26.04.2005
Raiffeisen International: Investieren in den Osten pur
Mit der Raiffeisen International (RI) notiert die dritte Wiener Großbank an der Wiener Börse. Im Unterschied zu Beteiligungen an den Konkurrenten setzen die Anleger bei einem RI-Investment aber ausschließlich auf Osteuropa.
Von Eva Stanzl Adressat
Foto RZB
Mit einer Milliarde Euro Erlös ist der Börsegang der Raiffeisen International (RI) für Wiens Börse der größte seit Jahren. Für die Osteuropa-Tochter der Raiffeisen Zentralbank gab es im Verlauf der Zeichnungsfrist zehn Mal mehr Bestellungen als für die Telekom Austria im Jahr 2000. Seit Montag, 25. April, notieren 34,27 Millionen Aktien oder 24 Prozent der Anteile am Unternehmen im Streubesitz an der Wiener Börse. Der Ausgabekurs war 32,50 je Stück. Die Aktie wurde gleich nach Handelsstart in den Leitindex ATX und in den ATX Prime aufgenommen.
Schon im Vorfeld sahen die Analysten äußerst gute Chancen, dass die Platzierung Erfolg haben würde. Denn wer in die RI investiert, investiert in Osteuropa pur. Die Aktien der anderen beiden börsenotierten Großbanken - Bank Austria-Creditanstalt und Erste Bank - weisen aufgrund des Österreich-Geschäfts einen gewissen Stabilitätsfaktor auf. Bei den RI-Aktien rechnen internationale Investoren mit höheren Gewinnchancen. Denn die RI macht ausschließlich in Europas Wachstumsregion Geschäfte. Für Privatanleger liegt darin das größte Risiko. Denn die Raiffeisen ist in Regionen vorgedrungen, die nicht frei von politischen Risken sind - wie Russland oder die Ukraine. RI-Chef Herbert Stepic will mit der Kapitalerhöhung die Osteuropa-Expansion für die kommenden drei Jahre decken. Geprüft wird der Kauf der ukrainischen Aval Bank, das mit 19.000 Mitarbeitern und 3,5 Millionen Kunden zweitgrößte Kreditinstitut der Ukraine. Geschätzter Aval-Kaufpreis ist 450 Millionen Euro. Zudem ist Raiffeisen am Erwerb der rumänischen Sparkasse interessiert, eine der größten Privatkundenbanken des Landes. Ohne die Bankenzukäufe soll die Zahl der RI-Kunden bis 2007 von derzeit fünf Millionen auf 7,5 Millionen steigen.
Mehr als 500 Millionen Euro frisches Kapital
Der Börsegang erfolgte über eine Kapitalerhöhung und über den Verkauf von Anteilen aus den Beständen der Altaktionäre. Die Raiffeisen Landesbanken, die sechs Prozent an der RI gehalten hatten, stiegen zur Gänze aus. Ein Teil des Emissionserlöses geht nun an sie zurück. Der RI bleibt dennoch über eine halbe Milliarde Euro frisches Kapital, mit dem sie ihr rasantes Wachstum finanzieren kann. Die RI sei eine "Wachstumsaktie", sagt Stepic. Den Aktionären stellte er jedoch derzeit noch eine im internationalen Vergleich kleine Ausschüttungsquote von 15 bis 20 Prozent des Gewinns in Aussicht.
Den Risken steht neben der erwähnten Wachstumsperspektive die gute Geschäftsentwicklung in der Vergangenheit der Genossenschaftsbank gegenüber. Zwar bricht mit dem Börsegang eine neue Zeit unterm Giebelkreuz an, aber die Raiffeisen hält das Heft weiterhin fest in der Hand: Dass die Genossen ihr eigenes Geld aufs Spiel setzen, ist eher unwahrscheinlich. Das Risiko ist also begrenzt. 2004 erzielte die RI einen Vorsteuergewinn von 342 Millionen Euro. Dieser soll heuer auf 487 Millionen Euro steigen. Die Raiffeisen Zentralbank (RZB) ist mit 70 Prozent größter RI-Eigentümer. Dem Fachmagazin "Global Finance" zufolge zählen die RZB und ihre Netzwerkbanken in Zentral- und Osteuropa zu den besten Handels- und Exportfinanzierungsbanken weltweit.
(5/05)
Das Papier des Biotech-Unternehmens Intercell AG, das mit seinem IPO im Februar die laue Emissionsszene belebt hatte, büßte in den ersten Börsemonaten an Wert ein und grundelte Ende April unter dem Emissionskurs von 5,50 € herum. Die Erste Bank-Analysten gaben der Aktie aber wegen der Wachstumsperspektiven im April eine Kauf-Empfehlung und ein Kursziel von 7,20 €.
Die seit März 2004 in Wien notierte Brain Force Software AG konnte die Geschäftszahlen für 2004 nach oben korrigieren; für 2004 soll eine Dividende von 0,06 € je Aktien ausgeschüttet werden. Heuer peilt der IT-Dienstleister ein Wachstum deutlich über den Marktdurchschnitt sowie ein Ergebnis von 0,19 € pro Aktien, was Wertpapierexperten der deutschen SES Research sogar für zu konservativ halten. Das Brainforce-Rating der SES Research-Analysten blieb im April trotz bevorstehender Revirements im Aufsichtsrat bei "Outperformer".

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