11.10.2002
Antel tischt auf
Der große alte Herr des österreichischen Films serviert Details zu seiner Zweit- und Drittkarrieren als Koch und Fußballer.
von MARIE-THERESE GUDENUS
Ob man nun zu denen gehört, die Franz Antels Heimatfilme lieben, oder zu jenen, die sie belächeln - fest steht, dass der gebürtige Wiener in die Reihe der großen österreichischen Filmregisseure einzuordnen ist: Diesem Mann verdanken wir unbestrittene cinematografische Meisterwerke wie "Hallo Dienstmann" mit Hans Moser und Paul Hörbiger oder die drei Teile von "Der Bockerer" mit Karl Merkatz, die "Francois Legrand" auch internationales Ansehen brachten. Darüber hinaus beeindruckt die Menge seines künstlerischen Schaffens: Seit 1933 drehte der heute 89-Jährige als Regisseur, Produzent und/oder Drehbuchautor mehr als 90 Filme, zuletzt 1999 "Der Bockerer III" - und denkt noch lange nicht ans Aufhören.
Wer nun meint, damit wären die Tage des Beamtensohnes Franz (Josef) Antel hinreichend ausgefüllt, irrt. Neben seinen filmischen Aktivitäten findet der vielseitig Kreative Zeit für Beschäftigungen, die als Hobby zu bezeichnen eine unzulässige Abwertung bedeuten würde: "Ich bin sicherlich der einzige Filmregisseur der Welt, der Tantiemen für sein Krautfleischrezept bekommt", lacht der begeisterte Koch, dessen kulinarische Karriere bereits bei den Pfadfindern begann. "Später, in München, hatte ich eine Haushälterin, die so schlecht gekocht hat, dass ich meine Mutter in Wien um ihre Rezepte fragte und selbst in der Küche zu experimentieren anfing."
Francois Legrands Krautfleisch
Obwohl Antel "ungefähr 200 Kochbücher aus aller Welt" besitzt, weil "mich interessiert, was man zum Beispiel in Malaysia mit Kalbfleisch macht", bevorzugt er selbst "normale" Wiener Küche, darunter das berühmt gewordene Szegediner Krautfleisch. "Ich mach' ja im Frühjahr immer Parties für 150 bis 200 Leute, für die ich dann auch selbst koche. Um mir die Arbeit zu erleichtern, hat meine Frau einmal vorgeschlagen, das Krautfleisch, das man ohnehin nicht nur für zwei Personen macht, vorzukochen und in Konserven zu lagern. Also hab' ich mit der Firma Inzersdorfer Kontakt aufgenommen - und die waren so angetan davon, dass sie es seither verkaufen." Und ihm dafür, wie gesagt, Tantiemen zahlen: "Bei der ersten Abrechnung nach einem Vierteljahr hab' ich gedacht, was kann das schon groß sein? Ein paar Tausend Schilling vielleicht - und dann waren es 171.000!"
Die Bestätigung seiner Kochkunst durch wildfremde Konsumenten freut Antel sichtlich - und nicht weniger als die Erfolge seiner Filme. "Ich esse das Krautfleisch aus der Dose ja auch selbst", erklärt der Feinschmecker, "und mein Rezept ist nur einmal ein bisschen verändert worden, weil ich es für den durchschnittlichen Geschmack zu scharf mag."
Zum Beweis bittet uns der Professor in die geräumige Küche seiner Villa im 19. Wiener Gemeindebezirk, bindet sich eine Schürze um und holt eine Dose Krautfleisch aus dem Schrank. "Da mischen wir jetzt Sauerrahm dazu, das mildert ein bisschen die Schärfe, die ich wiederum durch ungarischen Paprika aus der Tube erzeuge", verrät der Meister seine Verfeinerungstipps, "dann schneide ich noch eine ganz ordinäre Klobasse hinein - und fertig!"
Wie die meisten Profi-Köche schwört auch Franz Antel auf Gasherd und Edelstahlgeschirr, es darf aber auch das alte Email-Nirscherl sein; nur mit Teflon und ähnlichem modernen Zeug kann er sich wenig anfreunden. "Umrühren, umrühren, umrühren - dann brennt auch bei meinen Töpfen nix an." Überhaupt seien seine Lieblingsgerichte nichts für Ungeduldige: "Mein Krautfleisch koche ich am ersten Tag, dann wärme ich's am zweiten Tag auf, dann kann man's schon essen, aber eigentlich ist es am dritten Tag aufgewärmt am besten."
Damit sich diese Arbeit auch lohnt, kocht Antel nie für weniger als zehn Personen. "Man kann Schnitzel für Zwei machen, aber nicht Gulyas", ist der jung gebliebene Allrounder überzeugt. "Ich hab' hier Teller und Besteck für 100 Personen, und wenn wirklich einmal etwas überbleibt, dann friere ich es einfach ein." Aber das komme praktisch nicht vor. Bei der Premierenfeier vom "Bockerer III" seien 200 Portionen Krautfleisch ratzeputz vertilgt worden - "eigentlich war es sogar zu wenig", erinnert sich Antel lächelnd an den doppelten Erfolg des Abends. Es gab allerdings auch andere Erfahrungen: "Einmal hab' ich in Italien für Tony Curtis und Marisa Berenson gekocht, aber denen hat's gar nicht geschmeckt." Im Gegensatz zu Curd Jürgens, der so begeistert vom Antel'schen Krautfleisch war, dass er unbedingt die Köchin kennen lernen wollte.
Eingebrannt contra al dente
Apropos Köchin: Was sagt denn Sybille, Antels dritte Ehefrau nach den Schauspielerinnen Maria Andergast und Hannelore Ballmann, dazu, dass die Küche nicht ihr Revier ist? "Wir hatten lange Zeit einen häuslichen Krieg, weil ich sie oft nicht kochen ließ", gibt der Patriarch zu. "Sie kocht zwar gut, aber ganz anders als ich. Wenn ich Fisolen mache, dann konservativ, mit Einbrenn. Ihre Fisolen sind roh. Oder ,al dente', wie man das jetzt nennt." Immerhin gesteht der Homme à femmes seiner Sybille zu, dass ihre Mohntorte "die beste von allen" sei.
Gutes Kochen fängt aber mit dem richtigen Einkauf an - "und der macht mir großen Spaß", erzählt Antel. Wenn er Zeit hat, fährt er gern zum Wiener Naschmarkt ("da begrüßen mich die Standler mit Namen") und bummelt durch die Reihen, um ganz frisches Kraut extra fein geschnitten zu bekommen. Auch beim Fleisch ist er wählerisch: "Ich nehme kein Karree, sondern eine durchzogene Schulter, die schmeckt viel besser, und statt Fett zum Anrösten nehme ich Speck, das gibt einen schönen, würzigen Geschmack." Aufgegossen wird das Krautfleisch übrigens mit trockenem Weißwein.
Meist führt Antels Weg aber einfach zum kleinen Markt am Sonnwendplatz, fünf Autominuten von seinem Haus entfernt. "Dort haben sie auch eine große Auswahl an frischem Obst und Gemüse, es gibt ein Geschäft für Geflügel, Eier und Wild, eine nette Bäckerei und noch viele andere. Und was ich dort nicht bekomme, kaufe ich beim Billa, ein Stückerl weiter vorn in der Obkirchergasse." Zum Beispiel die Krautfleischdosen oder die Sauce Hollandaise zum grünen Spargel, den er auf dem Markt erstanden hat. "Ich hab den grünen lieber, weil man den weniger putzen muss."
Überhaupt sei die Obkirchergasse quasi sein Stammrevier: "Obwohl ich mein Büro da drüben (Antel zeigt auf ein Haus schräg vis-Ã-vis vom Billa, Anm.) schon vor einigen Jahren aufgegeben habe, erledige ich immer noch fast alle meine Besorgungen in dieser Gegend. Ich bring' meine Sachen in diese Putzerei, kaufe meine Büroartikel beim Stöger um die Ecke, und hier (er deutet auf eine Eduscho-Filiale) war früher mein Lieblingsfleischhauer, den es leider nicht mehr gibt."
Umso präsenter ist Antels zweites Privatvergnügen: der Fußball. "Der FC Antel ist gerade als ältester Fußballclub der Welt ins Guiness Buch der Rekorde aufgenommen worden", berichtet der selbst noch aktive Spieler sichtlich stolz. Das Attribut "ältester Club" bezieht sich freilich nicht auf das Gründungsjahr 1952, sondern auf das Alter der Teammitglieder, zu denen auch Kickerlegenden wie Bimbo Binder zählten: "Zusammen ist die Mannschaft derzeit 1040 Jahre alt."
Denn trotz seiner Erfolge ist Franz Antel immer ein geselliger Mensch geblieben, der es genießt, mit Freunden zu spielen, zu essen und zu feiern. "Kollegen aus der Filmbranche sagen gern über mich: ,Seine Filme sind ja nicht so besonders, aber kochen kann er!' - während die Haubenköche, mit denen ich gekocht habe, umgekehrter Ansicht sind: ,Als Koch taugt der Antel zwar nicht viel, aber seine Filme sind großartig!' Daraus schließe ich, dass beides ganz in Ordnung ist."

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