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Kohle für die Expansion

26.09.2016

Österreich ist vielen KMU zu klein, doch die Internationalisierung will finanziert werden. Förderungen und alternative Finanzierungsmethoden machen eine Internationalisierung nun auch jenen möglich, denen Sicherheiten im Rücken fehlen.

Auch wenn die Wirtschaftslage noch zu wünschen übrig lässt, scheinen die österreichischen Unternehmen langsam Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Vor allem der Wille, ins Ausland zu expandieren, wächst wieder. Herbert Tempsch, Leiter des Bereichs Exportfinanzierungen bei der Bank Austria, bemerkt ein steigendes Interesse an der Finanzierung von Internationalisierungsschritten: „Eine gewisse Form der Zuversicht ist bei den Unternehmen wieder vorhanden.“ 

Einer der Zuversichtlichen ist Roland Stelzer, der gemeinsam mit seinem Partner Karim Jafarmadar das Happylab gegründet und am 30. September einen Ableger in Berlin eröffnet hat. Das Happylab ist ein Fabrication Laboratory, in dem Geräte wie Lasercutter, Vinylplotter und 3D-Drucker zur Verfügung stehen. Wie in einem Fitnessstudio kann man diese gegen eine Gebühr benutzen – ab fünf Euro pro Monat ist man dabei – und etwa Prototypen ent­wickeln oder ein Geschenk basteln. Das erste Happylab entstand 2009 als Verein in einem Kellerlokal in Wien, 2013 entschied man sich zur Professionalisierung und gründete ein Unternehmen. In der Zwischenzeit wurde ein Ableger in Salzburg geöffnet, und jetzt folgt mit der Start-up-Stadt Berlin der erste Schritt ins Ausland.

Ohne Garantie kein Moos

Die Finanzierung der Expansion musste mit Drittmitteln erfolgen. Von den benötigten rund 400.000 Euro konnten 100.000 selbst aufgebracht werden. Bis auf die Geräte waren keine besonderen Sicherheiten vorhanden. Da noch vor dem Start ein Lokal und Geräte benötigt wurden und von Beginn an Personalkosten anfielen, musste ein Kredit her. Die Salzburg-Expansion gab dafür das nötige Selbstvertrauen. Stelzer: „Die Erfahrung, wie es ist, ein Happylab an einem Standort zu betreiben, wo man nicht ständig vor Ort sein kann, hat uns sehr geholfen, uns über den nächsten Schritt drüberzutrauen. Wir hatten einen Businessplan und Vertrauen in unsere eigenen Zahlen.“ Diese „validen Zahlen“ waren den Geldgebern wichtig – jede davon konnte im Businessplan mit Fakten belegt werden.

Schließlich erhielt Happylab für die Expansion die Förderung „aws Garantie International“ von der Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft (aws), der Förderbank des Bundes. Diese stellt eine Garantie für 80 Prozent des von der Bank geliehenen Geldes. Falls das Unternehmen wider Erwarten den Kredit nicht zurückzahlen könnte, würde die aws für 80 Prozent geradestehen. Das war ein Türöffner: „Wir haben mit verschiedenen Banken gesprochen, und mein Eindruck war: Ohne diese Garantie kriegt man sowieso nichts, außer man legt ein Sparbuch hin oder hat Immobilien.“ Selbst die Tatsache, dass das Happylab allein in Wien rund 2000 regelmäßige Kunden hat, es einen handfesten Businessplan gab und der Standort Berlin gut gewählt war, waren für die Banken nicht genug Gründe, Geld zu verborgen.

Den Worst Case absichern

Dass Eigentumswohnungen und Sparbücher als Sicherheiten für Banken die wichtigsten Argumente sind, Unternehmen einen Kredit zu geben, weist Manfred Seyringer, stellvertretender Leiter der Exportfinanzierungen bei der Bank Austria, zurück: „Grundsätzlich soll die Finanzierung geprüft werden, es muss ein Businessplan vorliegen. Die Sicherheiten sind nur ein nachrangiges Thema. Sie sind nur der Teil für einen allfälligen Worst Case.“ Herbert Tempsch zufolge haben gerade KMU oft Probleme mit Businessplänen: „Sie haben die Hausaufgabe, sich in der stillen Kammer schlüssig zu überlegen, was die Chancen und was die Risiken sind – und das zu Papier zu bringen.“ Viele Unternehmer hätten all das lediglich im Kopf.

Die gute Nachricht: Wo die Bank, etwa die Österreichische Kontrollbank, der wichtigste Finanz- und Informationsdienstleister für Exportwirtschaft und Kapitalmarkt – kein grünes Licht gibt, springt ein vielfältiges Förderwesen ein. Die schlechte Nachricht: Man braucht fähige Berater, meist zunächst von der Hausbank, die wissen, wo was zu holen ist – und das Geld wird nicht verschenkt. Laut Manfred Seyringer haben Unternehmer oft Zuschüsse im Kopf, wenn sie von Förderungen reden, „aber die Förderlandschaft hat sich stark gewandelt. Die Zuschussthematik tritt immer mehr in den Hintergrund, und in den Vordergrund kommen günstige Refinanzierungsmöglichkeiten und Garantien“. Die Bank Austria empfielt sich, wenn für Exporte Garantien benötigt werden. Herbert Tempsch: „Wir haben uns in den letzten zwei Jahren das Thema Internationalisierung auf die Fahnen geheftet.“

Buntes Förderangebot

Die aws etwa vergibt zinsgünstige Kredite, Garantien und Zuschüsse im Fall von Wachstumsschritten. Bei einer Internationalisierung kann ein Kredit durch eine Finanzierungsgarantie gegenüber der kreditgebenden Bank um bis zu 80 Prozent abgesichert werden. Das Unternehmen muss laut aws keine weiteren Sicherheiten gegenüber der Bank abgeben. Bei Internationalisierungsgaran­tien ist der garantierte Betrag mit maximal 7,5 Millionen Euro pro Projekt begrenzt, was bei einer 80-prozentigen Garantieübernahme einem Kredit in Höhe von 9,375 Millionen Euro entspricht.

Zudem werden erp-Kredite für die Finanzierung von Produktionstöchtern und -Joint-Ventures österreichischer KMU im Ausland angeboten – seit 2015 auch für Internationalisierungen innerhalb der EU und für kleinere Vorhaben ab 50.000 Euro. Die Zuschüsse tec4market und kit4market etwa können in Anspruch genommen werden, wenn Forschungsergebnisse und Produktentwicklungen in den Markt übergeleitet werden bzw. innovative Technologien internationalisiert werden.

Auch die Finanzierung durch die Crowd, also viele private Geldgeber kann bei einem Schritt ins Ausland Sinn machen. Reinhard Willfort, Geschäftsführer des innovation service network (isn), erklärt: „Man könnte ein Produkt, das es in Österreich gibt, über Crowdfunding in anderen Ländern verbreiten.“ Zum Beispiel über Preselling: Kunden kaufen ein Produkt vor der Produktion – das Unternehmen kann die Produktion so finanzieren. Die Methode ist mit klassischen Finanzierungen kombinierbar: „Auch der Banker freut sich, wenn schon 1000 Stück vorbestellt sind.“ Und vor allem als Testballon auf einem Markt empfiehlt sich Crowdfunding: Gibt es viele Vorbestellungen, ist anzunehmen, dass sich die Expansion dorthin lohnt.

Bei KMU herrscht laut Willfort noch Aufklärungsbedarf: „Ihnen fehlt noch der Spirit, sie haben noch nicht gecheckt, dass es auch für kleinere Unternehmen eine Werkzeugkiste ist.“ Bank Austria-Experte Herbert Tempsch hält Crowdfunding dagegen für einen Nebenschauplatz und nur dann für sinnvoll, wenn ein Produkt leicht zu erklären ist. Bei komplexeren Dingen, wenn etwa Grundlagenforschung im Spiel ist, eigne sich das Modell nicht. Und Unternehmen, die Geld brauchen, rät er zu „Vorbereitung, Vorbereitung, Vorbereitung“ – und das frühzeitig.  

Autor:
Alexandra Rotter
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