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Rektorin Seidler setzt auf neue Rahmen­bedingungen anstatt auf Förderungen.

Frauen in der Technik

26.09.2016

Sabine Seidler ist Rektorin der ­Technischen Universität Wien. Im ­Gespräch mit die wirtschaft erklärt sie, wie man Barrieren aufbrechen kann und warum wir einen Kulturwandel ­brauchen.

Sabine Seidler ist Rektorin der ­Technischen Universität Wien. Im ­Gespräch mit die wirtschaft erklärt sie, wie man Barrieren aufbrechen kann und warum wir einen Kulturwandel ­brauchen. 

Klischees aufbrechen

Eines der hartnäckigsten Vorurteile unserer Gesellschaft ist, dass Frauen und Technik nicht zusammenpassen. Eine geschlechterspezifische Eignung für bestimmte Bereiche gibt es aber nicht, also auch nicht in Technik und Naturwissenschaften. Von der Kinderuni wissen wir, dass Interesse und Talente bei Mädchen und Burschen bis zwölf Jahre gleichermaßen vorhanden sind. Danach geht etwas verloren. Unterstützt wird dieser Effekt durch lange geübte gesellschaftliche Rollenbilder. Hier stellt die Zusammenarbeit mit Eltern und Lehrer_innen eine große Chance dar.

Rollenbilder aufbrechen

Wissenschaft und Wirtschaft, letztlich die Gesellschaft, können es sich nicht leisten, auf das Potenzial von Frauen zu verzichten. Es braucht nicht weniger als einen Kulturwandel hin zu einem klischeefreien Frauenbild, das realistisch und weithin sichtbar ist. Das überholte Bild der „männlichen Technik“ muss endgültig begraben werden. Die Teilhabe von Frauen ist eine gesellschaftliche Herausforderung, die eine Universität allein nicht lösen kann. Rollenbilder müssen aufgebrochen werden.

Rahmenbedingungen schaffen

Role Models sind ein Weg, junge Frauen für spannende Studien zu interessieren und vielfältige Karriereoptionen aufzuzeigen. Dazu dient zum Beispiel der 2015 etablierte TU-Frauenpreis. Darüber hinaus setzt die TU Wien diverse Fördermaßnahmen um, um Frauenanteile unter Studierenden und wissenschaftlichem Personal zu erhöhen. Wobei der Begriff Frauenförderung zu kurz greift beziehungsweise unterstellt, Frauen hätten Defizite. Es gilt vielmehr Rahmenbedingungen zu gestalten.

Frauenquoten allein sind in diesem Zusammenhang zu wenig. Sie sind ein politisches Mittel, um Druck zu erzeugen. Gleichzeitig setzen sie Frauen aber auch der ungerechtfertigten Kritik aus, sie wären eine „Quotenfrau“. Außerdem übt eine Quote beispielsweise in universitären Gremien Druck auf die wenigen Frauen aus, die infrage kommen. 

Ziele verfolge

Auch wenn heute eine wesentlich höhere Sensibilisierung und ein spürbarer Wille zur Veränderung wahrnehmbar sind, wir sind nach wie vor nicht an dem Punkt, an dem wir sein wollen. Aber Probleme lassen sich nur lösen, wenn man an ihnen dran bleibt. Das ist auch mein Tipp an alle Frauen: Ein Thema finden, für das man sich begeistert, notwendige Kompetenzen aufbauen und an seiner Vision festhalten. Keine Frau sollte sich einreden lassen, sie könne etwas nicht. Wenn sie es wirklich will, wird sie es schaffen.

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