02.09.2010
Wirtschaft zeigt Weg Richtung Wachstum und Wohlstand
Wien, 2.9.2010 – Wien steht vor einer wichtigen Weichenstellung. Am 10. Oktober werden rund 1,2 Millionen Wiener einen neuen Gemeinderat und Landtag wählen und darüber entscheiden, welche Prioritäten die Stadt in den kommenden Jahren setzen wird. „Jetzt geht es darum, dass wir in Wien in den nächsten fünf Jahren mit einer aktiven Wirtschaftspolitik einen dauerhaften Aufschwung bewirken, um die künftigen Herausforderungen gut zu meistern“, sagt Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien. Die hohe Arbeitslosigkeit und die aktuelle Entwicklung der Konjunktur in Wien, die deutlich unter dem Österreichdurchschnitt liegt, unterstreiche zusätzlich die Notwendigkeit einer Wirtschaftspolitik, die alle Sektoren der Wirtschaft umfasse und die Bedürfnisse der 118.000 Wiener Unternehmer berücksichtige. „Eine gute Stadtverwaltung ist wichtig. Im Rathaus muss aber das Bewusstsein dafür geschärft werden, dass die Wirtschaft Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand bringt“, so Jank.
Unter dem Titel „Programm für ein wirtschaftlich starkes Wien. Wege zu einem prosperierenden Wirtschaftsstandort des 21. Jahrhunderts“ hat die Wiener Wirtschaftskammer daher die dringendsten Forderungen aus Sicht der Betriebe zusammengefasst und die wichtigsten Herausforderungen der kommenden Jahre analysiert. Zentrale Fragestellungen waren etwa: Welche Stärkefelder müssen forciert werden? In welchen Wirtschaftsbereichen besteht Handlungsbedarf, um wettbewerbsfähig agieren zu können? Wo muss der Standort Wien national und international an Bedeutung gewinnen? Welche Maßnahmen bringen die Wiener Wirtschaft wieder nach vorne? Wie kann man im Bildungsbereich der Jugend neue Chancen eröffnen?
Wirtschaft braucht dringend bessere Rahmenbedingungen
Obwohl Wien das Wirtschafts- und Bildungszentrum Östereichs ist, hinkt es dem Bundesschnitt mittlerweile kräftig hinterher. So lag das durchschnittliche jährliche reale Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahrzehnt mit +2,2 Prozent deutlich hinter dem gesamtösterreichischen (+2,8 Prozent). Zusätzlich verläuft der Rückgang der Arbeitslosenzahlen in Wien am schleppendsten von
allen Bundesländern. Um wieder zur heimischen Spitze zu gehören, wurde ein umfangreiches Programm mit folgenden Schwerpunkten erarbeitet.
Strategische Wachstumsoffensive
• Bürokratieabbau
In Wien bestehen 561 Landesgesetze und Verordnungen mit über 8.500 Paragrafen. Diese sind umgehend zu durchforsten, sämtliche die Wirtschaft belastenden Bestimmungen sind abzuschaffen.
Die Wirtschaft braucht vor allem ...
• neue Gesetze vor Beschlussfassung besser vorbereiten und besser auf Durchführbarkeit und Umsetzbarkeit überprüfen sowie eine Evaluierung, welche Kosten für die Wiener Betriebe entstehen
• Installierung von Verfahrenskoordinatoren, die Projektwerber in Verfahrensfragen unterstützen und sämtliche Verfahrensschritte hilfestellend begleiten
• KMU-Freundlichkeit stärken, insbesondere bei der Vergabe von öffentlichen Ausschreibungen muss Stadt Wien auf die kleinbetriebliche Struktur Rücksicht nehmen - beispielsweise durch das Forcieren von Kooperationen, die den Zugang von KMU zu öffentlichen Aufträge erleichtern
• Erlass der Kommunalsteuer für Lehrlinge, weil Lehrlingsausbildung öffentlich gefördert wird
• Rahmenbedingungen für die Produktion in Wien verbessern
Wien muss zu einer verlässlichen Heimat für produzierende und verarbeitende Betriebe werden. Dazu sind geeignete Flächen für Ansiedlung und Erweiterung erforderlich. Die Bedürfnisse von Betrieben und AnrainerInnen sind gleichberechtigt zu berücksichtigen.
Die Wirtschaft braucht vor allem ...
• Konsequenter Schutz bestehender Betriebsgebiete vor Umwidmungen
• Bewerbung der verfügbaren städtischen Betriebsflächen über www.standort-wien.at durch die Wirtschaftsagentur Wien
• Einrichten eines Betriebsgebietsmanagements im Sinne des Pilotprojekts Industriegebiet Liesing
• Wiener Wirtschaftsförderungen weiter entwickeln
Öffentliche Förderungen sind wichtige Impulsgeber. Die Wiener Förderlandschaft muss neu ausgerichtet, die Verfahren vereinfacht und Doppelgleisigkeiten abgebaut werden.
Die Wirtschaft braucht vor allem ...
• Neuausrichtung der Förderlandschaft, bessere Übersicht und Transparenz der zur Verfügung stehenden Förderungen, strategische Förderungen für Wachstumsfelder wie Energie, Umwelt, Mobilität und Gesundheit; allgemeine Investitionsförderung, die den individuellen unternehmerischen Bedarf abdecken
• Verfahrensvereinfachung bei Antragstellung und Verkürzung der Bearbeitungszeit durch ein zweistufiges Verfahren (Phase I: Entscheidung, ob ein Projekt grundsätzlich förderwürdig ist; Phase II: detaillierte Einreichung)
• Eine neue Wiener Clusterpolitik
Eine erfolgreiche Clusterpolitik liefert in vielen österreichischen Bundesländern wertvolle Wachstumsbeiträge. In Wien ist diese Funktion weniger ausgeprägt.
Die Wirtschaft braucht vor allem ...
• Evaluierung der Wiener Cluster unter Heranziehung nationaler und internationaler Clusterprogramme
• verstärkte Zusammenarbeit innerhalb Österreichs, aber auch in der CENTROPE-Region
• Cluster Creative Industries und Energie/Umwelt aufbauen
Der Jugend einen guten Start ermöglichen
Knapp ein Fünftel der Wiener zwischen 25 und 64 Jahren hat nur Pflichtschulabschluss. Arbeitssuchende mit diesem Ausbildungsstand werden in der dienstleistungsorientierten Wiener Wirtschaft jedoch immer weniger nachgefragt, entsprechend ist ihr Arbeitslosigkeitsrisiko erhöht. Darüber hinaus sind Bildung und Ausbildung die Grundvoraussetzung für Wirtschaftswachstum und
Wohlstand.
Die Wirtschaft baucht vor allem ...
• ausreichende und flexible Kinderbetreuungsformen, die auch auf die Bedürfnisse von UnternehmerInnen Rücksicht nehmen
• Mindestkenntnisse der deutschen Sprache am Ende des letzten Kindergartenjahres
• für Kinder mit Migrationshintergrund auch muttersprachliche Pädagogen
• Bildungsschwerpunkt Technik und Naturwissenschaften
• obligatorischer Schüleraustausch in Form eines eigenen Wiener Pilotprojekts zum wechselseitigen europäischen Schüleraustausch, um interkulturelle und soziale Fähigkeiten zu stärken
• Nachholen von Schulabschlüssen bis zum Maturaniveau muss für alle Erwachsenen kostenlos sein
Vielfalt der Branchen erhalten
Zur Absicherung der lebendigen Straßenstrukturen und der damit verbundenen Einkaufskultur und Lebensqualität in der Stadt braucht Wien ein umfassendes Konzept, das ein weiteres Wachstum von Einkaufsflächen an nicht integrierten Standorten verhindert und die bestehenden Strukturen der Versorgung stärkt. Weiters sind die Wiener Gewerbebetriebe effizient vor ungesetzlichem Mitbewerb (Pfusch) zu schützen, um die über hohe Auflagen abgesicherte Qualität der Arbeit aber auch den Schutz der Arbeitnehmer weiterhin sicherstellen zu können.
Täglich werden mehr als 120.000 Tonnen Güter für die Versorgung Wiens quer durch die Stadt transportiert. Die Abwicklung des Wirtschaftsverkehrs muss daher erleichtert und verbessert werden.
Damit Wiens Tourismusbetriebe Entwicklungschancen wahrnehmen können, muss Wien das Ziel verfolgen, zu den führenden Tourismusmetropolen Europas zu gehören.
Die Wirtschaft braucht vor allem ...
• Erarbeitung eines Einzelhandelskonzepts für Wien und die Region durch die Stadt Wien gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Wien, internationalen Experten und weiteren Stakeholdern
• Förderung für die Zusammenlegung und Instandsetzung von Geschäftslokalen
• zusätzliche Maßnahmen zur Eindämmung des Pfuschs auch auf Landesebene
• Erschließung von Industrie- und Gewerbegebieten mit hochwertigen öffentlichen Verkehrsmitteln
• Parkpickerl für jedes Unternehmen
• Vereinbarung der Stadt Wien mit dem Bund, um den uneingeschränkten Zugang zu allen Förderungen der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) zu ermöglichen
Stadtentwicklungsprojekt Aspern vorantreiben
Unter den aktuellen Stadtentwicklungsprojekten genießt Aspern aus Sicht der Wiener Wirtschaft absolute Priorität. Es muss aber auf die Entwicklung als Wirtschaftsstandort-Reserve Wiens nachhaltig Bedacht genommen werden.
Die Wirtschaft braucht vor allem ...
• Ansiedlung von F&E-Einrichtungen, denn Technologie-Betriebe werden den Standort nur dann wählen, wenn sie dort einen einfachen Zugang zu Forschungseinrichtungen haben
• zusätzlich zu nationalen und internationalen An- und Umsiedlern müssen auch junge Technologiefirmen mit innovativen Produkten für eine Ansiedlung gewonnen werden
• energieautarker Stadtteil: die Versorgung durch neue Energiequellen wie Geothermie oder Windkraft sind umzusetzen
Verbindliche Zielvereinbarungen 2010-2015
Jank strebt die Erarbeitung einer verbindlichen Zielvereinbarung zwischen der künftigen Wiener Stadtregierung und der Wiener Wirtschaft an: „Wir brauchen keine Vorwahl-Lippenbekenntnisse
der Politik, sondern Verbindlichkeit, auf deren Grundlage die Wiener Unternehmer ihre künftigen Investitionen planen und realisieren können“, so Jank. „Wir haben die Chance, die Wiener Wirtschaftspolitik auf die Herausforderungen eines zunehmenden europäischen und internationalen Wettbewerbs auszurichten.“
Das gesamte „Programm für ein wirtschaftlich starkes Wien“ steht unter wko.at/wien/forderungsprogramm zum Download bereit.
Rückfragen:
Dr. Gary Pippan – Presse und Medienmanagement Wirtschaftskammer Wien
T. 51450 1314 E. gary.pippan@wkw.at

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