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In bester Gesellschaft

17.12.2015

Schafft man es erst einmal in den exklusiven Kreis des Private Bankings, kann man auf eine Fülle an exquisiten Dienstleistungen zurückgreifen – auch über Generationen hinweg.

Es mag paradox klingen. Doch selbst das Private Banking, die Finanzdienstleistung des Geldadels, durchlebte in den vergangenen Jahren eine veritable Krise. Einerseits gibt sich auch die betuchte Klientel zunehmend knausrig. Auf Spesen wird immer genauer geachtet. Gleichzeitig steht die Vermögensverwaltung angesichts der tiefen Zinsen aber vor immer kniffligeren Herausforderungen – und steigende regulatorische Anforderungen lasten ebenfalls auf den Erträgen.

Ab 100.000 Euro Anlagevolumen
Dabei hat das Private Banking auch heute noch durchaus seine Vorzüge. Vorausgesetzt, man schafft den Schritt über die noblen Türschwellen, denn die Latten bzw. Mindestsummen sind hoch gesteckt – wenngleich auch breit gefächert. Die Schoellerbank betreut etwa private und institutionelle Kunden ab einer Portfolio-Zielgröße von 400.000 Euro. Witt-Dörring: „Bei geringeren Volumina finden wir, bei klar erkennbarem Potenzial, im Einzelfall individuelle Lösungen für eine Anlagemöglichkeit in unserem Haus.“

Mit einer Million Euro „kostet“ der Eintritt bei der Bank Gutmann am historischen Schwarzenbergplatz freilich ein gutes Stückchen mehr. Allerdings würden zum Kennenlernen auch 500.000 Euro reichen, wie Vorstandsmitglied Matthias Albert unterstreicht. Hoch ist ebenfalls die Hürde bei der Kathrein Privatbank, auch hier ist man erst ab einer Million Euro dabei. Wobei Vorstandsvorsitzende Susanne Höllinger betont: „Hier zählt das Gesamtvermögen, es zählen nicht nur die liquiden Mittel.“ Schließlich sei in den vergangenen Jahren seitens der Kunden sehr viel Geld in reale Werte wie Grund, Wohnungen und Gold geflossen. Ausgelöst wurde das freilich durch die Finanzkrise sowie die Suche nach sicheren Alternativen abseits der Anleihen.

Beim Salzburger Bankhaus Spängler beträgt die Mindestsumme hingegen 100.000 Euro. Robert Hager, Bereichsleiter Private Banking, zeigt dabei auf: „Unsere Klientel sind Privatpersonen sowie Unternehmer und ihre Familien.“ Das trifft freilich auch auf die Mitbewerber zu, sie alle betreuen zudem auch Stiftungen.

Breite Streuung
Doch was zeichnet das Private Banking heute eigentlich noch aus? Antworten darauf hat etwa Robert Zadrazil, Vorstandsmitglied Private Banking der Bank Austria: „Geopolitische Krisen, ein anhaltendes Niedrigzinsumfeld, volatile Börsen, ein stark gesunkener Ölpreis und überraschende Wechselkursschwankungen machen eine ,Kaufen und halten‘-Strategie völlig unbrauchbar.“ Bestückt wurden früher die meisten Portfolios freilich auch mit hochverzinsten Staatsanleihen. „Aktuell merken wir, dass aktiv gemanagte Anlagelösungen vermehrt nachgefragt werden. Eine möglichst breite Streuung des Vermögens über verschiedene Assetklassen, geografische Regionen und Investmentprodukte sowie ein aktives Management sind bei den aktuell volatilen Märkten und dem Niedrigzinsumfeld unbedingte Voraussetzung.“ So könnten Schwankungen ausgeglichen und ein Wertzuwachs aus anderen Anlageklassen mitgenommen werden.

Spängler-Experte Hager: „Es gibt zwar zahlreiche Informationen über Wertpapiere und die Finanzmärkte etwa im Internet.“ Die große Herausforderung, mit dieser Vielzahl an Informationen richtig umzugehen, mache die Dienstleistung „Private Banking“ so wertvoll. Grundsätzlich bieten die meisten Privatbanken unterschiedliche Musterportfolios an, von defensiv (äußerst anleihe-lastig), über ausgewogene bis hin zu offensiven (hoher Aktienanteil) Veranlagungslösungen.

Dabei sieht Hager einen klaren Trend: „In unseren Asset-Management-Portfolios dominiert weiterhin die Strategie Ertrag/Wachstum mit einer Gewichtung von 50 Prozent Anleihen und 50 Prozent Aktien.“ Zudem bestehe bei den Vermögensverwaltungsmandaten die Möglichkeit, eine individuelle Wertuntergrenze zu vereinbaren. Hager: „Dadurch können Verluste in extrem negativen Jahren begrenzt und die Schwankungsbreite des Portfolios reduziert werden.“ Damit sei aber keine Kapitalgarantie verbunden.

Individueller Zuschnitt und All-inclusive
Ähnlich der Tenor bei den Mitbewerbern. Gaston Giefing, Leiter von Raiffeisen Private Banking der RLB NÖ/Wien, unterstreicht: „Viele unserer Kunden wählen konservative bis moderate Veranlagungslösungen, sie werden individuell auf die Kundenbedürfnisse zugeschnitten.“ Themen wie Risikotragfähigkeit und -neigung, finanzielle Verhältnisse und Zeithorizont seien laut Giefing dabei von wesentlicher Bedeutung. Womit sich freilich auch die Frage der Kostenhöhe stellt. Allein, auch hier gibt es einen klaren Trend, wie Wolfgang Traindl, Leiter des Private Banking in der Erste Bank, aufzeigt: „All-inclusive-Gebühren sind stark im Vormarsch. Darin sind die Vermögensverwaltung oder Beratung und die damit verbundenen Transaktionen sowie die Depotgebühr abgedeckt.“ Dabei könne man laut Traindl von einer Belastung zwischen jährlich 0,8 und 1,5 Prozent ausgehen.

Die Entwicklung kann man bei der Bank Gutmann durchaus bestätigen. Vorstandsmitglied Matthias Albert: „Wir sehen in den letzten Jahren einen Trend zur All-in-Lösung.“ Dabei ist man überzeugt, dass es für die Kunden „einfacher wird und es auch mehr Transparenz gibt“. Bei der Bank Gutmann richtet sich die All-in-Gebühr nach der Portfoliogröße sowie der Komplexität der Aufgabenstellung und liegt in der Regel zwischen ein bis zwei Prozent.

Mit der reinen Geldverwaltung ist allerdings längst nicht Schluss, schließlich umfasst das Private Banking eine breit gefächerte Palette an Dienstleistungen. Das Bank-Austria-Private-Banking bietet eine Finanzierungsberatung an. Ein großes Thema für das Private Banking ist freilich auch die Nachfolgeplanung. Zadrazil von der Bank Austria: „Wir laden unsere Private-Banking-Kunden gemeinsam mit deren Erben zu Generationengesprächen ein.“ Dabei erarbeite man gemeinsam mit ausgewählten Notaren, Steuer- und Rechtsexperten eine Nachfolgeplanung, „die einerseits den Erhalt des Vermögens im Fokus hat und andererseits den Wünschen und Lebenssituationen der Erblasser und ihrer Erben gerecht wird“.

Leistungen aller Art
Auch die Betreuung von Privatstiftungen hat einen hohen Stellenwert. Beim Bankhaus Spängler gibt es etwa das Privatstiftungsservice, das unter anderem die Beratung von Privatstiftungen hinsichtlich der Stiftungsgründung und Organisation umfasst. Auch biete man ein Privatstiftungsreporting als Management-Tool für Stiftungsvorstände an. Eine Vorsorgevollmacht wird ebenfalls angeboten, sie umfasst das Unterstützen der Kunden bei der Erarbeitung von Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten.

Kathrein-Chefin Höllinger verweist auf weitere Angebote: „Wir begleiten und unterstützen Unternehmer bei allen Fragen, die sich aus der Gesellschaftserstellung ergeben können, etwa bei Kauf- und Verkaufstransaktionen, Umgründungen aller Art.“ Auch die Suche nach geeigneten Partnern oder neuen Geschäftsfeldern zähle dazu. Bei der RLB NÖ/Wien gibt man diesem Thema auch einen Namen, das „Raiffeisen Gute Beziehungen“. Es biete Mitgliedern den Zugang zum größten Wirtschaftsnetzwerk Österreichs. Giefing: „Neben sämtlichen Unternehmen des Raiffeisensektors befinden sich darin viele unternehmerisch denkende Kunden. Dazu gehören etwa Rechtsanwälte, Notare und Steuerberater, die wir unseren Kunden für rechtliche und steuerliche Themen empfehlen.“

Allein, während das Private Banking zumindest nach außen hin als verschwiegene „Elite“ wirkt, findet hinter den noblen Kulissen so etwas wie eine gesamte Lebensplanung statt.

Autor:
Redaktion.DieWirtschaft
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