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Exportländer im Vergleich – wo die Zahlung am häufigsten ausbleibt

02.02.2016

Die OeKB Versicherung veröffentlicht erneut jene Exportländer, aus denen die Zahlungen an ihre Kunden am häufigsten ausbleiben. Russland und Venezuela stehen wie bereits im Vorquartal an der Spitze der Länder mit den höchsten Zahlungsverzügen. Abnehmer in Kasachstan und Spanien lassen österreichische Exporteure per Jahresende vermehrt auf ihr Geld warten. Verglichen wurden die Werte zum Ende des vierten Quartals mit den Zahlen des dritten Quartals 2015

In 75 Prozent der Fälle ist ein Verzug Vorläufer eines Schadensfalles und daher laut dem Kreditversicherer eine wichtige Kennzahl. Das restliche Viertel resultiert aus der Insolvenz von Abnehmern. „Wenn unsere Versicherungsnehmer steigende Verzüge melden, dann ist das für uns ein wichtiger Indikator für die zukünftige Entwicklung eines Landes. Denn genau in diesen Ländern werden
erfahrungsgemäß auch die Schäden steigen“, erklärt Karolina Offterdinger, Vorstand der OeKB Versicherung – eine Marke der in
Österreich führenden Acredia Versicherung AG.
 

Die Top 3 der höchsten Verzüge: Russland, Venezuela und die Vereinigten Arabischen Emirate

Russland schafft den Hattrick in der Verzugsstatistik des Kreditversicherers OeKB Versicherung. Das Land verzeichnet das dritte Quartal in Folge die höchsten Verzüge, verursacht durch Forderungsausfälle bei Versicherungsnehmern der
OeKB Versicherung. „Der aktuelle Anstieg der Schäden ist eine direkte Auswirkung der erhöhten Verzüge vom Vorquartal“, erklärt Offterdinger. Insgesamt beobachte die OeKB Versicherung allerdings sinkende Zahlungsverzüge – eine Folge der 2014 in Kraft getretenen Sanktionen. Durch die Sanktionen gingen die Lieferungen und in Folge auch der Anstieg der Verzüge zurück.

 

Venezuela leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise. Nachdem im Vorjahr die Schäden aus Zahlungsausfällen stark gestiegen waren, sind Kreditversicherungskunden heute bei der Wahl ihrer Abnehmer vorsichtiger. Dadurch sinken auch die Verzüge.

 

Die wirtschaftliche Entwicklung der Vereinigten Arabischen Emirate wird nach wie vor durch den niedrigen Ölpreis gehemmt. 

 

Ungarn: keine außergewöhnliche Zahlungsproblematik

Trotz der derzeit insgesamt hohen Verzüge sieht die OeKB Versicherung in Ungarn, dem traditionell wichtigen Handelspartner Österreichs, keine außergewöhnliche Zahlungsproblematik. Offterdinger rät allerdings den österreichischen Exporteuren: „Behalten Sie immer Ihren Außenstand im Auge und betreiben Sie ein strenges Mahnwesen – auch wenn Sie innerhalb
der EU liefern.“

 

Die Wirtschaft des Nachbarlandes wuchs 2015 stärker als der EU-Durchschnitt. Ungarns Wachstumstreiber sind auch in 2016 vor allem der Privatkonsum und die lebhafte Auslandsnachfrage. Die Zahlungsverzüge und Schäden bei
Kreditversicherungskunden sind zwar hoch, aber stabil.

 

Die internationale Konjunkturentwicklung, vor allem die Wachstumsverlangsamung der chinesischen Wirtschaft, und
die möglichen Auswirkungen der Flüchtlingskrise in Europa schwächen das Land. Als weitere potenzielle Gefahren für die wirtschaftliche Entwicklung Ungarns sieht die OeKB Versicherung die Abwanderung der Fachkräfte und das
Verhältnis des Ministerpräsidenten Viktor Orbán zur Europäischen Union. 
 

Kasachstan: Abnehmer leiden unter sinkendem Rohstoffpreis

Die wirtschaftliche Entwicklung von Kasachstan – eines der rohstoffreichsten Länder der Welt – ist abhängig von seinen Einnahmen durch den Verkauf von Erdöl und Uran. Die krisenbedingt schwache Nachfrage aus Russland, der Ukraine und China hinterlässt nun ihre Spuren. „Unsere österreichischen Exporteure bekommen das durch die steigenden Zahlungsverzüge jetzt leider auch zu spüren“, so Offterdinger. Dies wirke sich laut dem Kreditversicherer auch auf die in den kommenden Monaten eintretenden Schäden aus, welche derzeit noch stabil wären.

 

Die kasachische Wirtschaft florierte bis 2011 und hat sich danach stetig verschlechtert. Zuletzt ist laut Institut für höhere Studien (IHS) das Wirtschaftswachstum von 4,3 Prozent in 2014 auf 0,9 Prozent in 2015 eingebrochen. Für 2016 wird ein schwaches Wachstum von 1,3 Prozent prognostiziert.

 

Spanien: mit Wirtschaft wachsen auch Verzüge

Spanien hat sich erfolgreich aus der Krise gekämpft. Der billige Euro und der sinkende Ölpreis schieben die Konjunktur weiter an. Die kreditversicherten Exporteure liefern derzeit vermehrt nach Spanien. Das über dem EU-Durchschnitt
liegende BIP (2015: 3,2 Prozent) stimmt die OeKB Versicherung auch für die nahe Zukunft positiv. „Spanien hat erfolgreich seine Wirtschaft angekurbelt. Mit der notwendigen Vorsicht sehen wir hier gute Chancen für Österreichs Exporteure“,
ergänzt Offterdinger.

 

Autor:
Redaktion.DieWirtschaft
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