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Klimaziele für Österreich

02.05.2016

Das Paris-Abkommen sieht die Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 °C vor. Auch Österreich und seine Unternehmer sind bei der Umsetzung der Klimaziele gefragt. 
 

Am 12. Dezember 2015 endete die 21. UN-Klimakonferenz in Paris mit einem historischen Ergebnis: Die 195 teilnehmenden Staaten einigten sich darauf, den globalen Temperaturanstieg auf deutlich unter 2 °C über dem vorindustriellen Niveau, wenn möglich auf 1,5 °C zu senken. Um das gesteckte Ziel erreichen zu können, müssen die Treibhausgasemissionen weltweit zwischen 2045 und 2060 auf Null gesenkt werden. Der Vertrag ist das erste Klimaschutzabkommen, in dem alle Staaten eigene Beiträge im Kampf gegen die Erderwärmung zusagen – diese reichen jedoch noch nicht aus, um den Anstieg der globalen Erwärmung auf klar unter 2 Grad zu begrenzen. Ab 2020 sollen daher alle fünf Jahre die Pläne überprüft und bei Bedarf nachgebessert werden. Darüber hinaus einigten sich die Industriestaaten darauf, den Ländern des Südens ab 2020 jedes Jahr hundert Milliarden Dollar für Klimaschutz und Anpassung zur Verfügung zu stellen.

Klimasünder Verkehr

Österreich hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 bei der Stromversorgung zu 100 Prozent auf erneuerbare Energieträger umzustellen. Da der Verkehr in Österreich der größte Verursacher von CO₂ ist, sind zusätzlich Alternativen wie E-Autos, der Ausbau des öffentlichen Verkehrs oder der Infrastruktur für Radfahrer gefragt. „Damit der Vertrag von Paris auch in der Praxis ein Erfolg wird, brauchen wir eine Mobilitätswende“, ist Umweltminister Andrä ­Rupprechter überzeugt und weist auf die Initiative „klimaaktiv mobil“ hin, die auf Elektromobilität setzt. „2016 werden wir rund 14 Millionen Euro in E-Mobilität investieren“, so der Umweltminister. Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) betont die Dringlichkeit eines umfassenden Maßnahmenpakets: „Es braucht eine Investitionsoffensive für umweltfreundliche Mobilität und die Abschaffung kontraproduktiver Förderungen“, sagt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer. „Laut einer aktuellen WIFO-Studie werden mehr als zwei Milliarden Euro pro Jahr in erdölfreundlichen Verkehr gesteckt.“ Laut Gratzer könnten von einer Mobilitätswende kleine Bauunternehmen profitieren, die vor Ort die Infrastruktur für Fußgänger und Radfahrer verbessern. Der Bedarf an Mobilitätsdienstleistungen wie Bike- und Car-Sharing, Abholdienste oder Mietwagen würden zunehmen. Der WIFO-Studie zufolge würden zudem der Ausbau des Öffentlichen Verkehrs sowie der Radfahrinfrastruktur pro 100 Millionen investierter Euro um rund 50 Prozent mehr Arbeitsplätze schaffen als der Bau von Autobahnen. Eine Studie des britischen Instituts Cambridge Econometrics zeigt, dass in Europa bis zum Jahr 2030 zusätzlich bis zu einer Million Vollzeitarbeitsplätze geschaffen werden können, wenn der Treibstoffverbrauch durch den verstärkten Einsatz von E-Fahrzeugen deutlich verringert wird.
Eine große Rolle bei der Umsetzung des Klimaabkommens werden erneuerbare Energien wie Photovoltaik, Windenergie, Wasserkraft sowie Biomasse spielen. Der aktuelle World Energy Outlook der International Energy Agency (IEA) besagt, dass erneuerbare Energien bereits 2014 fast die Hälfte der gesamten neu errichteten Kapazität zur Stromerzeugung ausmachten. Dennoch sieht Greenpeace-Energiesprecher Adam Pawloff noch großes Potenzial. „Zurzeit sind Subventionen für fossile Brennstoffe fünfmal so hoch wie diejenigen für erneuerbare Energien.“ Einer Studie des Internationalen Währungsfonds zufolge betrugen die Subventionen für fossile Energien 2014 weltweit fünf Billionen US-Dollar. „Hier sind bis spätestens 2050 Änderungen zugunsten erneuerbarer Energien notwendig“, fordert Pawloff. Umweltminister Rupprechter plädiert für einen Energiewende-Vertrag im EU-Recht, als Gegengewicht zum Euratom-Vertrag. „Wir müssen die Forschung intensivieren und entsprechend fördern, um die Energiewende zu schaffen.“ Der Umstieg auf erneuerbare Energie sei auch für die Wirtschaft wichtig, schaffe Arbeitsplätze und stärke den Export, so Rupprechter. 

Nachhaltig wirtschaften

Unternehmen sehen die Herausforderung bereits als Chancen an. Sie investieren in erneuerbare Energien und sichern sich dadurch einen Vorsprung am Markt. „Immer mehr Unternehmen machen sich für die Energiewende und erneuerbare Energie stark“, weiß respACT-Sprecherin Karin Haselböck. „Dazu gehören große Unternehmen wie Rewe, Spar oder die Post, aber auch kleinere Firmen wie Riess oder Gofair.“ Wie das in der Praxis aussieht, zeigt das Beispiel der Gofair GmbH. Sie bietet als erstes Unternehmen nachhaltigen Automaten-Kaffee an. „Mir wurde bewusst, mit wie viel Leid und Umweltschäden Billigkaffee aus Automaten verbunden ist“, erklärt der Geschäftsführer Rainer Dunst seinen Zugang. Der Kaffee ist Fairtrade-zertifiziert, die Becher 100 Prozent kompostierbar und die Automaten energieeffizient; durch den Ankauf von Humus-Zertifikaten aus der Ökoregion Kaindorf wird zudem jedes Getränk von Gofair CO₂-neutral gestellt. Eine eigens entwickelte Telemetrie vermeidet unnötige Fahrten und reduziert die Schadstoff-Emission auf ein Minimum. Für seine nachhaltige Vorreiterrolle bekam das Unternehmen 2015 den CSR-Preis „Trigos Steiermark“ in der Kategorie „Ganzheitliches CSR-Engagement Kleinunternehmen“ verliehen. Auch die Bank für Gemeinwohl, die sich noch im Aufbau befindet, will mit ihren Krediten Projekte, die dem Nachhaltigkeitsgedanken dienen, fördern. „Erneuerbare Energien, Biolebensmittel, fairer Handel und regionale Wirtschaftsstrukturen sollen Vorrang erhalten“, erklärt Mitgründer Christian Felber. Nicht der Profit, sondern die Maximierung des Gemeinwohls steht dabei im Mittelpunkt, ebenso wie Transparenz: Ziele und Maßnahmen sollen genau nachvollziehbar kommuniziert werden, etwa die Verwendung von Kundengeldern. Durch demokratisches Gestalten wird Geld zu einem Mittel des Gemeinwohls und der Lebensqualität für alle. Nur zwei Beispiele von vielen, die zeigen, wie sich Klimaziele und Business vereinen lassen.
 

Autor:
Susanne Wolf
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