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Zahlungsausfälle: Exportländer im Vergleich

22.04.2016

Bei welchen Exportländern bleiben Zahlungen an Kunden am häufigsten aus? Eine aktuelle Aufstellung der OeKB Versicherung sorgt für Orientierung. Darin führt Venezuela die Liste der höchsten Zahlungsverzüge an, gefolgt von Ägypten und Türkei.

Auch deutsche Abnehmer lassen österreichische Exporteure vermehrt auf ihr Geld warten. Verglichen wurden die Werte zum Ende des ersten Quartals 2016 mit den Zahlen des vierten Quartals 2015.  
In 75 Prozent der Fälle ist ein Verzug der Vorläufer eines Schadensfalles und daher laut OeKB Versicherung eine wichtige Kennzahl. Das restliche Viertel resultiert aus der Insolvenz von Abnehmern. „Wenn unsere Versicherungsnehmer steigende Verzüge melden, dann ist das für uns ein wichtiger Indikator für die zukünftige Entwicklung eines Landes. Denn genau in diesen Ländern werden erfahrungsgemäß auch die Schäden steigen“, erklärt Karolina Offterdinger, Vorstand der OeKB Versicherung – eine Marke der in Österreich führenden Kreditversicherung Acredia Versicherung AG.

Die Top 3 der höchsten Verzüge: Venezuela, Ägypten und Türkei

In Venezuela, Ägypten und in der Türkei verzeichnen die Versicherungsnehmer der OeKB Versicherung in Summe die höchsten Verzüge im betrachteten Zeitraum. Die Verzüge in Venezuela und Ägypten wurden in erster Linie durch politische Risiken verursacht. „In den meisten Fällen haben die Abnehmer in Venezuela und Ägypten die Mittel und auch den Willen zu zahlen. Aber aufgrund politischer Probleme – also durch Unruhen, Instabilität im Land und vor allem durch Probleme beim Devisentransfer – kommt das Geld nicht oder sehr verspätet an“, erklärt Offterdinger. Genau in solchen Fällen springt die OeKB Versicherung ein. Die steigenden Verzüge sind eine Folge der wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen.

Venezuela gerät durch die galoppierende Inflation und die schwere Rezession immer tiefer in die Wirtschaftskrise. Als Reaktion wurde bereits Anfang des Jahres der Wirtschaftsnotstand ausgerufen. Ägyptens Wirtschaft leidet vor allem unter dem Rückgang des Tourismus. Die Devisenbestimmungen wurden verschärft. Die Devisenknappheit verzögert die Einfuhren Ägyptens und behindert Teile der lokalen Industrieproduktion.

Die Türkei ist ein wachsender Markt für österreichische Exporteure. „Die Verzüge steigen bei unseren Versicherungsnehmern aber stärker als ihre Umsätze“, stellt Offterdinger fest. Die konjunkturelle Entwicklung wird gebremst durch die Sanktionen Russlands und die allgemeine Konjunkturschwäche in Europa. Die politische Lage bleibt volatil und die Konsequenzen der Flüchtlingsproblematik sind offen.

Deutschland und Österreich: Sinkende Zahlungsmoral lässt Verzüge steigen

Deutschland und Österreich haben sich wieder in die Top 10 der Verzüge vorgeschoben. Deutschland ist der traditionell wichtigste Handelspartner Österreichs und das einzige Land, in dem die Versicherungsnehmer der Kreditversicherung neben den steigenden Verzügen auch wachsende Schäden verzeichnen. Laut OeKB Versicherung spüren die Abnehmer das deutlich zurückgehende Wirtschaftswachstum der meisten Schwellenländer und den internationalen Konjunkturrückgang durch den niedrigen Ölpreis. Dennoch sieht die OeKB Versicherung in Deutschland und auch in Österreich derzeit keine außergewöhnliche Zahlungsproblematik.

„Den rasanten Anstieg der Verzüge führen wir in erster Linie auf das ebenfalls gestiegene deutsche und österreichische Gesamtobligo unserer Versicherungsnehmer zurück.“ Offterdinger rät den Exporteuren: „Behalten Sie immer Ihren Außenstand im Auge und mahnen Sie sofort, wenn eine Zahlung ausbleibt – auch wenn Sie innerhalb der EU liefern.“

Saudi Arabien: erstmals Schäden zu erwarten

Abnehmer in Saudi Arabien waren laut OeKB Versicherung bisher verlässliche Zahler. „Sie zahlen nicht immer pünktlich, aber sie zahlen. Wir gehen jedoch davon aus, dass das nicht so bleiben wird, denn die Zahlungsverzüge sind in den vergangenen drei Monaten sprunghaft gestiegen“, gibt Offterdinger zu bedenken.

Der enorme Ölpreisverfall schwächt das Land und die Währungsreserven könnten unter den bestehenden Umständen innerhalb von fünf Jahren vollständig aufgebraucht sein. Saudi Arabien will seine Wirtschaft wegen der Ölkrise breiter aufstellen und stärker auf die Privatwirtschaft setzen. Konkret zielt man auf die Branchen IT, Gesundheit, Schiffbau und Tourismus – wodurch sich gute Chancen für österreichische Exporteure ergeben. Das instabile regionale Umfeld stellt dabei aber weiterhin ein Risiko dar.

www.oekbversicherung.at

Autor:
Redaktion.DieWirtschaft
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