11.10.2002
It's a rich man's world
von MAIKE SEIDENBERGER
2001 versammelten die 7,1 Millionen Vermögendsten der Welt (Messlatte: disponibles Vermögen von mindestens 1,13 Millionen Euro, ohne Grundbesitz), von US-Investmentbankern als High Net Worth Individuals bezeichnet, insgesamt - deklarierte - 29,35 Billionen Euro auf Wertpapierdepots und Konten, 3 Prozent mehr als im Jahr davor. Für diese Klasse ein mickriger Zuwachs. Trost für die "armen" Reichen: Bis 2006 sollen die Bestände im Schnitt jährlich wieder um 8 Prozent wachsen, so der "World Wealth Report 2002" von Cap Gemini Ernst & Young (CGEY) und Merrill Lynch.
Ein Drittel der Geldhorter findet sich in Europa (Assets 13,9 Billionen Euro), 40.000 von ihnen in Österreich. 29 Prozent leben in Nordamerika und verwalten 7,6 Billionen US-Dollar. Unterschiede gibt es in Background und Anlageverhalten der global agierenden Geldsäcke: Amerikaner sind jünger (55 bis 57), kapitalmarkt-orientiert, haben ihr Vermögen öfter selbst verdient (vorzugsweise im Finanz- oder Technologiesektor). Sie investieren lieber daheim und onshore, messen den Veranlagungserfolg an Index-Benchmarks. Europäer sind älter (59 bis 62), banken-orientiert, haben ihr Vermögen zu 37 Prozent geerbt, diversifizieren ihre Investments stärker regional und gehen gern offshore. Erfolge messen sie an Renditekennzahlen.
Langfristig werde sich, so CGEY Austria-Vize Wilhelm Doupnik, die Wertschöpfungskette der Vermögensbetreuung der Reichen amerikanisieren. Die traditionell stark integrierten europäischen Banken für vermögende Privatkunden haben es künftig schwerer, weil die Klientel eine größere Produktvielfalt und vor allem spezialisiertere Angebote wünscht. Die Veranlagungsstrategie wird also weniger auf Eigenprodukte der Banken abstellen. Die Betreuung wird ebenfalls arbeitsteiliger: Ein Relationship Manager hält den Kontakt zum teuren Kunden, Asset Manager von verschiedenen spezialisierten Anbietern verwalten Produkte, die von anderen Anbietern entwickelt wurden. Was nicht Kerngeschäft der Vermögensdienstleister ist (Onlinedienste, Abwicklung etc.), wird outgesourct.

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