KMU: Wenig Frauen an der Spitze | Die Wirtschaft Direkt zum Inhalt
„Nur jedes fünfte Mitglied der Geschäftsführung in Österreichs Unternehmen ist eine Frau.", so Elfriede Baumann, Partnerin und Verantwortliche für die Initiative „Women. Fast Forward“ bei EY Österreich.

KMU: Wenig Frauen an der Spitze

06.03.2017

Am 8. März findet der Internationale Frauentag statt. Dass es bis zur Gleichberechtigung aber immer noch ein weiter Weg ist, verdeutlicht ein Blick in die Chefetagen heimischer Unternehmen.

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Die Führungsebenen von Österreichs mittelständischen Betrieben werden immer noch eindeutig von Männern dominiert. Nicht einmal jede fünfte Führungskraft (18,4%) ist weiblich. Die letzten beiden Jahre waren von Stillstand geprägt: Der Frauenanteil stieg in dieser Zeit nur um 0,2 Prozentpunkte an. Am größten ist der Frauenanteil momentan in den Führungsetagen bei (Finanz-) Dienstleistern (26%) und Handelsunternehmen (25%), am wenigsten weibliche Führungskräfte gibt es aktuell im Bereich Elektrotechnik (9%) sowie im Kraftfahrzeugbau und bei Energie- und Wasserversorgern (jeweils 11%). Das sind die Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die 900 mittelständische Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeitern in Österreich sowie 3.000 bzw. 700 Unternehmen in Deutschland bzw. der Schweiz befragt wurden.
„Nur jedes fünfte Mitglied der Geschäftsführung in Österreichs Unternehmen ist eine Frau. Das wird der heutigen Arbeitswelt nicht gerecht. Ziel muss es sein, genauso viele Frauen wie Männer in die erste Reihe zu befördern. Im Kampf gegen den Fachkräftemangel sollte daran auch ein hohes Eigeninteresse in den Betrieben bestehen“, so Elfriede Baumann, Partnerin und Verantwortliche für die Initiative „Women. Fast Forward“ bei EY Österreich.

Trauriger Durchschnitt, wenig Bewegung 
Mit einem Frauenanteil in Führungspositionen von 18,4 Prozent liegt Österreich im Durchschnitt des deutschsprachigen Raums: In Deutschland ist der Anteil mit 18 Prozent etwas niedriger, in der Schweiz mit 20 Prozent etwas höher. Bei 40 Prozent der Unternehmen in Österreich findet sich immer noch keine einzige Frau in der Führungsetage – vor zwei Jahren waren es 41 Prozent. In Deutschland und der Schweiz sucht man bei jeweils 35 Prozent der Unternehmen vergeblich nach weiblichen Führungskräften.
„Die Führungsebenen in Österreichs Unternehmen sind immer noch weitgehend männlich besetzt“, so Elfriede Baumann. „In den letzten zwei Jahren hat sich der Frauenanteil nahezu gar nicht erhöht. Außerdem öffnen sich die ‚Herrenclubs‘ in Unternehmensführungen nur im Schneckentempo: Bei zwei von fünf Unternehmen sind die Führungsgremien wie vor zwei Jahren ausschließlich mit Männern besetzt. Wir sind nach wie vor weit von einer paritätisch besetzten Geschäftsführung entfernt.“

Kleinere Unternehmen setzen stärker auf Frauen im Top-Management
Beim Frauenanteil an der Spitze sind kleinere Unternehmen deutlich weiter als große: In der Umsatzklasse bis 30 Millionen Euro beschäftigen die Unternehmen im Durchschnitt 20 Prozent Frauen in der Führungsebene. Bei mittelgroßen Betrieben mit 30 bis 100 Millionen Euro Umsatz sind es 16 Prozent, bei großen Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz ist der Anteil mit 13 Prozent am geringsten. „Je kleiner das Unternehmen, desto stärker setzt es auf weibliche Führungskräfte. Eine Erklärung dafür dürfte sein, dass kleinere Unternehmen im Bemühen um Fachkräfte kreativer und flexibler sein müssen als größere Unternehmen. Sie können es sich daher nicht leisten, Frauen an die gläserne Decke stoßen zu lassen, sondern fördern sie gezielt“, so Elfriede Baumann. In Wien bestimmen am meisten Frauen in den Vorständen und Geschäftsführungen mit: Unternehmen aus der Bundeshauptstadt weisen mit 24 Prozent durchschnittlich den höchsten Frauenanteil aller Bundesländer auf. Auch im Burgenland (22%) sowie Salzburg bzw. Kärnten (jeweils 19%) sind Frauen verhältnismäßig stark in der Chefetage vertreten. Eindeutiges Schlusslicht ist Vorarlberg: Dort liegt der Anteil weiblicher Führungskräfte gerade einmal bei 13 Prozent. Demensprechend betreiben in Wien (29%) auch die meisten Unternehmen aktive Frauenförderung, gefolgt von Oberösterreich (28%) und Niederösterreich (26%). Den größten Aufholbedarf in puncto Frauenförderung haben erneut Unternehmen mit Sitz in Vorarlberg (11%).

Mehrheit sieht keinen Zusammenhang zwischen Frauenanteil und Unternehmenserfolg
In der Frage, ob ein höherer Anteil von Frauen in Führungspositionen den Unternehmenserfolg positiv beeinflusst, hat sich das Bild im Vergleich zum Vorjahr gedreht: Glaubte 2016 noch die knappe Mehrheit (51%) an einen Zusammenhang, gehen aktuell nur noch 43 Prozent von einer solchen positiven Korrelation aus. EY-Partnerin Elfriede Baumann dazu: „Der positive Aspekt dieses Ergebnisses ist, dass immer noch deutlich mehr Betriebe einen Zusammenhang zwischen einem höheren Anteil von weiblichen Führungskräften und dem Unternehmenserfolg sehen, als tatsächlich Frauen in der Geschäftsführung beschäftigen oder die Karriere von Frauen aktiv fördern. Jetzt gilt es, die Erkenntnis, dass gemischte Teams besser funktionieren und Unternehmen erfolgreicher machen, auch in konkrete Maßnahmen zum Ausbau des Frauenanteils an der Spitze umzuwandeln. Momentan fehlt es noch zu vielen Unternehmen an der nötigen Konsequenz. Sie müssen an einer offenen Unternehmenskultur arbeiten und weibliche Nachwuchskräfte nachhaltig fördern“, so Baumann.

Fast jedes vierte Unternehmen betreibt aktiv Frauenförderung
Insgesamt fördert momentan etwas weniger als jedes vierte Unternehmen in Österreich (23%) aktiv Frauen – vor einem Jahr waren es mit 25 Prozent noch geringfügig mehr. Damit ist das Engagement für die Förderung von Frauen in Österreichs Betrieben aber deutlich stärker als in der Schweiz (21%) und Deutschland (17%). Besonders hoch ist der Anteil bei Großunternehmen mit Jahresumsätzen von mehr als 100 Millionen Euro: Dort fördern 34 Prozent der Unternehmen aktiv Frauen, bei Unternehmen mit weniger als 30 Millionen Euro Umsatz sind es nur 19 Prozent. Was genau aktive Frauenförderung bedeutet, variiert allerdings je nach Betrieb. Jeweils zehn Prozent bieten gezielt Trainings zur Förderung von Frauen bzw. flexible Arbeitszeitmodelle an, acht Prozent schulen ihre Führungskräfte zur Gleichstellung von Frauen. Sechs Prozent setzen Maßnahmen zur Verringerung der Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern in gleicher Position um.

Schwierige Suche nach weiblichen Fachkräften
Den immer noch vergleichsweise geringen Anteil von Frauen in Führungsetagen begründen viele Unternehmensverantwortliche mit einem Mangel an geeigneten weiblichen Fachkräften. Über ein Drittel (36%) der Unternehmen in Österreich gibt an, dass die Rekrutierung qualifizierter weiblicher Fachkräfte für sie schwierig sei. Im Vergleich zum Vorjahr (37%) ist dieser Anteil leicht um einen Prozentpunkt zurückgegangen. Besonders betroffen davon sind laut eigener Aussage Elektrotechnik-Betriebe (52%), der Kraftfahrzeugbau (50%) und Energie- bzw. Wasserversorger (40%). Im Bundesländervergleich sehen insbesondere Mittelstandsunternehmen in der Steiermark (45%), Vorarlberg (41%) und Tirol (38%) Probleme bei der Rekrutierung von geeigneten weiblichen Fachkräften.

Zur Studie

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