13.12.2010
Traditionen brechen
Aber keine Angst, wir gehen nicht in Pension, ganz im Gegenteil, wir haben noch viel vor. Schließlich ist uns die Verantwortung, ein so traditionsreiches Medium zu gestalten, Auftrag, es permanent weiterzuentwickeln. Die schönste Tradition der Medienbranche ist es ja, ständig mit Traditionen zu brechen. Lesegewohnheiten, Sprache, Bilderwelten ändern sich ebenso rasch wie die technischen Mittel und Möglichkeiten, die Inhalte aufzubereiten und zu vertreiben. Hier steht Steve Jobs in einer Tradition mit Johannes Gutenberg.
Sie, werte Leserinnen und Leser, kennen das höchstwahrscheinlich aus Ihrer eigenen Branche, denn Innovation ist der Schmierstoff jeder Wirtschaft. Der Alte Chef übergibt an den Jungen, und der macht erstmal alles anders. Das ist gut so! Damit dringt er zum Kern vor, der in den meisten Fällen unverändert bleibt.
Am 30. September 1945 erschien die erste Ausgabe von „die Wirtschaft“ mit dem Titel „Für die Einheit der Wirtschaft – Wir tragen die Verantwortung“. Verfasser der Titelstory im Stil eines Aufrufs an die Wirtschaftstreibenden des Landes war Julius Raab. Der spätere Langzeitkanzler der Republik hatte bereits am 4. Juli 1945, zu einem Zeitpunkt als das Land noch in Trümmern lag, den Österreichischen Wirtschaftsverlag gegründet. Vor ziemlich genau zehn Jahren erfolgte mit dem Verkauf des dem ÖVP Wirtschaftbund gehörenden Verlages an den Süddeutschen Verlag der wohl größte Umbruch in der Unternehmensgeschichte. Für „die Wirtschaft“ als branchenunabhängiger Titel bedeutete diese „politisch gewollte Privatisierung“ (© Christoph Leitl am 1. Juli 2000) den Wandel von einer Art Parteiorgan zum erfolgreichen, unabhängigen Wirtschaftsmedium. Ein Traditionsbruch, der uns Zukunft gegeben hat.
Allen Leserinnen und Lesern, Partnern und Freunden wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches neues Jahr.
(Redaktion: Stefan Böck)

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