17.12.2002
Super-GAU in der EDV
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Wenn Daten aus der Betriebs-EDV verloren gehen, ist Feuer am Dach. Dennoch ist rechtzeitige Datensicherung nur in erschreckend wenig Unternehmen überhaupt ein Thema. Die Mehrheit lebt nach dem Motto "Zu wos brauch ma des" - bis es zu spät ist…
Peter Böhret, Chef des deutschen Datenrettungsunternehmens Ontrack, hat Zahlen zur Hand: "Eine englische Studie besagt, dass es in nur 25 Prozent aller Unternehmen Datensicherungskonzepte und -einrichtungen gibt und auch dort im Durchschnitt nur ein Viertel der elektronischen Firmendaten gesichert wird. Je kleiner die Betriebe sind, desto schlechter ist es um die Datensicherheit bestellt. Das ist ziemlich erschreckend, schließlich machen die elektronischen Daten heute bereits in den meisten Fällen die Firma aus. Darüber sollte man sich gerade im KMU-Bereich mal ernsthafte Gedanken machen."
Der Wiener EDV-Consulter Martin Akamphuber, Inhaber der Firma Accu, gibt Böhret recht: "Datensicherung ist vielfach - noch - überhaupt kein Thema. Selbst EDV-Händler weisen ihre Kunden oft nicht einmal auf die Bedeutung dieses Punktes hin. Gut, wenn einem zu Hause der Computer, auf dem hauptsächlich Spiele installiert sind, eingeht, weil etwa die Festplatte crasht, ist die Sache nicht so tragisch. Wenn aber ein Betrieb wichtige Daten verliert, die sich nur mühsam und mit großem Zeitaufwand oder gar nicht wiederherstellen lassen, kann das bis zur Insolvenz führen."
Kein Patentrezept
"Die" Datensicherung, die perfekt die Anforderungen der verschiedensten Betriebe erfüllt, gibt es freilich nicht. "Hier ist Individualität angesagt", betont Akamphuber. "Ein System, das etwa für die Firma A ideal ist, kann für die Firma B völlig ungeeignet sein. Man kann unmöglich sagen, jetzt kaufen wir das Gerät ABC - vielleicht, weil es gerade im Sonderangebot ist oder in der Werbung war - und das Programm XYZ und schauen, was sich damit anfangen lässt. Es kommt doch ganz darauf an, wie die jeweilige EDV aussieht, ob es sich nur um einen einzelnen PC oder um ein Netzwerk mit Server handelt, welche Art von Daten in welchem Umfang vorhanden ist usw. Erst anhand dieser Informationen lässt sich ein vernünftiges Datensicherungskonzept erstellen."
Konzept ist für Akamphuber das Stichwort schlechthin: Ohne Konzept könne es keine Hard- und Software-Entscheidung geben - und das Konzept gehöre von Fachleuten erstellt. "Wir sehen bei Kunden immer wieder völlig haarsträubende EDV- Lösungen. Auf die Frage, warum denn das so gemacht worden sei, heißt es dann, man hätte sich Rat bei Bekannten geholt, die schon ein bisserl mit Computern gearbeitet haben, oder sich aus Prospekten informiert…"
Kosten soll's halt nichts
Neben dem kaum vorhandenen Problembewusstsein spielt natürlich auch bei der Datensicherung der Kostenfaktor eine Rolle. Da hat man sich eventuell gerade eine neue Computeranlage zugelegt und soll jetzt noch einen Haufen Euro für ein Backup-System auf den Tisch blättern? Also nein, wirklich nicht. "Ja, da wird lieber ein neuer Firmenwagen gekauft", meint Peter Böhret, "bevor man in so etwas ,Unnötiges' wie Datensicherheit investiert. Wer so denkt, ist unser potenzieller Kunde, dem wir dann seine Daten wiederherstellen dürfen. Sicher, wir haben eine sehr hohe Erfolgsrate, aber Datenrettung ist sehr aufwändig und hat einen entsprechenden Preis. Rechtzeitig Datensicherung zu betreiben, kommt sicher billiger."
Wie viel Datensicherung kostet, lässt sich, siehe oben, auf Grund der höchst individuellen Anforderungen an Hard- und Software-Ausstattung nur durch Beispiele ausdrücken. "Nehmen wir eine Firma mit zehn Computerarbeitsplätzen und einem Server. Da kann man für rund 2.000 bis 3.000 Euro schon ein durchaus vernünftiges Backup-System bekommen", überschlägt Akamphuber.
Im laufenden Betrieb
Ist ein Datensicherungssystem erst einmal installiert, muss man sich auch darum kümmern. "Das heißt, es ist jemand zu bestimmen, der für regelmäßige Backups sorgt - am besten täglich, wöchentlich und monatlich -, die Backup-Medien, z. B. DAT-Bänder oder Wechselfestplatten, wechselt und kontrolliert, ob die Sicherung auch funktioniert. Wir hatten unlängst einen Fall, da hat sich der Systemadministrator einer gar nicht so kleinen Firma mit der Backup-Software nicht ausgekannt und einfach darauf vertraut, dass das Ding schon laufen würde. In Wahrheit wurde überhaupt nichts gesichert.
Als es dann tatsächlich einen Server-Crash gab und sich die Backup-Medien als leer
erwiesen, war das Chaos perfekt - und
der Systemadministrator hatte erheblichen Erklärungsbedarf."
Häufig wird auch darauf vergessen, dass bei Datenaufzeichnung immer Mechanik im Spiel ist. "Das heißt, die Medien werden abgenützt", sagt Peter Böhret, "und sollten regelmäßig gewechselt werden. Ich rate dringend dazu, Festplatten zirka alle drei Jahre zu tauschen. Das kostet kein Vermögen, zahlt sich aber wirklich aus."
Die elektronischen Daten machen heute schon mehrheitlich die Firma aus, dennoch wird gerade im KMU-Bereich das Problem Datenverlust oft völlig negiert, Umdenken ist hier angesagt. Eigenregie ist der falsche Weg - hier müssen EDV-Fachleute ran.
Ontrack Data Recovery GmbH
Hanns-Klemm-Straße 5
D-71034 Böblingen
T (00 49/70 31) 644-0
F (00 49/70 31) 644-100
e info@ontrack.de
www.ontrack.de
Gebührenfreie Datenrettungshotline
(00 800) 10 12 13 14
Accu M. Akamphuber
Lienfelder Gasse 48
1160 Wien
T (01) 484 15 15-0
F (01) 484 15 15-50
e office@accu.at
www.accu.at
Keine Daten gesichert - Pech gehabt. Erfahrungen eines Betroffenen.
Alois K. (Name geändert) hat einen sehr gut gehenden Großhandelsbetrieb in einem der westlichen Bundesländer: gut abgestimmtes Sortiment, großer Kundenstamm, sieben tüchtige Mitarbeiter, eine, wie er meinte, perfekte EDV. Perfekt? Na ja, Datensicherung gab es natürlich keine. K. wusste mit dem Begriff zugegebenermaßen auch nichts anzufangen: "Ich muss eh jede Datei sichern, bevor ich den Computer abschalte…"
Dann, im heurigen Frühsommer, passierte es. Die Festplatte des PC,
der als Server diente (Anmerkung: eine normale Workstation als Server einzusetzen, ist aus EDV-Sicht eine Todsünde), crashte, und zwar so gründlich, dass fast keine Daten mehr zu retten waren. Schlimm für den Firmenchef, dass ausgerechnet die Kundendatenbank samt Bestellliste, Lagerverwaltung und wichtigen Buchhaltungsinformationen nur auf dem Server gespeichert waren und keinerlei Sicherungskopien existierten. "Wir hatten nur noch die ausgedruckten Unterlagen - und wer druckt heute schon alles aus", ärgert sich K. "Über die Sommermonate saßen bei mir vier Studenten und tippten wenigstens das Vorhandene wieder ein. Das war kein ganz billiger Spaß. Einige Kunden sind uns auch abgesprungen, was ich sogar verstehe. Mit jemandem, dessen Mitarbeiter anrufen und verzagt fragen, was denn eigentlich bestellt worden sei, mache ich auch keine Geschäfte mehr."
Nie wieder werde er ohne Backup arbeiten, schwört Alois K, ein entsprechendes System sei bereits augearbeitet und werde gerade installiert: "Dass ich so etwas brauche, hat mir vorher aber auch niemand gesagt. Woher sollte ich es auch wissen? Ich bin Kaufmann, kein Computer-Spezialist."

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