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Raum für kreative Köpfe

26.09.2016

Wer die besten Mitarbeiter will, muss ihnen eine angenehme Büroumgebung bieten.  Öffentliche Anbindung, moderne Räume und attraktive Pausen- und Freizeitflächen locken kreative Geister an.

Der Run um die besten Mitarbeiter ist eines jener Themen, die Weltmarktführer und solche, die es noch werden wollen, am meisten umtreibt. Dabei zeigt sich, dass nicht nur Gehalt und Entwicklungsmöglichkeiten, sondern immer stärker auch die Arbeitsumgebung eine Rolle für kreative Geister spielt. Friedrich Wachernig, Vorstand der S Immo AG, hat sogar beobachtet, dass „der Arbeitsplatz immer mehr zum Argument für oder gegen einen Arbeitgeber“ wird. Dabei spielen die Lage, die Infrastruktur und die Anbindung an den öffentlichen Verkehr ebenso eine wichtige Rolle wie attraktive und moderne Aufenthaltsqualitäten, insbesondere für den Austausch zwischen den Mitarbeitern.

Besonders bei jungen Start-ups fällt auf, dass sie großen Wert auf ein Büroumfeld legen, in dem sie sich wohl fühlen und mehr tun können als nur arbeiten. Vor allem Leute aus der Multimedia- und Technologiebranche suchen laut Wachernig „völlig anders als man es von Geschäftsführern bis vor wenigen Jahren gewohnt war“. Große, offene, stylische Flächen seien angesagt, sehr beliebt seien etwa Lofts und ehemalige Fabriksräume. Dort sitzt man dann oft „deutlich enger als man das noch bis vor Kurzem gepredigt hat“ und schafft im Gegenzug „Frei- und Gemeinschaftsflächen, gemütliche Küchen sowie Rückzugs- und Aufenthaltsräume“. 

Von Dusche bis Dachterasse 

Das Berufs- und das Privatleben werden in modernen Büros immer stärker vermischt. Nachdem der Laptop zugeklappt wird, gehen vor allem junge Menschen selten schnurstracks nach Hause, sondern wollen noch zusammen ein Bier trinken, im Idealfall auf einer Dachterrasse. Sehr beliebt sind laut Wachernig auch Duschen und Fahrrad-Abstellplätze. Generell spielen die Anfahrtsmöglichkeiten und die Anbindung an den öffentlichen Verkehr heute eine immer größere Rolle bei der Wahl der richtigen Büroimmobilie – denn die besten Köpfe wollen in der Regel nicht nach dem ersten ­Cappuccino eine Stunde im Stau stecken, bis sie mit der Arbeit loslegen können.

Ein weiterer Trend ist die Bündelung von Unternehmen mit ähnlichen Interessen an einem Standort, wie etwa im Media ­Quarter St. Marx in Wien oder im Vienna Biocenter, das mittlerweile zum größten Life-Science-Standort Österreichs herangewachsen ist. Und auch im neuen Wiener Stadtviertel Aspern wächst mit dem Technologie-Zentrum aspern IQ ein Ort heran, der technologie­affine Firmen und Forschungsstätten anzieht. So ist in dem vor zwei Jahren errichteten Technologiezentrum unter anderem die Firma 3F Solar eingezogen, eine Firma, die Solarthermie und Photovoltaik miteinander verknüpft.

Auch ein Forschungszweig der TU Wien, der sich mit dem Thema Industrie 4.0 befasst, hat sich hier angesiedelt. Und Hoerbiger, der Anbieter von Kompressor-, Antriebstechnik und Hydraulik, hat hier gerade seinen neuen Standort um 45 Millionen Euro errichtet. Rainer Holzer, bei der Wirtschaftsagentur Wien für Immobilien zuständig, spricht von einem Dominoeffekt, der immer mehr Technologiebetriebe anzieht, sobald etwa Forschungsstätten und interessante Unternehmen an einem Ort sind. 

Effizienz gefragt

Sehr oft suchen Unternehmen nach einem neuen Büro, um in verschiedenen Gebieten effizienter zu werden: „Einer der Hauptauslöser dafür, einen neuen Standort zu suchen, ist, dass die Produktionsprozesse, die Logis­tik und die Materialflüsse an einem Standort nicht mehr optimal funktionieren und die Grundrisse nicht mehr so effizient sind.“ 

Effizienz wünscht man sich meist auch beim Energieverbrauch. Moderne Gebäude weisen hier mittlerweile meist sehr gute Rahmenbedingungen auf, wodurch die laufenden Kosten gesenkt werden können. Das Technologiezentrum in Aspern etwa wurde sogar als Plus-Energie-Haus gebaut. Hier wird außerdem Flexibilität angeboten, das heißt, Büroflächen können nach Bedarf angepasst oder erweitert werden. Flexibilität ist vor allem auch für die immer größer werdende Schar an sehr kleinen Betrieben notwendig.

Laut Rainer Holzer war es lange Zeit sehr schwierig, für einen Kleinstbetrieb von zwei bis drei Leuten ein adäquates und leistbares Büro zu finden. Abhilfe schaffen viele Gemeinschaftsbüros, die in den letzten Jahren wie die Schwammerl aus dem Boden geschossen sind. Und eigene Angebote etwa für Start-ups gibt es auch immer mehr. So bietet etwa die Wirtschaftsagentur Wien an vier Standorten eigene Start-up-Büros an, auf insgesamt 3000 Quadratmetern. Der Vorteil: Die Büros sind schnell zu beziehen, flexibel, vergleichsweise günstig, weil sie gefördert werden, und die Jungunternehmer müssen sich nicht zu einer langfristigen Nutzung verpflichten.

Autor:
Alexandra Rotter
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