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Wenn das Kleidungsstück den Analysten ersetzt

06.11.2015

Dass Wirtschaftprognosen nicht immer eintreffen, weiß jeder. Manche begeben sich daher auf die Suche nach originellen bis skurrilen Alternativen. Neun Indikatoren, denen Sie allerdings nur bedingt trauen sollten.

Weniger Rückenleiden: Dass eine Rezession durchaus etwas Gutes bringt, will der Ökonom Christopher Ruhm von der University of North Carolina herausgefunden haben. Die These: Weniger Arbeit heißt weniger Schreibtischtäterei, heißt mehr Bewegung und führt letztendlich zu weniger Rü-ckenleiden. Der wirtschaftliche Abschwung wird zum Aufschwung für die Volksgesundheit. Klingt einleuchtend, andere Indikatoren lassen aber gegenteilige Schlüsse zu. Mehr Druck im Job führt offensichtlich zu mehr Kopfzerbrechen und Kopfschmerzen. Ein Beleg dafür mag ein sprunghafter Anstieg des Aspirinabsatzes zum Krisenhöhepunkt 2008 gewesen sein – oder war es doch bloß eine Grippewelle?

Kurze Röcke: Je mehr Bein eine Frau zeigt, desto besser läuft der Konjunkturmotor. Lange Rö-cke sind dagegen ein Krisenindikator. Das glaubte zumindest der Ökonom George Taylor, der diese These bereits in den 1920er-Jahren aufstellte. Einen Beleg für diese Behauptung wollen Forscher am Institut für Demoskopie in Allensbach gefunden haben. Sie analysierten Modetrends des 20. Jahrhunderts, verglichen diese mit den Konjunkturkurven und fanden eine erstaunliche Übereinstimmung. Blickt man auf die heuer präsentierte Haute Couture, fällt eine Prognose allerdings schwer. Diesen Herbst wird prinzipiell kurz wie auch sehr lang getragen.

Schmusesongs: Die Krise macht nachdenklich. Folglich hören Menschen in Krisenzeiten eher tiefsinnige und melancholische Songs. Dass die Hitparade so etwas wie ein Konjunktur-Indikator ist, glaubt Psychologie-Professor Terry F. Pettijohn II von der Coastal Carolina University. Er hat die US-Charts von 1955 bis 2003 mit der Wirtschaftsentwicklung verglichen und kam zum Schluss: Langsame Songs sind Boten der Krise.

Das Feierabendbier: Geht es den Wirten gut, geht es der gesamten Wirtschaft gut. So einfach ist das. Dahinter liegt die Annahme, dass in Krisenzeiten eher mal auf das Feierabendbier verzichtet wird – vielleicht auch, weil es wegen Arbeitslosigkeit
gar keinen Feierabend gibt. Diese Behauptung untermauern Daten der Brauereien, wonach in den Krisenjahren 2008 und 2009 deren Umsatz um acht Prozent eingebrochen ist. Ebenso nachvollziehbar ist allerdings auch die Gegentheorie. Der Griff zur Flasche im Auge des drohenden ökonomischen Abstieges ist aus menschlicher Sicht durchaus verständlich. Womöglich wird dann allerdings das Bier gegen Schnaps getauscht, was die Grundthese wieder bestätigen würde.

Männerunterhosen: Man weiß nicht genau, ob Ex-Fed-Chef Alan Greenspan selbst weniger Unterhosen gekauft hat, als seine Analysten ihm den Schrecken an die Wand malten. Fakt ist, dass der einst mächtigste Notenbanker der Welt daran glaubt, dass Männer bei einer drohenden Krise zuerst beim Unterhosenkauf zu sparen beginnen. Warum dieser skurrile Indikator? Weil die Absatzzahlen von
Männerunterhosen im Gegensatz zu vielen anderen Konsumgütern sehr konstant sind. Gehen deren Verkaufszahlen zurück, ist das ein Zeichen des konjunkturellen Niedergangs.

Lange Haare: Anhänger dieser Theorie meinen, dass lange Haare auf eine wirtschaftliche Boom-Phase schließen lassen. Warum? Im Aufschwung wird öfters zum Friseur gegangen, werden Steckfrisuren gemacht oder gefärbt. Läuft die Wirtschaft schlecht, herrscht bei den Kunden eher ein rationaler Spargedanke: Möglichst viel wegschneiden, damit der nächste Friseurbesuch in die Ferne geschoben wird. Den empirischen Beleg dieser Behauptung will die Börsenzeitschrift „Nikkei Magazine" gefunden haben. Demnach liefen zur Asienkrise der 1990er-Jahre in Japan verdächtig viele Frauen mit Kurzhaarschnitten umher.

Hohe Gebäude: Architekten und Immobilien-investoren wollen Wirtschaftskrisen vermutlich mit dem Bau von besonders hohen Gebäuden entwachsen. Die These: Je länger eine Krise dauert, desto höher wird gebaut. Anhänger der Theorie argumentieren, dass das Empire State Building und das Rockefeller Center, die größten Gebäude New Yorks, just in der großen Depression der frühen 1930er-Jahre erbaut wurden. Man könnte auch argumentieren, dass der Bau des DC Towers, Österreichs höchstem Gebäude, 2010 mitten in der Krise startete. Die Tatsache, dass auch in der Hausse selten niedrig gebaut wird, stellt diese Theorie aber auf ein wackeliges Fundament.

Breite Krawatten: Eigentlich müssten die ZiB-Moderatoren des ORF die Börsenberichte gar nicht vorlesen. Ein Blick auf ihre Outfits würde ebenso Schlüsse zulassen. Schoss der ATX zu Beginn der 2000er in atemberaubende Höhen, wurde dies meist mit breiten Krawatten verkündet. Dass es derzeit weniger gut läuft, mag vielleicht auch daran liegen, dass Roman Rafreider und Co mittlerweile auf schmale Schlipse umgestiegen sind. Die Frage ist, ob sich die Konjunktur den Modetrends anpasst oder umgekehrt? In den USA hält sich übrigens eine andere Theorie recht hartnäckig: Demnach soll eine Häufung der Krawattenträger auf eine Krise schließen lassen.

Krokodilbestand: Krisen sind zumindest gut für den Tierschutz. So steigt in den USA in Zeiten des wirtschaftlichen Abschwungs stets die Population an Krokodilen. Offensichtlich hängt das mit der niedrigeren Nachfrage nach teuren Lederwaren zusammen.

Autor:
Redaktion.DieWirtschaft
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