Stress ist relativ | Die Wirtschaft Direkt zum Inhalt
"Stress ist nicht per se schlecht", erklärt Anna Nowshad, Manager bei Deloitte Österreich.

Stress ist relativ

14.12.2016

Persönliche Eigenschaften sowie die eigene Arbeitsweise haben einen starken Einfluss darauf, wie man Stress wahrnimmt und auf diesen reagiert. Das zeigt eine globale Studie des Beratungsunternehmens Deloitte, bei der Berufstätige zu ihrem Stresslevel bei der Arbeit befragt wurden. Soviel vorweg: Gestresst ist eigentlich jeder.

Was einen stresst, ist sehr subjektiv.

Stress ist relativ – die Arbeitsweise und persönliche Eigenschaften beeinflussen wie Stress wahrgenommen und damit umgegangen wird. So lautet die Essenz der Deloitte Stress Study. Die Studie basiert auf zwei Befragungen, an denen insgesamt rund 40.000 Berufstätige aus 120 Ländern teilgenommen haben. Grundsätzlich weisen die meisten Befragten einen moderaten Stresslevel auf: 14 % sind nur sehr selten gestresst, 57 % manchmal. 26 % geben an oft gestresst zu sein und für 3 % ist es ein Dauerzustand. Entscheidendes Studienergebnis: Je nach Typ reagieren Personen ganz unterschiedlich auf Stress. „Oft wird Stress mit etwas Negativem gleichgesetzt, das ist aber eine verkürzte Sichtweise“, betont Anna Nowshad, Manager bei Deloitte Österreich. „Manche Persönlichkeitstypen arbeiten unter Stress sogar effektiver und brauchen den Druck, um bei ihrer Tätigkeit das beste Resultat zu erzielen.“

Die größten Stressfaktoren
Einen Fehler zu machen zählt für 82 % zu den größten Stressfaktoren. Lange Arbeitstage und viele verschiedene Verantwortlichkeiten sowie Konflikte – wie das Überbringen von schwierigen Nachrichten – nennt jeweils gut die Hälfte als Stressauslöser. 46 % der Befragten setzt Zeitdruck unter Stress. Fast ebenso viele fühlen sich durch Präsentationen oder das Treffen neuer wichtiger Personen gestresst. Allerdings müssen diese Stressfaktoren nicht zwangsläufig auch negativ wahrgenommen werden oder zu schlechten Arbeitsergebnissen führen. Hierzu lieferte die detaillierte Auswertung der Daten überraschende Ergebnisse. Die Antworten der Befragten wurden dafür in Zusammenhang mit ihren Persönlichkeiten gesetzt, basierend auf dem Business Chemistry Konzept von Deloitte.

Vier Stresstypen

Laut Deloitte Business Chemistry gibt es vier primäre Typen, die sich nach ihren Eigenschaften und Arbeitsweisen unterscheiden: Guardians, Integrators, Pioneers und Drivers.

Guardian: Der Wächter arbeitet fleißig und konventionell. Er bemüht sich um Sicherheit und Stabilität. Er gerät leicht in Stress, wenn etwas nicht nach Plan läuft.

Integrator: Der Integrator kommuniziert gerne und legt viel Wert auf Beziehungen. Auch dieser Typ ist leicht stressanfällig, da er dazu neigt wenig auf Ziele zu fokussieren und der Kommunikation einen (zu) hohen Stellenwert beizumessen.

Driver: Dieser Persönlichkeitstypus konzentriert sich sehr auf seine Ziele und verfolgt diese zielstrebig. Er braucht die Herausforderung und mag Risiken sowie schnelles Arbeiten. Dadurch läuft er auch seltener Gefahr in Stress zu geraten.

Pioneer: Der Pionier kommt ebenfalls selten in stressige Situationen. Er liebt es nach innovativen Lösungen und neuen Möglichkeiten zu suchen. Er ist daher weniger gefährdet, beispielsweise durch den Druck zur Erfüllung klarer Vorgaben gestresst zu werden.

Außen- versus Innenfokussierung
Der Stresslevel variiert auch bei nach innen oder außen fokussierten Arbeitstypen. So sind Guardians, Dreamers (Subkategorie des Integrator) und Scientists (Subkategorie des Driver) reservierter, introspektiv und bedacht. Sie haben signifikant höhere Stresslevels. Pioneers, Teamers (Subkategorie des Integrator) und Commanders (Subkategorie des Driver) sind extrovertierter, tatkräftig und anpassungsfähig. In Bezug auf Stress sind sie resistenter.

Stress kann die Effizienz steigern
In einem zweiten Studienteil wurde die Effizienz der verschiedenen Persönlichkeitstypen unter Stress abgefragt. Der Großteil der Driver und Pioneers geben an am effektivsten zu sein, wenn sie mittelmäßig (61 %) bis sehr gestresst (59 %) sind. Im Vergleich dazu geben die Integrators und Guardians nur jeweils zur Hälfte an, bei diesen Stresslevels am effektivsten zu arbeiten.„Diese Antworten zeigen: Stress ist nicht per se schlecht. Es kommt darauf an, welche Persönlichkeit welcher Form von Stress ausgesetzt ist“, erklärt Anna Nowshad. Die unterschiedlichen Charaktere und ihren Umgang mit Stress zu verstehen sei der Schlüssel, um das bestmögliche Resultat zu erzielen. „Ein erfolgreiches Team benötigt die richtige Mischung an unterschiedlichen Persönlichkeiten. Wenn Führungskräfte für die jeweiligen Aufgaben die richtige Zusammensetzung an Persönlichkeiten wählen, wird negativer Stress unter den Mitarbeitern reduziert – und das Team als Ganzes erfolgreicher“, so die Expertin abschließend.

Über die Deloitte Stress Study
Die Deloitte Stress Study analysiert die Ursachen für Stress am Arbeitsplatz und den Umgang der Berufstätigen damit. Mittels Business Chemistry Typologie wurde analysiert, welche Reaktionen Stress bei verschiedenen Persönlichkeiten auslöst. Insgesamt wurden in zwei Durchgängen insgesamt mehr als 40.000 Berufstätige aus 1.300 Unternehmen und Organisationen in 120 Ländern befragt.

Zur Studie

 

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