„Die Deflation wird kommen und sie kommt über Nacht. Wir werden ein Sinken aller Sachwerte erleben: Immobilien, Aktien – auch die guten, Rohstoffe und sogar Edelmetalle werden betroffen sein."
Diese Entwicklungen gründen allesamt darin, dass die Ursachen der Krise nicht beseitigt wurden, so Professor Malik, der seinem Vortrag gleich zu Beginn einen mündlichen Disclaimer beifügt, indem er betont, es handle sich bei seinen Prognosen lediglich um „mögliche Szenarien". Dumm nur, dass Malik in der Vergangenheit mit seinen Prognosen fast immer richtig lag. Sowohl die Dotcom-Krise, als auch das Platzen der Immobilienblase samt derzeitiger Weltwirtschafts- und Schuldenkrise hatte er vorhergesagt.
Abrechnung mit Shareholder Value
Der Kern des Problems sei die Fehlsteuerung der Wirtschaft durch Shareholder Value und Wertsteigerungsstrategie an der Börse: „Finanzmärkte sind keine Märkte. Die Mechanismen der Marktwirtschaft funktionieren dort nicht und Börsen haben nur einen Zweck: möglichst viele Leute von möglichst viel Geld trennen."
Die Fallhöhe des Dow Jones, dem der Professor ebenso wie der Weltwirtschaft einen Double Dip, also ein nochmaliges und viel tieferes Abrutschen, prophezeit, liege beim Wert von 1982, dem eigentlichen Beginn der bis 2007 angehaltenen Hausse.
Fredmund Malik, Chef des renommierten Management Zentrum Sankt Gallen und auf Einladung von RedEd und Österreichischem Wirtschaftsverlag in Wien, beobachtet ein Finanzsystem, das „aktiven Selbstmord" begehe.
USA in miserablem Zustand
Da sich das Wachstum der letzten Jahre lediglich an der Wallstreet abgespielt habe, attestiert er vor allem der Realwirtschaft der USA einen „miserablen Zustand". Die Welt, so der Professor im Rahmen der RedEd-Tagung, sei heute durchseucht mit Schulden. Er propagiert ein totales Umdenken, das notwendig sei, da wir „ein neues Zeitalter beschreiten." Die Krise, so Malik, seien lediglich die Geburtswehen für etwas Neues: „Die alte Welt geht zu Grunde, weil eine neue kommt."
Malik nennt sie das Zeitalter der Komplexität und es werde vorwiegend darum gehen, diese Komplexität zu meistern: „Viele Organisationen werden doppelt so gut funktionieren müssen, dafür aber viel weniger Geld haben."
Plädoyer für ein „Neues Funktionieren"
Wie das zu schaffen ist? Dafür hat der Managementberater freilich auch eine Lösung mitgebracht. Kern des Malikschen Ansatzes ist die systematische kommunikative Vernetzung von Menschen, Themen, Aufgabengebieten und Herausforderungen. Dabei macht jeder das, was er am besten kann. Durch das effiziente Vernetzen nach dem Vorbild neurophysiologischer Systeme entstehen so völlig neue und vor allem schnelle Prozesse. Ein weiterer Schlüssel zum Überleben von Unternehmen, ob groß oder klein, sei die ebenfalls von der Natur gelernte Besetzung von Nischen. Zahlreiche Referenzprojekte von durch Malik Beratungen restrukturierten Firmen sind diesen Weg konsequent und erfolgreich gegangen. Die „Syntegration" spielt sich dabei in nur wenigen Tagen ab. „Meist reicht ein Wochenende", so Malik, der auch zahlreiche Beispiele aus Anwendungen im öffentlichen Bereich nannte.

Petra Jenner (Microsoft), Gerhard Mock (verdeckt), Fredmund Malik, Stefan Böck, Horst Pirker (Styria Media)
© OEWV/RedEd
Brisante Podiums-diskussion
Bei der abschließenden Podiums-diskussion, moderiert von „die wirtschaft"-Chefredakteur Stefan Böck, diskutierten neben Professor Fredmund Malik die Microsoft-Österreich-Chefin Petra Jenner, der Bürgermeister von St. Veit an der Glan Gerhard Mock, Styria-Media-Group-Chef Horst Pirker sowie „Saubermacher" Hans Roth die Inhalte des Tages. Die Teilnehmer waren sich darin einig, dass es in der Wirtschaftswelt neuer Werte bedarf und die Politik der reinen Gewinnmaximierung ausgedient habe. Gewinn sei nicht schlecht, aber man dürfe nicht nach dem Maximum fragen, sondern nach dem Minimum, das notwendig ist, um sich weiterzuentwickeln, so der von Malik formulierte Tenor der Runde. Eine Meinung, die von Microsoft-Chefin Jenner unterstrichen wurde. Auch sie wünsche sich eine Abkehr vom reinen Denken in Zahlen und Quartalen hin zu nachhaltiger Unternehmensentwicklung.
Bürgermeister Mock zeichnete ein düsteres Bild des Zustandes der kommunalen Finanzierung in Österreich und plädierte für eine neue Politik. Syntegration habe jedoch in seiner Beamtenschaft ein kleines Wunder bewirkt und viele Probleme wurden seither gelöst. Es sei allerdings in allen Bereichen des Staates ein gründliches Umdenken angesagt, um der Schuldenkrise Herr zu werden.
Die UgUs kommen
Auch Horst Pirker streute der Malik-Methode Rosen und beschrieb die wundersame Wirkung der Syntegration. Sie sei ein guter Baustein in der Bewältigung anstehender Herausforderungen und derer gibt es gerade in der sich global im Umbruch befindenden Zeitschriftenbranche genug.
Die Sicht eines klassischen mittelständischen Betriebes brachte Hans Roth mit in die Runde, der in aller Deutlichkeit von der prekären Lage seines Unternehmens erzählte, ehe durch die Malik-Syntegration der Turn-around gelang. Roth bestätigte indirekt die Forderung von Professor Malik nach sogenannten UGUs (Unternehmerisch gesteuertes Unternehmen). Dieser neue Begriff steht für Betriebe, die – ähnlich wie klassische Familienbetriebe – nachhaltig und mit großem Respekt vor Mensch und Ressourcen geführt werden. Sie sind es, die am ehesten die Herausforderungen der neuen Welt bewältigen können.
(Redaktion: Stefan Böck, die Wirtschaft)
