11.10.2002
Weder Koma noch Euphorie
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Ifabo 2002: Kapazunder wie Microsoft kehren zurück, andere wie UTA meiden die IT-Messe. Dennoch werden 200 Aussteller und 30.000 Besucher erwartet.
von HARALD HORNACEK
Österreich wird zur Nichtraunzerzone erklärt. Die Mutmach-Kampagne aus dem Hause Demner, Merlicek & Bergmann soll aufzeigen, dass es um die Wirtschaftslage in Österreich gar nicht so schlecht bestellt ist, wie alle tun. "Es herrscht Normalisierung bis zarte Aufbruchstimmung. Ohne die wöchentlichen Horrormeldungen aus der internationalen Wirtschaft wäre das auch schon viel deutlicher zu merken", ist Christine Hofmann von Datasystems fast ein wenig verägert. Was nichts daran ändert, dass - obwohl gar nicht wenige Unternehmen Umsatzzuwächse verzeichnen können - die Stimmung in der IT-Branche "gedämpft ist", wie Multidata-Chef Elgar Zeisel formuliert: "Wir hoffen auf ein gutes Jahresende, allerdings ohne gute Gründe." Max Höfferer von Beko relativiert diese Sicht: "Der IT-Markt liegt weder im Koma, noch ist von Euphorie zu sprechen." Höfferer geht wie die meisten seiner Branchenkollegen davon aus, dass die leicht flaue Marktlage noch bis Ende 2003 andauert: "Das Wachstum wird sich im unteren einstelligen Bereich bewegen." Eine Ansicht, die Heike Trapichler, Marketingchefin beim Consulter Delphi, teilt - zumal ihr Unternehmen "weiterhin leichte Umsatzzuwächse verspürt." Zupass kommen ihr gerade die Sparmaßnahmen in vielen Unternehmen: "Die Firmen halten ihren laufenden Betrieb mit externen Dienstleistern aufrecht und ziehen uns auch für das Projektgeschäft als externen Berater und Umsetzungspartner hinzu."
Also lautet die Devise: Raus aus der Krise durch neue Dienstleistungen. Kostenmanagement, dyamische Produktentwicklung, Re-Organisation und das Suchen nach neuen Markt- und Umsatzchancen sind die Parameter der IT-Zukunftsorientierung. "Da man in der derzeitigen Situation keine eindeutigen Trends erkennen kann, muss man solide aufgestellt sein, um den Herausforderungen der nächsten Monate gewachsen zu sein", zeigt Lukas Keller von Adobe einen Weg, der für so manches IT-Unternehmen eine bislang vielleicht nicht so notwendige Flexibilität bedeutet.
Zukunftsmarkt Klein- und Mittelbetriebe
Wie immer gibt es Zukunftsmärkte. Wer jetzt investiert? Der Mittelstand. "Kleine und mittlere Unternehmen sehen sich steigenden Anforderungen gegenüber, das treibt auch weiterhin den Bedarf an ERP-Lösungen. Die Investitionsfreudigkeit wird in den nächsten zwölf Monaten wieder wachsen", ist Markus Breyer, Marketingchef von Microsoft Business Solutions (Ex-Navision), überzeugt. Doch die Firmen agieren vorsichtiger: "Ein wesentliches Entscheidungsmerkmal wird die Sicherheit der Investition und die Weiterentwicklung der Software sein. Die Kunden fragen sich: Ist der Anbieter auch in fünf bis zehn Jahren noch in der Lage, Service und Updates zu bieten?" Da kann zumindest Breyer beruhigt sein: Nachdem Navision Anfang Juli von Microsoft erworben wurde, dürfte die Zukunft seines Unternehmens auf ziemlich soliden Beinen stehen.
Der Silberstreif am Horizont: Das IT-Marktforschungsinstitut IDC prognostiziert in seiner jüngsten Studie für Österreich ein Wachstum der IT-Ausgaben von sieben Prozent - der große Markt liegt im KMU-Bereich. "Kleine Unternehmen haben dieselben Bedürfnisse wie Großunternehmen. Und IT ist - wenn sie professionell eingesetzt wird - jener Faktor, mit dem Unternehmen die Effizienz und die Produktivität am meisten steigern können", betont Microsoft-Sprecher Herbert Koczera. Daher setzt nicht nur Microsoft auf Gesamtlösungen (Stichwort: .NET), sondern mittlerweile die gesamte Branche. Mit maßgeschneiderten Solutions lassen sich schöne Zuwächse erzielen: Für das Restjahr 2002 und das erste Halbjahr 2003 sieht der Vorstandsvorsitzende von Herold, Jon M. Martinsen, Verbesserungen im Vergleich zu 2001: "Ich rechne mit einer positiven Entwicklung, verbesserten Marktbedingungen und gesundem Wachstum. 2003 wird den wirklichen Turnaround bringen." Also eigentlich alles halb so wild, oder?
Telcos unter Druck
Nicht ganz, denn die Wachstumstreiber der letzten Jahre, die Telekommunikationsunternehmen, haben sich mit UMTS offenbar heftig verhoben. Das Großreinemachen hat begonnen, Strategien werden überdacht: Vodafone verschiebt den UMTS-Start, Quam verschwindet aus dem deutschen Markt, die Deutsche Telekom kappt ihre Werbeetats um ein Drittel. In Österreich hat sich mit CyberTron einer der größeren Brocken bereits vom Markt verabschiedet, European Telecom ging in e-tel auf. "Die Stimmung ist so unterschiedlich wie die Mitbewerber und ihre Strategien", meint UTA-Sprecher Martin Halama kryptisch.
Er rechnet damit - angesichts der Eigentümerstruktur und deren Reserven wahrscheinlich nicht zu unrecht -, dass die UTA im künftigen Marktumfeld "als Gewinner aus der Konsolidierung hervorgeht." Positive Erwartungen hegt auch die mobilkom austria. Kein Wunder, denn die Kosten für die UMTS-Lizenz hat sie quasi aus der Portokasse bezahlt. "Unternehmen wie wir, die angemessene Preise für gesunde Beteiligungen bezahlt haben und dank eines gesunden Kundenstockes ihre GSM-Investitionen bereits verdient haben, haben weiterhin die nötige Kraft, um Innovationen des Sektors mitzumachen oder sogar zu bestimmen", so Sprecherin Uschi Novotny. "The future is wireless" - davon ist nicht nur mobilkom überzeugt.
Hosting und mobile Büros
Für die Zielgruppe kleine und mittelständische Unternehmen steht das Schlagwort "Outsourcing" im Vordergrund. Dabei zählen Sicherheit und Kostentransparenz. Die UTA etwa hat für KMU eine eigene Hosting- bzw. Housing-Lösung in petto. In deren Rahmen werden unternehmenskritische Daten, Applikationen und Websites von Kunden in Hochsicherheits-Internetzentren ausgelagert.
Firewalls und Virenschutz inklusive Management und laufende Aktualisierung verhindern unbefugte Zugriffe, Datendiebstahl und Hacker-Angriffe.
SAP präsentiert auf der Ifabo die österreichische Version von SAP Business One, die gegen Ende des Jahres erhältlich sein soll. Kern des Pakets ist eine speziell auf die Bedürfnisse von KMU zugeschnittene betriebswirtschaftliche Software. Sie eignet sich besonders für Handels- und Dienstleistungsunternehmen, die keine speziellen, branchenspezifischen Anforderungen an ihre Software haben.
Delphi offeriert seit wenigen Wochen als offizieller Partner in Österreich ProClarity - ein Berichts- und Analysewerkzeug für KMU, das ihnen auch ein eigenes Data Warehouse ermöglicht.
Microsoft baut auf für exakt definierte Zielgruppen maßgeschneiderte Angebote, etwa der SBS 2000 Server (für Firmen mit bis 50 PC's) oder eine CRM-Lösung für 25 bis 500 User im Unternehmen.
Die Handy-Provider haben sich eine Menge Pakete ausgedacht, um das mobile Büro Realität werden zu lassen. Die mobilkom hat den A1 Organizer im Programm, mit dessen Hilfe man via Handy auf E-Mails zugreifen kann. Noch dabei: Kalenderfunktionalität und "Mobile Files". Mit ihnen hat ein Außendienstmitarbeiter quasi einen "Aktenkoffer im Internet" mit bis zu 10 MB und kann mobil auf zentral gelegene Dateien zugreifen (ohne eigene Intraneteinwahl-Infrastruktur).
Dateien richtig verwalten
Einen weiteren Ifabo-Schwerpunkt bildet die Dokumentenverwaltung. Christine Hofmann von Datasystems: "Dokumentenmanagement legt immer stärker an Bedeutung zu - das erzielbare Rationalisierungspotenzial wird zunehmend erkannt." Sie bietet dem Mittelstand Outsourcing vom Helpdesk bis zum kompletten Systemmanagement an.
Mit dem Adobe Acrobat 5.0 wiederum können Unternehmen Dokumente sicher per E-Mail oder im Unternehmensnetz weiterleiten, sie gegen unbefugten Zugriff sichern, digital unterschreiben und (kostengünstig) katalogisieren und archivieren.
Von Microsoft Business Solutions kommt neue ERP-Software für den Mittelstand, die Produktlinien Microsoft Navision Attain und Microsoft Navision Axapta.
Gespräche führen können ifabo-Fachbesucher übrigens nicht nur mit menschlichen Partnern: ACP zeigt ihre neuen "Avatare" - animierte Gesprächspartner im Internet, die Fragen beantworten.
Fast gleich bedeutend ist der Bereich Speichern (Storage). In den kommenden drei Jahren allein, so eine Studie der Berkeley Universtität mit Marktführer EMC, werden weltweit mehr Daten erzeugt als in den letzten 300.000 Jahren. Das Gesamtvolumen aller verfügbaren Informationen umfasst gegenwärtig 12 Millionen Terabyte, wobei ein Terabyte ungefähr einer Million Bücher entspricht. In den nächsten Jahren soll sich das Volumen der jährlich generierten Informationen jeweils verdoppeln. Da 93 Prozent des jährlichen Datenvolumens in digitaler Form abgelegt werden, sind neue Speichermedien notwendig, auf die man auch immer schneller und sicher zugreifen will.
Diese Informationsflut scheint die Beschäftigten zu überfordern: Laut einer Studie der Gartner Group glauben 90 Prozent der Unternehmen, dass sie unter einem Überfluss an Informationen leiden und dass darunter ihre Wettbewerbsfähigkeit leidet. Gartner rechnet damit, dass die Unternehmen 2003 rund 30 Milliarden Dollar für Informations-Management-Systeme ausgeben werden, um die Datenmengen in den Griff zu bekommen.
In Deutschland wittert die IT-Branche Morgenluft: Das Wachstum für Software Services im Bereich Supply Chain Management und Supplier Relationship Management bleibt heuer trotz der angespannten Marktlage nur knapp unter 20 Prozent. Und die Firmenkäufe und -verkäufe im Sektor ziehen auch wieder an. Viele Käufer nützen die moderaten Preise für strategische Investitionen. In Zahlen: Im ersten Quartal 2002 wechselten gerade 8 deutsche IT-Unternehmen den Eigentümer, im zweiten Quartal waren es 26.

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