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Aus einem Guss

14.09.2015

Metallgießen ist das Geschäft von Martin Petermann und Herbert Wittrich. Ihr fast 
ausgestorbenes Gewerbe lockt Kunden aus aller Welt an, sogar Popstar Lady Gaga.

Text: Alexander Rinnerhofer

 

Martin Petermann gießt aus Metall Kunstgegenstände. Seine Methodik ist die gleiche wie vor 100 Jahren.

Es war ganz am Beginn der steilen Karriere von Popikone Lady Gaga. Martin Petermann erhielt einen Anruf, von dem er erst heute weiß, wie wertvoll er war: Das Management der ihm damals noch unbekannten Popsängerin wollte eine Maske gegossen haben. Aus Bronze sollte sie sein, vergoldet, so präzise und vor allem zeitnah wie möglich. Heute weiß der Gießer, für wen er damals sein Können unter Beweis gestellt hatte – und freut sich eben verspätet.

Martin Petermann und sein Partner Herbert Wittrich, die Chefs der Franz Rabas GmbH, betreiben in Wien die letzte Gießerei und sind sehr stolz darauf. Aktuell renovieren die beiden die großen und historisch wertvollen Dachfiguren der Wiener Hofburg. „Das ist ein echtes Monsterprojekt. Zuerst müssen mit einem Kaffeehäferl mehr als 1000 Kilogramm Bleikugeln aus dem Inneren der Figuren geschöpft werden, erst dann kann man die Statuen vom Dach heben. Eine sehr zeitaufwändige Arbeit. Aber es ist auch eine ganz besondere Ehre diesen Job machen zu dürfen, schließlich darf nur alle hundert Jahre jemand da oben stehen.“ Allein dieser Auftrag beschäftigt das Unternehmen über Jahre. So ganz nebenbei werden die Buchstaben des legendären Restaurants „Schwarzes Kameel“ generalüberholt. Über Arbeitsmangel können sich die Gießer nicht beklagen: „Wir können uns vor Aufträgen kaum retten. Was uns einerseits natürlich sehr freut, anderseits aber schon mal ins Schleudern bringt“, sagt Petermann. 

100 Jahre alte Formen

„Das, was wir hier machen, bringen vielleicht drei Gießereien in ganz Österreich zustande“, sagt der Meister seiner Zunft. Das liegt vor allem daran, dass sein Betrieb mit Formen arbeitet, die über 100 Jahre alt sind. Mit Formen, die heute eigentlich niemand mehr herstellen könnte. „Dadurch werden unsere Stücke zu Kunstwerken“, sagt er. Schelmischer Nachsatz: Selbst das Dorotheum würde unsere heute gegossenen Werke nicht von den alten Originalen unterscheiden können, so genau können wir hier arbeiten.“ Doch freilich liegt es ihm fern, irgendwen hinters Licht zu führen. Das Braucht Petermann auch gar nicht – denn das Geschäft mit seinen Unikaten läuft wie geschmiert. „Eigentlich ist es hier eine echte Goldgrube“, schmunzelt er. Und das liegt daran, dass so gut wie niemand mehr dieses Gewerbe ausüben will. „Die Arbeit ist hart, sie ist dreckig und man braucht viel Wissen“, führt der Profi aus, warum es an Nachwuchsgießern mangelt. „Wenn sich das nicht ändert, wird dieser Beruf bald aussterben“, sagt er. An der derzeitigen Lage kann aber auch Petermann nichts ändern. Lehrlinge können hier keine ausgebildet werden, sagt er.

Männer für spezielle Angelegenheiten

Petermann und Wittrich haben es sich in ihrer Nische der Geschäftswelt gemütlich gemacht. Die Kunden kommen fast von allein. Warum? Abgesehen von „normalen“ Erzeugnissen wie Straßenschildern, Hausnummern oder Ähnlichem, sind sie eben die Männer, an die man sich wendet, wenn man etwas Besonderes gegossen haben will. Wie eben eine Maske für Lady Gaga. Oder die begehrten „Romy“-Trophäe des TV-Preises oder die Pokale der Football-Weltmeisterschaft 2015. Warum aber in seiner Werkstatt eine Oscar-Statue steht, hat einen weniger spektakulären Grund. Dafür einen, der zeigt, wie sehr Martin Petermann seine Arbeit am Herzen liegt: Vor einiger Zeit wollte er wissen, ob er den König der Gussfiguren zustande bringen würde. Genau so, wie er in Hollywood alljährlich vergeben wird. Es ist ihm so gut gelungen, dass er damit vermutlich nicht nur das Dorotheum täuschen könnte, sondern wohl auch die Verleiher der echten Oscar-Figuren. Und vielleicht klopft tatsächlich einmal die Academy aus Hollywood an seine Tür – um die wertvollen Statuen bei ihm zu bestellen. Dann weiß er auf jeden Fall heute schon, wie’s geht.

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