an die Leasingfirma oder dem selbst durchgeführten Verkauf. Und relativ schnell scheint es auch abzugehen: Bei Fuhrparkfahrzeugen würden an die 50 Prozent gleich bei der Erstversteigerung an den Mann gebracht.
Die BCA wurde in England gegründet und beschäftigt derzeit rund 2000 Mitarbeiter, die mit dem Handling von mehr als 1,2 Millionen Fahrzeugen jährlich einen Umsatz von vier Milliarden Euro erzielen. In Österreich wurden mehr als fünf Millionen Euro investiert.

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